Der erste Teil der Arbeiten am Möbellager ist abgeschlossen, jetzt folgt Bauphase zwei.

© XXXLutz

Chronik Burgenland
07/28/2021

Großprojekt in Zurndorf: Naturschutz gegen Lutz – die Zweite

Zweite Bauphase des XXXLutz-Lagers fällt größer aus als geplant. „Alliance for Nature“ fordert Umweltverträglichkeitsprüfung.

von Paul Haider

Halb Europa soll von hier aus mit Möbeln versorgt werden. Seit 2019 wird neben der Ostautobahn, zirka sieben Kilometer außerhalb des Zurndorfer Ortsgebietes, an einem gigantischen Lagerhaus gebaut.

Dabei handelt es sich um das neue XXXLutz-Zentrallager, das mit einer Lagerfläche von 290.000 Quadratmetern die Warenversorgung aller Möbelhäuser des Unternehmens in Mittel- und Südosteuropa abdecken soll.

Bis zu 320 neue Arbeitsplätze stellt XXXLutz im Endausbau des Lagers in Aussicht – eine willkommene Finanzspritze in Form von Kommunalsteuereinnahmen für Zurndorf.

60 Millionen Euro investiert XXXLutz in das  Zentrallager in Zurndorf. Die Gebäudefläche beträgt 120.000 Quadratmeter, die Lagerfläche (gestapelt) 290.000 Quadratmeter.

1.500 Fundstücke brachten die  Ausgrabungen am Grundstück zutage. Eine Römervilla aus dem 3. bis 4. Jahrhundert wurde entdeckt.

500 Großtrappen gibt es mittlerweile wieder im Burgenland. 1995 war der Bestand auf 90 Tiere geschrumpft, die Großtrappe war vom Aussterben bedroht. Deshalb wurden Trappen-Schutzgebiete eingerichtet, 436 Hektar davon liegen auf dem Zurndorfer Hotter.

Kritiker

Die Bodenversiegelung auf dem 18,5 Hektar großen Grundstück und das zu erwartende erhöhte Verkehrsaufkommen ruft indes auch Kritiker auf den Plan. Christian Schuhböck von „Alliance for Nature“ hat bereits im ersten Bauabschnitt Beschwerde gegen das Projekt eingelegt und rechtliche Schritte bemüht.

Dass Bauphase zwei des Möbellagers nun noch größer ausfallen soll als ursprünglich geplant, lässt beim Naturschützer alle Alarmglocken läuten: Die nördlichen und südlichen Gebäudeflügel sollen verlängert werden, und auch ein Untergeschoss ist jetzt vorgesehen. Schuhböck erneuert daher seine Forderung nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung, die er schon bei der ersten Bauphase erkämpfen wollte – jedoch vergeblich.

„Das Problem ist, dass die Burgenländische Landesregierung keinen Feststellungsbescheid ausgestellt hat, der besagt, dass für das Möbellager keine UVP durchzuführen sei. Dadurch konnten wir den Feststellungsbescheid nicht bekämpfen“, erklärt Schuhböck im Gespräch mit dem KURIER. Die Nähe zum EU-Vogelschutzgebiet mache für ihn eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt aber unumgänglich.

Vögel nicht gefährdet?

Werner Falb-Meixner, ehemaliger Zurndorfer Bürgermeister und Obmann der Interessensgemeinschaft Großtrappenschutz, ist hingegen nicht der Meinung, dass das XXXLutz-Projekt eine Gefährdung für das Vogelschutzgebiet darstellt: „In Zurndorf haben wir bewiesen, dass Naturschutz und Wirtschaft ein Miteinander sein können und nicht gegeneinander arbeiten müssen“, meint Falb-Meixner.

Mehr als 3.000 Hektar des Zurndorfer Hotters stehen bereits unter Naturschutz. Für den Bau des Zentrallagers ist eine Ausgleichsfläche von weiteren 30 Hektar vorgesehen.

Christian Schuhböck sieht aber auch andere Gründe, die für ein UVP-Verfahren sprechen würden. Allen voran die Überreste einer römischen Villa aus dem 3. Bis 4. Jahrhundert, die bei den Erdbewegungen in Zurndorf freigelegt wurden. „Meiner Meinung nach müsste aufgrund dieser äußerst wertvollen Kulturgüter eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Denn es geht nicht an, dass diese Römersiedlung zugunsten eines Möbellagers einfach planiert und zubetoniert wird“, so Schuhböck.

Seit der Entdeckung der historischen Funde in Zurndorf finden die Erdarbeiten in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt statt. Die archäologischen Ausgrabungen hat XXXLutz mit 350.000 Euro unterstützt. Einige der Fundstücke sollen nach Abschluss der Bauarbeiten auch vor Ort besichtigt werden können.

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