Wie Mieter von Gemeinnützigen vom Verkauf der Wohnbauförderung profitieren
Nach den Eigentümern von Häusern und Wohnungen sollen nun auch Mieter gemeinnütziger Wohnbaugesellschaften vom Verkauf aushaftender Wohnbaudarlehen des Landes profitieren.
Wie, das haben LH Hans Peter Doskozil, Wohnbaureferent Heinrich Dorner (beide SPÖ) und der Obmann der burgenländischen Gemeinnützigen, OSG-Vorstandschef Alfred Kollar, am Freitag in Steinberg-Dörfl erläutert.
Nach den privaten Häuslbauern, die ihre noch offenen Darlehen mit 25-prozentigem Nachlass vorzeitig zurückzahlen können, gibt es nun auch ein Angebot an die vier gemeinnützigen Wohnbauvereinigungen im Burgenland (OSG, Neue Eisenstädter, EBSG und B-Süd) ihre Wohnbauförderungsdarlehen vorzeitig und begünstigt ans Land zurückzuzahlen.
Im gemeinnützigen Wohnbau sei das Ganze "ein bissl komplexer" als bei den privaten Eigentümern, so Doskozil, denn hier gebe es "unterschiedliche Zinssätze und Laufzeiten". In mehreren Verhandlungsrunden habe man ein Ergebnis erzielt, das auch Kollar als "definitiv gut" beurteilt.
Die monatlichen Kreditkosten, die sich die Bauträger durch die vorzeitige Rückzahlung ersparen, sollen direkt an die Mieter weitergegeben werden.
Der vorzeitige Rückkauf wird für den Einzelnen also durch die Senkung der Mieten schlagend. Der Nachlass wird abhängig von der Restlaufzeit des Darlehens gestaffelt. Die ältesten mit einer Restlaufzeit von unter fünf Jahren können mit 15 Prozent Nachlass vorzeitig zurückgezahlt werden, jene mit fünf bis 17 Jahren Restlaufzeit mit 25 Prozent und die neuesten mit einer längeren Restlaufzeit mit 35 Prozent.
Mieter müssen nicht selbst aktiv werden
Für die Mieter gilt: Sie müssen sich nicht aktiv bei "ihrem" gemeinnützigen Wohnbauträger melden. Die notwendigen Anträge werden von der jeweiligen Wohnbaugesellschaft für ihre Objekte gestellt. Die Bauvereinigungen können bis Ende Mai Anträge einbringen und bis Ende Juni ans Land zurückzahlen. Insgesamt rechnet Kollar mit 700 bis 800 Anträgen für die vier Bauträger, allein auf die OSG dürften 300 bis 400 entfallen, was etwa 3.000 Wohnungen und Reihenhäusern entspricht.
Die Bauträger müssen in den kommenden Wochen die Darlehen aussieben, bei denen ein Rückkauf sinnvoll ist, weil er "eine spürbare Entlastung" für die Mieter bringe. Als Richtwert habe man eine Größenordnung von mindestens 20 Euro Mietersparnis monatlich und 250 Euro pro Jahr festgelegt.
Zweite Phase
Durch die vorzeitige Rückzahlung der Darlehen durch die Gemeinnützigen erwartet sich Doskozil rund 100 Millionen Euro fürs Landesbudget. Von den mehr als 23.000 Haus- und Wohnungseigentümern haben bisher 70 Prozent das Angebot der begünstigten Rückzahlung angenommen, diese Aktion endet am 31. März. Die Rückzahlung muss bis 30. April erfolgen. Derzeit liegt das geschätzte Rückflussvolumen aus diesem Topf bei rund 260 Millionen Euro.
In der im zweiten Halbjahr folgenden dritten und letzten Phase des Verkaufs aushaftender Wohnbaudarlehen werden Banken und Versicherungen eingeladen, Anbote ans Land zu stellen. Dafür werde es eine europaweite Ausschreibung geben, sagte Doskozil auf KURIER-Nachfrage. Das Burgenland habe aber "im Gegensatz zu anderen Bundesländern" die Wohnbauförderung "nicht in Bausch und Bogen" an private Finanzdienstleister verkauft, sondern erst Häuslbauer und Gemeinnützige bedacht, so Doskozil.
700 Millionen Euro für eine Milliarde
Insgesamt wirft das Land Wohnbauförderungsdarlehen im Wert von einer Milliarde Euro auf den Markt, der erwartete Gesamterlös soll bei rund 700 Millionen liegen. Zu den 360 Millionen von Privateigentümern und Gemeinnützigen müssen also noch einmal 340 Millionen von Banken und Versicherungen kommen. Einen Gutteil des eingenommenen Geldes will das Land in die Gesundheitsversorgung investieren.
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