Burgenlands Wohnbauförderung: Verkauf in drei Schritten

Single-family houses
Aushaftende Wohnbaudarlehen sind eine Milliarde Euro wert. 700 Millionen will das Land durch Verkauf erlösen. Nach Eigentümern von Immobilien sollen nun Mieterinnen und Mieter profitieren.

Im Rahmen seiner Budgetrede Ende November hat LH und Finanzreferent Hans Peter Doskozil (SPÖ) den Verkauf aushaftender Wohnbaudarlehen erstmals angekündigt. 700 Millionen Euro sollen so ins Landesbudget gespült werden, der größte Teil fließt in den Ausbau der medizinischen Versorgung.

Der Verkauf geht in drei Schritten vonstatten. Zunächst richtet sich das Angebot des Landes an „natürliche Personen“, die mithilfe eines Direktdarlehens der burgenländischen Wohnbauförderung ein Eigenheim, ein Reihenhaus oder eine Wohnung erworben haben.

In einem zweiten Schritt sollen auch Mieter von Reihenhäusern und Wohnungen gemeinnütziger Wohnbaugesellschaften profitieren, und zum Schluss könnten auch Banken und Versicherungen zum Zug kommen.

Der KURIER gibt einen Überblick über den Stand der Dinge.

Wie läuft es bei den Eigentümern von Haus oder Wohnung? 

Das Land bietet ihnen bis 31. März 2026 eine begünstigte vorzeitige Rückzahlung von Wohnbaudarlehen an. Gewährt wird ein Nachlass von 25 Prozent auf das zum Zeitpunkt der Rückzahlung noch offene Darlehen.

Wer noch 40.000 Euro zurückzahlen müsste, erspart sich 10.000 Euro. Voraussetzung: Der Antrag muss bis spätestens 31. März beim Amt der Landesregierung (Infos auf burgenland.at) eingelangt und der errechnete Rückzahlungsbetrag bis 30. April geleistet sein.

Von den 23.000 angeschriebenen Darlehensnehmern haben bisher 7.000 einen Antrag gestellt, zieht der zuständige Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ) Zwischenbilanz.

Was können Mieterinnen und Mieter erwarten?

Neben „natürlichen Personen“ können auch gemeinnützige Bauvereinigungen Darlehensnehmer sein (Globaldarlehen bei Wohnanlagen). Seit Ende des Vorjahres befinde man sich in konstruktiven Gesprächen mit den Gemeinnützigen im Burgenland, um Unterstützungsmöglichkeiten für deren Mieterinnen und Mieter auszuloten, heißt es aus dem Büro Dorner. Ziel sei, Mieterinnen und Mieter „in einem ähnlichen Ausmaß“ zu entlasten. Man rechne damit, demnächst eine gemeinsame Lösung präsentieren zu können.

Das bestätigt auch OSG-Vorstand Alfred Kollar, der in seiner Eigenschaft als Obmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen Verhandlungspartner des Landes ist. Am Ende sollte es auch für Darlehensnehmer in Mietverhältnissen eine Ersparnis geben. Wie groß die wird, ist noch offen, es handle sich um umfangreiche „Rechenaufgaben“ heißt es.

Was passiert dann mit den übrigen Darlehen?

Ab Ende April sollen sie Finanzinstituten angeboten werden. Dass den Darlehensnehmern daraus Nachteile entstehen, werde nicht erwartet. Zumal es sich um ein gängiges Instrument handle. Die Bundesländer Niederösterreich, OÖ oder Steiermark, wo ÖVP und FPÖ am Ruder sind, hätten bereits Wohnbauförderungsdarlehen am Markt verkauft, wird betont.

Gibt es Kritik am Verkauf der Wohnbaudarlehen?

Ja, etwa vom Verein für Wohnbauförderung. „Wenn zur Haushaltskonsolidierung Darlehen verkauft werden, ist das der absolut falsche Weg“, sagt VWBF-Obfrau Andrea Washietl. So werde die Selbstfinanzierungskraft des Wohnbauförderungssystems „nachhaltig geschwächt und leistbares Wohnen für künftige Generationen aufs Spiel gesetzt“.

Kommentare