50 Jahre Freilichtmuseum: Eine Zeitreise im Südburgenland

Ein Hügel, ein Dorf und 50 Jahre Geschichte: In Gerersdorf wird Vergangenheit lebendig.
Ein schmaler Weg führt zu einem weißen Haus mit Strohdach, umgeben von alten Holzhäusern und herbstlicher Vegetation.

Wer in Gerersdorf bei Güssing von einer kleinen Straße auf eine noch schmalere Nebenroute abbiegt und den Hügel hinauffährt, findet sich wenig später in einer anderen Zeit wieder. Im Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf im Bezirk Güssing wird das Leben früherer Generationen unmittelbar sichtbar. Zum Saisonbeginn am Sonntag steht das weitläufige Areal ganz im Zeichen des Jubiläums „50 Jahre Freilichtmuseum“ – und eines besonderen Neuzugangs.

Als 36. Museumsgebäude wurde im Vorjahr einer der letzten Kittinge aus Unterschützen ins Museum gebracht. Der frei stehende Speicherbau wurde in spektakulärer Weise als ganzes Gebäude mit einem Sondertransport nach Gerersdorf gebracht und mit einem Kranwagen auf den vorbereiteten Holzkranz aufgesetzt.

Wie alles begann

Elf Stunden dauerte die rund 40 Kilometer lange Fahrt, begleitet von vier Blaulicht-Fahrzeugen. Vor der Installierung im Freilichtmuseum wurde das Gebäude wissenschaftlich untersucht, die Holzanalysen ergaben das Baujahr 1748. Damit ergänzt der Kitting die bisherige Sammlung historischer Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude und Werkstätten aus dem Südburgenland. Das Ziel bleibt, diese Gebäude vor dem Verfall zu retten.

Rustikaler Raum mit Holztisch, Geschirr, alten Küchenutensilien an der Wand und Blick nach draußen auf einen Hof mit Pflanzen.

Das Freilichtmuseum Gerersdorf feiert 50 Jahre.

Dass es das Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf überhaupt gibt, ist dem Engagement von Gerhard Kisser und Eveline Niederbacher-Kisser zu verdanken. Vor 50 Jahren lernte der gebürtige Wiener Gerersdorf bei Güssing kennen und interessierte sich besonders für das damals letzte strohgedeckte Haus der Ortschaft mit seiner original erhaltenen Rauchküche.

Daraus entwickelte sich der Gedanke, historische Holzblockbauten der Region vor dem Verfall zu retten. Als Kisser 1972 das erste Grundstück am Riegelberg kaufte, entstand damit der Ausgangspunkt für das heutige Ensemble. Aus dieser Arbeit wurde im Lauf der Jahre das größte Freilichtmuseum des Landes.

Im so entstandenen „Dorf im Dorf“ stehen heute 35 historische Bauwerke, die meist aus Holz, Lehm und Stroh errichtet wurden. Die Gebäude und Gerätschaften stammen aus dem pannonischen Raum, vorwiegend aus dem südlichen Burgenland und dem angrenzenden heutigen West-Ungarn. Eine besondere Herausforderung ist die Erhaltung der strohgedeckten Dächer.

Kunst, Kultur, Kreativität: Das bietet das Jubiläumsjahr

Neben dem Museum bietet das Ensemble Gerersdorf auch eine breite Palette an Veranstaltungen. Das heurige Programm umfasst Ausstellungen, Musikveranstaltungen, Kinderangebote, Aktionstage und Kreativkurse. 

Im Lauf des Jubiläumsjahres sind vier Ausstellungen geplant, alle von Künstlern, die  im Südburgenland leben:  Peter White, Uschi Wacker und Erwin Muik zeigen ihre Werke, den Abschluss bildet die Ausstellung   „50 Jahre Freilichtmuseum“ von Gerhard Kisser.

Fünf Kinder machen ein Sackhüpfen auf einer Wiese vor einem Haus mit Strohdach.

Vierte Auflage des Museumstags für Kinder am 30. Mai. 

Das Musikprogramm wird vom Singkreis Gerersdorf am 25. April eröffnet, bis Juni folgen eine Blues Night mit Arthur Fandl, Konzerte und Lesungen, unter anderem mit Michael Schottenberg und Martina Parker.

Die bedeutendste Veranstaltung des Jahres ist das Jubiläumsfest „50 Jahre Freilichtmuseum“ am  20. September.  Nach dem offiziellen Teil wird um 14 Uhr die Ausstellung von Museumsgründer Gerhard Kisser eröffnet.

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