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Chronik Burgenland
08/27/2021

Flüchtlingstragödie: „Es gibt viele, die gerne helfen“

Zum 6. Jahrestag der Katastrophe, bei der 71 Tote im Lkw gefunden worden waren, fordern die Grünen die Aufnahme von Frauen aus Afghanistan.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Die Erinnerung an die Entdeckung, die Polizeibeamte am Morgen des 27.August 2015 auf der Ostautobahn A4 machten, macht auch sechs Jahre später fassungslos. Vier Kinder, acht Frauen und neunundfünfzig Männer - sie sind auf der Flucht in dem Kühllaster qualvoll erstickt.

Eine Gedenkinitiative soll an das Schicksal der 71 Toten erinnern.

„Uns ist es ein Anliegen, dass die Tragödie nicht vergessen wird und sich durch die Erinnerung nicht wiederholt“, sagt der Grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Spitzmüller. Ein entsprechender Antrag der Grünen wurde im Landtag im Juli mehrheitlich beschlossen, die FPÖ stimmte nicht zu.

Als Standort für die Erinnerungstafel sei die Raststation bei Parndorf angedacht, sagt eine Sprecherin der Asfinag auf KURIER-Anfrage.

Der Kühltransporter war am 26. August 2015 östlich von Budapest gestartet. Die 71 Flüchtlinge aus dem Irak, dem Iran, Afghanistan und Syrien waren in dem luftdicht abgeschlossenen Transporter gestorben.

Zuvor hatten die Insassen verzweifelt um Hilfe geschrien und gegen die Ladewand gehämmert, wie der bulgarische Fahrer später vor Gericht aussagte. Vergeblich: Er hatte die Anordnung, den Laderaum keinesfalls zu öffnen.

Den elf Schleppern aus Afghanistan, Bulgarien und Libanon wurden in einem zweijährigen Verfahren der Prozess gemacht. Die vier Haupttäter wurden schließlich zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Erinnerungen in Parndorf

Dass in den vergangenen Wochen wieder vermehrt Flüchtlinge über die ungarische Grenze ins Burgenland kommen, ist auch in der Gemeinde Parndorf Thema. „Natürlich ist mit der Erinnerung an 2015 ein mulmiges Gefühl verbunden. In der Bevölkerung gibt es Sorge, dass sich die Situation wiederholen könnte“, sagt Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA).

Im Theaterstück „71 oder der Fluch der Primzahl“ hat Regisseur Peter Wagner die Katastrophe aufgearbeitet. Als „kultureller Gedenkstein“ wurde das Werk 2017 in Parndorf uraufgeführt.

"71 Frauen und Mädchen aufnehmen"

Zum sechsten Jahrestag der Flüchtlingstragödie fordert die Grüne Landessprecherin Regina Petrik nun, dass Österreich bedrohte Frauen und Mädchen aus Afghanistan „auf einem sicheren Weg nach Europa bringen“ solle. „Das Burgenland könnte 71 von ihnen aufnehmen. In unserem Bundesland gibt es viele Menschen, die gerne helfen“, sagt Petrik.

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