© Michael Pekovics

Fertörakos
09/26/2019

Fertörakos: Naturschützer fordern mehr Engagement von Österreich

NGOs fordern in Resolution Schutz des Neusiedler Sees, grenzüberschreitende UVP und neue Bemühungen auf EU-Ebene.

von Michael Pekovics

Tief hängende Wolken und Nieselregen, so präsentierte sich der Himmel über dem Neusiedler See bei Mörbisch – und auch im benachbarten Fertörakos sah es nicht anders aus. Keine idealen Voraussetzungen für die Schifffahrt, zu der die „Freunde des Neusiedler Sees“ und andere NGOs (Nichtregierungsorganisation) geladen hatten. Aber passend zur Stimmung an Bord.

„Abschied nehmen“

„Ich bin heute hier, um Abschied zu nehmen“, erklärte eine der Teilnehmerinnen und meinte damit wohl das naturbelassene Ufer am ungarischen Teil des Sees bei Fertörakos. Vermutlich dauert es nicht mehr lange, ehe die auf Pfählen im Wasser gebauten Häuser im See dem von der ungarischen Regierung geplanten Tourismusprojekt im Ausmaß von rund 75 Millionen Euro weichen müssen.

Auch wenn bis dato noch kein Baustart bekannt ist, gibt es aus Ungarn keine Anzeichen für eine Änderung der Pläne. Die sehen, so bekannt, ein touristisches Großprojekt mit Freizeitpark, Hotel, Sportplätzen, Anlegeplätzen für rund 400 Segelschiffe und 350 Paddelboote sowie 880 Pkw- und Bus-Parkplätzen vor.

EU-Vertragsverletzungsverfahren?

Zu groß, speziell für den kleinen ungarischen Uferabschnitt, und insgesamt zu viel für den seit 2001 als Unesco-Welterbe anerkannten Neusiedler See, meinen Naturschützer und Projektgegner, der Status Welterbe sei ebenso in Gefahr wie jener als Ramsar- und Natura-2000-Gebiet. „Allen Bemühungen zum Trotz schreitet die Privatisierung des Ufers weiter voran – sowohl in Ungarn als auch in Österreich“, ortet Rudolf Gollubich von den „Freunden des Neusiedler Sees“ eine „Ausschlachtung des Weltkulturerbes“. Seine Forderung: Die Politik solle auf die Bewilligung aller weiteren Bauprojekte verzichten, bis der „Masterplan Neusiedler See“ in Kraft getreten sei. Ähnliches fordert Wolfgang Pelikan, Vorsitzender des Ramsar-Komitees: „Ein verbindlicher Masterplan wäre wichtig, mit klaren Regeln für Architekten.“

In einer Resolution fordern sechs NGOs zudem eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nach Artikel 7 gemäß europäischer UVP-Richtlinie. Dieser Antrag wurde laut dem österreichischen Ministerium schon gestellt – ohne Erfolg (der KURIER berichtete). „Dann hat Österreich aufgrund der nicht erfolgten grenzüberschreitenden UVP ein Vertragsverletzungsverfahren auf EU-Ebene anzustrengen. Österreich hat sich bei der Unesco vertraglich zum Schutz des Welterbes verpflichtet“, legt Christian Schuhböck („Alliance for Nature“) nach.

Der ungarische Umweltschützer Zoltan Kun habe unlängst Beschwerde bei der Natura-2000-Abteilung der EU eingereicht und versuche derzeit, in Brüssel den Rechtsweg zu eröffnen. Gegen ein in die Region passendes Projekt in Ungarn habe man nichts, betonen die Gegner beider Staaten. „Aber heute haben wir gesehen, wie klein der ungarische Teil ist – dagegen ist Österreichs Seite ja ein Meer“, so ein Teilnehmer bei der Ankunft im Mörbischer Hafen.

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