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Chronik Burgenland
09/04/2019

Eisenstadt kämpft gegen Wildschweinplage und zieht "Grenze"

Stadt geht mit Vergrämungsmittel gegen gefräßige Wildschweine vor. Tiere kommen schon bis in die Gärten am Waldrand.

von Michael Pekovics

Mancher Gartenbesitzer am Stadtrand von Eisenstadt ist derzeit mit einem Problem konfrontiert. Aus dem nahen Wald zieht es Wildschweine ins Siedlungsgebiet, wo sie auf der Suche nach Futter ihre Spuren hinterlassen. Um dem Treiben Einhalt zu gebieten, setzt man seitens der Stadt auf Bewusstseinsbildung bei Betroffenen, Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und den Einsatz eines Vergrämungsmittels. „Es hat Sichtungen im Ortsgebiet gegeben“, bestätigte der Leiter des Bürgermeisterbüros, Michael Hamedl, einen Bericht des ORF Burgenland, wonach Wildschweine Wiesenflächen aufgewühlt hätten.

Derartiges habe sich auch schon im Vorjahr ereignet. Deshalb habe man begonnen, entlang des Feiersteigweges im Norden der Landeshauptstadt mit Hilfe eines Vergrämungsmittels eine „natürliche Grenze“ zu ziehen. Dabei handle es sich um ein Tongranulat mit Duftstoffen, das die Wildschweine davon abhalte, Gebiete zu betreten, in denen sie nicht gewollt seien. Der Einsatz habe bisher „gute Erfolge“ gebracht, weshalb man die Maßnahme auch heuer wieder anwende.

Eisenstadt wird immer wieder von Wildschweinen heimgesucht

Warum der Klimawandel mehr Wildschweine bringt

Seitens der Stadt setze man auch auf Bewusstseinsbildung bei den Bürgern. Es sei wichtig, dass sich die Grundstückseigentümer richtig verhielten: So sollten Wildschweine nicht angefüttert und kein Grünschnitt auf freien Flächen angesammelt werden. Auch Fallobst sollte nicht liegenbleiben. Eigentümer von Grundstücken hätten die Verpflichtung, ihre Grundstücke zu pflegen. Mit der Jagdgesellschaft sei man in gutem Einvernehmen und versuche, auf direktem Wege Maßnahmen zu setzen.

Die Zunahme des Wildschweinbestandes sei auch dem milderen Klima geschuldet. Dem entsprechend steige der Futterbedarf beim Nachwuchs, so Hamedl. An die Bevölkerung werde appelliert, sich in der Dämmerung nicht mehr im Wald zu bewegen, um Ruhe für die Wildschweine zu schaffen. Dass durch die Ausdehnung des Siedlungsgebietes der Mensch sich womöglich zusehends dem Lebensraum der Wildtiere annähert, sieht man im Rathaus mit dem Hinweis auf den Stadtentwicklungsplan 2030 nicht so: Darin seien klare Bebauungsgrenzen vorgesehen „und die werden eingehalten“.

Jäger: Schwarzwild weiß, dass am Stadtrand nichts passiert

Seitens des Burgenländischen Landesjagdverbandes betrachtet man die Problematik etwas allgemeiner: Zersiedelung bringe eine Verzahnung zwischen Siedlung und Wald, so Geschäftsführer Andreas Duscher zur APA. Das Wildschweinproblem am Stadtrand hätten auch Großstädte. Im Ortsgebiet selbst könne man seitens der Jäger nicht viel tun. Die Jagd im verbauten Gebiet sei gesetzlich verboten. Das Schwarzwild wisse zudem, dass es hier Ruhe habe. Es sei zwar vielleicht ein bisschen lauter, „aber es passiert ihm nichts.“

Man sei auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Schwarzwild sei sehr robust. Ein Zaun ohne festes Fundament stelle nicht unbedingt ein Hindernis dar - vor allem, wenn dahinter etwas für Wildschweine attraktiv sei: „Dann fangen die zu graben an“, so Duscher. Hier verhindere etwa ein Betonfundament, dass der Zaun untergraben wird. Wichtig sei ein gemeinsames Konzept, um den Wildschweinen den Aufenthalt im Stadtgebiet „so lästig und so unangenehm wie möglich“ zu machen: „Dann kommen sie auch nicht mehr hinein.“