Chronik | Burgenland
28.02.2018

Wildschweine werden in Stadtnähe stärker bejagt

Jägerschaft reagiert auf stärkeres Vordringen der Schwarzkittel in Siedlungsgebiete.

Eher belustigt als erschrocken reagierte Anja Haider-Wallner, als sie am Montag aus dem Küchenfenster ihres Hauses in Eisenstadt blickte: "Wildschweinchen verspeisen unsere Schneeglöckchen", kommentierte die Unternehmensberaterin das Gesehene in einem sozialen Netzwerk. "Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt", sagt Haider-Wallner zum KURIER. Wichtigste Vorsichtsmaßnahme: Ihre Kinder würden bei Dunkelheit lieber nicht über die Wiese zur Bushaltestelle gehen.

Vertraute Besucher

Tatsächlich sind Wildschweine vor der Haustür in Eisenstadts Randlagen unterhalb des Leithagebirges gang und gäbe. Besonders betroffen ist die Gegend zwischen Buchgrabenweg und Hartlsteig, mancher Garten gleicht einem Acker. Nicht jeder Hausbesitzer nimmt es mit so viel Humor wie Franz Kögler: "Ich habe unser Haus zu einer Festung ausgebaut", verweist der Hofrat lachend auf die Wildschwein-hemmende Umzäunung seines Grundstücks, denn vor allem 2016 sei es schon "arg" gewesen. Ein anderer Bewohner der Gegend ist überzeugt, dass der Andrang der Schwarzkittel in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Die intelligenten Tiere wüssten nämlich, "wo es die guten Sachen gibt" – etwa Komposthaufen.

Die Jägerschaft reagiere sehr wohl auf die höhere Frequenz von Wildschweinen in Siedlungsgebieten, kontert Andreas Duscher vom Landesjagdverband da und dort geäußerte Kritik. Wie? Durch "verstärkte Bejagung in stadtnahen Waldgebieten". 2017 sei von insgesamt rund 50 erlegten Wildschweinen rund um die Landeshauptstadt etwa ein Drittel in Stadtnähe erlegt worden. Wobei Jäger auch hier extrem vorsichtig sein müssten, denn Freizeitsportler wie Discgolfer seien querfeldein unterwegs.

War im alten Jagdgesetz noch festgeschrieben, dass am Rand von bebautem Gebiet noch einmal eine Schussverbotszone mit einem Radius von 100 Metern eingehalten werden musste, sei dieser Passus im neuen Gesetz von 2017 zwar gefallen, aber Siedlungsgebiet gelte weiterhin als tabu. Duscher: "Hier herrscht Jagdruhe".