© Roland Pittner

Chronik | Burgenland
04/30/2019

Ein Paradies für alte Obstsorten

Die Familie Lendl kümmert sich um die Erhaltung alter Obstsorten und die einzige Mostothek des Landes.

Hans Josef Lendl hütet einen Schatz. Auf einer Bergkuppe in der südlichsten Ortschaft des Landes – Kalch, Gemeinde Neuhaus am Klausenbach, blühen im Moment zig Obstbäume. 278 sind es, von der Kirsche bis zum Apfel und Marillenbaum. Viele der Sorten haben noch gar keinen Namen, sie wurden hier hergebracht, um die Obstbäume des Burgenlandes für die Nachwelt zu konservieren.

„Nächstes Jahr feiern wir unser 15-jähriges Jubiläum“, sagt Lendl. Angefangen hat es mit einer Idee, „ich wollte einen Sortengarten“, sagt Lendl. Dann kam der Naturschutzbund Burgenland ins Spiel und plante einen Erhaltungsgarten fürs ganze Land in Kooperation mit dem Verein Mostidylle Südburgenland. „Die Ableger der Sorten wurden hier bei uns im Obstgarten zusammengetragen“, sagt Lendl, der täglich bei seinen Bäumen ist. Aus dem Sortenerhaltungsgarten ist auch eine Attraktion geworden, mit rund 3000 Besuchern im Jahr.

Führungen

„Wir wollten den Garten nicht nur so dahinschlummern lassen“, sagt Lendl. Deshalb wird er gegen Anmeldung für Schulklassen oder Busreisegruppen geöffnet. „Meine Frau und ich bieten Führungen an“, sagt Lendl. Neben dem Erlebnis bei der Streuobstwiese wird auch viel Wissen über die alten Sorten an die Besucher weitergegeben. Für Kinder gibt es ein spezielles Programm mit einem großen Klavier und vielen Attraktionen zwischen den Obstbäumen. Rosalinde Lendl bietet Schule am Bauernhof an und betreut jedes Jahr zahlreiche Schulklassen aus der ganzen Region. „Wir versuchen das Wissen immer spielerisch zu vermitteln“, sagt Lendl. Sohn Philipp Lendl ist als Imker mit seinen Bienen im Obstparadies, die für die Bestäubung der Bäume sorgen.

Kurse

Neben den Führungen bieten die Lendls auch Kurse an. Die Themen reichen von der Vermehrung von Obstbäumen, bis hin zur Pflege und Kräuterkurse. „Wir verwenden keinen Pflanzenschutz und sind bio zertifiziert“, sagt Lendl. Neben der Arbeit mit Besuchern wird auch viel im Obstparadies experimentiert. „Heuer habe ich es erstmals geschafft, auf einem Apfelbaum, Birnen wachsen zu lassen“, sagt Lendl. Neben seinen eigenen Versuchen, sind auch oft Universitäten zu Gast und forschen an dem Sammelsurium der pannonischen Obstbaum-Vielfalt. Ein weiterer Besuchermagnet ist die Mostothek, die einzigartig im Burgenland ist. In einem 300 Jahre alten Kellergewölbe werden die edelsten Tropfen mit Goldprämierung verkostet. „Meine Frau und ich sind ausgebildete Mostsommeliers“, sagt Lendl. Sie wollen das Image des Obstweins heben, „was auch zur Erhaltung von alten Apfelsorten beiträgt“, meint Lendl.

 

Die Arbeit für das Obstparadies sei ehrenamtlich, Lendl ist hauptberuflich bei der Gemeinde angestellt. „Man muss schon eine Leidenschaft haben. Aber der Garten gibt mir auch etwas, ich kann jeden Tag hier herkommen und eine andere Sorte probieren.“ Demnächst werden die ersten Kirschen reif, der erste Höhepunkt im Obstjahr, freut sich Lendl.