Stefan Ottrubay beim KURIER Talk mit Chefredakteurin Martina Salomon

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Burgenland
02/26/2020

Zwei Jahre nach der Versöhnung: Stefan Ottrubay im Interview

Esterhazy arbeitet nach Beendigung des Streits mit dem Land an neuen Projekten. Im Norden wird über Bio-Forschungsschwerpunkt verhandelt.

von Michael Pekovics

Stefan Ottrubay ist keiner, der sich gern öffentlich in den Mittelpunkt stellt. Ganz anders hingegen die Marke, für die der Generaldirektor der Esterhazy Betriebe und Neffe der 2014 verstorbenen Melinda Esterházy verantwortlich ist. Mit einem Gesamtumsatz von 55,8 Millionen Euro im Jahr 2018 und knapp 360 Mitarbeitern ist Esterhazy einer der über die Grenzen hinaus bekannten Leitbetriebe des Burgenlandes.

Das Verhältnis zum Land war nicht immer friktionsfrei. Erst mit dem Wechsel von Hans Niessl zu Hans Peter Doskozil wurde Ende 2018 die 12-jährige Eiszeit beendet. Ottrubay spricht im KURIER Talk mit Chefredakteurin Martina Salomon auf schauTV in der Rückschau sogar von "Kampf" und "Krieg", betont aber gleichzeitig das "seither ausgezeichnete Verhältnis zum Land".

Als direkte Folge der abgeschlossenen Rahmenvereinbarung mit dem Land wird im Steinbruch von St. Margarethen nach einer Pause wieder Oper gespielt – heuer Turandot von Giacomo Pucchini. Zwölf Millionen Euro habe man in diesen Spielort investiert und auch deshalb gebeten, nicht "schlechter behandelt zu werden, als andere Kulturveranstalter im Land". Mit Erfolg.

Hotel für Kulturgäste

Basis dieses, nicht nur kulturellen pannonischen Imperiums, sind die ab 1994 von Melinda Esterházy gegründeten Stiftungen. Über 100 Millionen Euro wurden in den vier Unternehmensbereichen Pannatura, Immobilien, Tourismus & Kultur sowie Wein seitdem investiert. Neuestes Projekt ist der Bau eines 4-Stern-plus-Hotels nahe des Schlosses mit 118 Zimmern inklusive einer Anlage mit 62 Wohnungen. Ottrubay verspricht einen "touristischen Leitbetrieb für das nördliche Burgenland", der neue Gästeschichten ansprechen soll.

"Ohne gehobene Hotellerie, die es abseits der Thermenhotels nicht gibt, bleibt eine gewisse Klientel fern", sagt Ottrubay und erhofft sich mehr zahlungskräftige Kulturtouristen. Wie tief Esterhazy dabei selbst in die Tasche greifen muss, wird nicht kolportiert. Die Kosten für das Hotelprojekt werden nur in Verbindung mit der bereits laufenden Modernisierung des Seebades Breitenbrunn genannt: insgesamt 75 Millionen Euro.

Bio-Forschung am Feld

Das Geld dafür kommt aus der Stiftung sowie aus den Einnahmen. Allein die Forst- und Landwirtschaft verzeichnet einen jährlichen Betriebsgewinn von 7,8 Millionen Euro. Kein Wunder, schließlich ist Esterhazy laut Ottrubay mit 9,8 Prozent Anteil an "fruchtbaren, bewirtschafteten Flächen" einer der größten Grundbesitzer des Burgenlandes.

Und passt angesichts der Tatsache, dass (derzeit) 3.000 Hektar Fläche seit 15 Jahren biologisch bewirtschaftet werden, perfekt zur von Doskozil ausgerufenen burgenländischen Bio-Wende. Diese Kompetenz soll nun ausgebaut werden, laut Ottrubay befindet man sich in Verhandlungen mit einer "der großen europäischen Bio-Forschungsgruppen" über eine Konzentrierung der Forschungstätigkeit im Nordburgenland.

Reich und autoritär?

Bei all dem müsse man schon ein bisschen aufpassen, dass "es einem nicht zu Kopf steigt", sagt Ottrubay auf die Frage, ob er angefeindet werde, weil er im Burgenland zu den Reichen gehöre. Die Burgenländer hätten gelernt, mit unterschiedlich situierten Familien zu leben und "mit einer gewissen natürlichen Bescheidenheit und Nähe wird man gut akzeptiert".

Weniger Akzeptanz könnte hingegen Ottrubays Führungsstil bei seinen leitenden Managern haben. Ende 2019 schied etwa Rudolf Schwarz, Geschäftsführer der Esterhazy Betriebe, nach nur einem halben Jahr wieder aus. Ottrubay selbst führt das "auf die enorme Dynamik unserer Gruppe" zurück. Man müsse eben bereit sein, das mitzutragen.

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