© Michael Pekovics

Chronik Burgenland
09/06/2019

Druck in Ungarn zu groß: Projektgegner planen Treffen am See

Gesprächsbedarf am Neusiedler See: Treffen in "internationalem Gewässer", Ungarn lädt zu Besprechung mit der Politik.

von Michael Pekovics

Die Bauarbeiten am ungarischen Ufer des Neusiedler Sees für das geplante Tourismusprojekt in Fertörákos lassen derzeit noch auf sich warten. Aber vermutlich nicht mehr lange, denn auf ungarischer Seite mehren sich die Zeichen, dass man nicht gewillt ist, substanzielle Änderungen an den Planungen vorzunehmen. Dementsprechend offensiv gehen nun auch die Gegner vor, die bei einem Treffen in dieser Woche eine größere Veranstaltung für 25. September angekündigt haben.

Angst vor der Politik

„Auf einem Schiff am See, quasi in internationalem Gewässer. In Ungarn wollte uns kein Gastronom sein Lokal vermieten, weil die Angst vor politischem Druck offenbar zu groß ist“, sagt Christian Schuhböck, von der Landschaftsschutzorganisation „Alliance For Nature“.

Wie berichtet ist eine umfassende Modernisierung des Areals um rund 75 Millionen Euro geplant, inklusive Errichtung eines mehrstöckigem Hotels, Anlegeplätze für 800 Boote sowie eines Freizeitparks und all der dazugehörigen touristischen Infrastruktur. Nicht lange nach dem ersten KURIER-Artikel darüber gab es sowohl auf österreichischer als auch auf ungarischer Seite kritische Stimmen, die negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt befürchten und sich klar gegen das Projekt stellten, an dem auch Viktor Orbáns Tochter Ráhel und ihr Gatte István Tiborcz beteiligt sein sollen.

Nationalpark pro Orbán

Im Rahmen eines Pressegesprächs im Nationalparkzentrum Illmitz zu einem anderen Thema wurde jedenfalls klar, dass die ungarische Seite des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel in Person von Direktorin Kulcsárné Roth Matthaea voll hinter dem Projekt der Orbán-Regierung steht.

Auf die Frage, wie sie das Projekt bewerte und ob dadurch Auswirkungen auf die Umwelt zu erwarten seien, meinte sie, dass „die ungarischen Behörden die Folgen ausreichend geprüft haben und keine negativen Auswirkungen feststellen konnten“. Die Genehmigung zur Durchführung des Projekts sei in „bestem Wissen und Gewissen“ erfolgt, es gebe „keine naturschutzrechtlichen Bedenken oder Probleme“ bezüglich der Umweltverträglichkeit.

Dazu muss man wissen, dass der ungarische Teil des Nationalparks einem Ministerium untersteht und deshalb auf einer Linie mit Béla Kárpáti, Generaldirektor der Sopron-Neusiedler Tourismusentwicklung Nonprofit AG, ist. Dieser hat sich in dieser Woche mit Österreichs Nationalpark-Direktor Johannes Ehrenfeldner getroffen, um das Projekt genauer vorzustellen.

Wenig erhellende Gespräche

Auf KURIER-Anfrage sagt Ehrenfeldner, dass „mein Wissen über das Projekt nicht größer geworden ist. Konkrete Angaben wie Höhe der geplanten Objekte haben gefehlt“. Bestätigt wurde ihm allerdings das Ausmaß des gesamten Projekts, das im Endausbau rund 60 Hektar groß sein wird. Positiv ist laut Ehrenfeldner jedenfalls, dass auch ein Ökozentrum mit interaktiver Ausstellung geplant ist, wo die einzigartige Flora und Fauna präsentiert werden soll. Dass Ungarn bereit ist, von bereits genehmigten Planungen abzurücken, glaubt Ehrenfeldner nicht.

BeimTreffen der Projektgegner wurde zudem bekannt, dass sich mittlerweile neben der Unesco auch andere internationale Organisationen wie das Ramsar-Komitee oder die Vertreter von Natura 2000 eingeschaltet und darüber hinaus auch die beiden Vereine „Freunde des Neusiedler Sees“ – auf österreichischer und ungarischer Seite – enge Zusammenarbeit angekündigt haben.

Unesco will Statements

Dass sich die Zivilgesellschaft einmische, sei bei Projekten dieser Art üblich, sagt Florian Meixner von der Unesco in Wien, der seine Organisation in einer Art Vermittlerrolle mit Brückenfunktion sieht. „Wir haben beide Vertragsstaaten, also Österreich und Ungarn, um eine Stellungnahme ersucht.“

Erste Informationen für das Land Burgenland dürfte es kommende Woche bei einem Termin von Landesrätin Astrid Eisenkopf mit ungarischen Vertretern geben. Das fordern auch die Gegner: „Die Betreibergesellschaft soll alle Projektunterlagen zur Verfügung stellen“, sagt Schuhböck und wünscht sich einen Antrag auf Feststellung einer UVP-Pflicht durch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit.