„Im Sommer erleben Sie einen sehr aktiven Landeshauptmann Doskozil“
Auch wenn Hans Peter Doskozil immer wieder betonte, die Operationen seien für ihn mittlerweile Routine, ja Teil seines Lebens - wie belastend die Erkrankung seines Kehlkopfs tatsächlich ist, kann von außen nicht annähernd beurteilt werden.
Insgesamt elf Eingriffe seit 2018, zuletzt zwei Mal pro Jahr und jedes Mal hieß es, die OP sei „erfolgreich und komplikationslos verlaufen“. Für Beobachter, die Doskozils Auftritte bei Pressekonferenzen, im Landtag oder bei Veranstaltungen verfolgten, war das schwer nachvollziehbar. Denn die Stimme wurde immer schwächer, was er sagte, immer schwerer zu verstehen.
All das soll nun passé sein, seit Doskozils Vertrauensarzt Andreas Dietz vergangene Woche am Uniklinikum Leipzig den immer wieder aufs Neue und zuletzt beschleunigt verknöchernden Kehlkopf entfernt und eine Stimmprothese implantiert hat. Er sei „sehr, sehr optimistisch“, dass jetzt die Heilung der Erkrankung erreicht werde. Die Stimme Doskozils werde „lauter“ sein als bisher und man werde ihn „besser verstehen“.
Am Mittwochnachmittag stellte sich der Direktor der HNO-Uniklinik in Leipzig via Zoom den Fragen von Journalisten.
„Frühere Kehlkopf-Entfernung hätte keinen Sinn gehabt“
Der KURIER fragte Dietz, warum der Kehlkopf nicht schon früher entfernt wurde? „Früher hätte das keinen Sinn gehabt“, so der 63-Jährige. Denn Doskozil habe keinen Krebs, sondern eine „völlig andere Erkrankung“. Verknöcherungen des Kehlkopfs seien nicht so selten, meistens könnten diese aber nach ein, zwei Operationen gestoppt werden. Das sei bei seinem Patienten aus dem Burgenland, den er im sechsten Jahr behandelt, leider nicht der Fall gewesen.
Das sei weder vorhersehbar gewesen, noch habe es mit Doskozils Beruf als Politiker zu tun. Rauchen oder Vielsprechen seien „keine Risikofaktoren“. Mit anderen Worten, dieser Verlauf der Krankheit ist Schicksal.
„Es hat mich sehr beeindruckt, wie gut Herr Doskozil damit umgeht“, so Dietz, „er ist extrem willensstark“. Doskozil müsse sich nun erholen und dann mit logopädischer Hilfe das Sprechen ohne Kehlkopf erlernen, „wie man das Spielen eines Instruments lernt“, so Uni-Professor Dietz.
Die Atmung über eine Öffnung vorne am Hals (Tracheostoma) bleibt Doskozil erhalten, die aus einem Ventil zwischen Speise- und Luftröhre bestehende Stimmprothese hält vier bis acht Monate, danach muss sie getauscht werden. Das geschehe aber ambulant durch einen HNO-Facharzt in Österreich, dafür müsse Doskozil nicht mehr nach Leipzig kommen.
Wann ist Doskozil wieder mit beiden Beinen auf der politischen Bühne? Man sollte ihn „ein bis zwei Monate in Ruhe lassen“, so Dietz„ grobe Schätzung. Aber: “Im Sommer werden Sie einen sehr aktiven Landeshauptmann erleben„.
Ob er glaube, dass Doskozil mit der Stimmprothese so fit werde, um auch bundespolitisch wieder mitmischen zu können, fragt der KURIER: “Ich sehe keinerlei Handicap„, meint Dietz mit einem Schmunzeln. Doskozil sei “sicher stärker und belastbarer als in den letzten Jahren„.
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