Vom politischen Büro zum obersten Weinlobbyisten
Die Leidenschaft für den Wein hat den gebürtigen Salzburger Herbert Oschep (43) erst nach seiner Übersiedlung ins Burgenland gepackt. Seit rund einem Jahr ist der frühere Sprecher und Büroleiter der roten Landeshauptmänner Hans Niessl und Hans Peter Doskozil Geschäftsführer der Weintourismus Burgenland GmbH und seit wenigen Tagen wiedergewählter Obmann von Wein Burgenland. Oschep über ...
... die Erwartungen für 2026
Das muss man zweigeteilt sehen. Im Bordeaux etwa ist die Rodung einer Fläche im Gang, die doppelt so groß ist wie das Burgenland. Das zeigt, dass am Weinmarkt ein irrsinniger Druck herrscht. Der Weinkonsum geht generell zurück, leidenschaftliche Trinker sterben aus, die Jungen trinken weniger Alkohol. Gleichzeitig verfallen die Traubenpreise. Unter 40 Cent für ein Kilo sind wirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Das ist eine Gemengelage, die es uns sehr schwer macht. Auf der anderen Seite ist es uns im Burgenland am besten in Österreich gelungen, die starke Marke Burgenland so zu positionieren, dass er heute sicher sehr viel attraktiver ist, noch wie vor zehn Jahren. Aber ich brauche da niemandem etwas vorzumachen, da würden mich die Winzer auslachen: Heuer wird genauso schwierig wie 2025.
... Auswirkungen des Kriegs im Iran und der US-Politik
Der Iran und die ganze Region ist kein Exportmarkt für burgenländischen Wein. Die USA waren in den letzten Jahren ganz wichtig für uns. Winzer, die es geschafft haben, sich dort einen Namen zu machen, sind nach wie vor dort. Für Neueinsteiger ist die Unsicherheit aufgrund der US-Zollpolitik wohl zu groß. Positiv zu erwähnen ist US-Nachbar Kanada, wo wir extrem steigende Exporte haben.
... das Ziel, bei der Weinvermarktung stärker aufs Burgenland zu setzen und wie das mit der Aufteilung des Landes in sechs Weinbauregionen zusammenpasst
Wir wollen den Fokus noch stärker auf Burgenland legen. Da steht auch Andreas Liegenfeld (Weinbaupräsident, Anm.) zu 100 Prozent dahinter. Das heißt nicht, dass die Regionen verschwinden müssen. Das will ich nicht. Zum Beispiel ist der Eisenberg unter Kennern in ganz Europa ein Begriff. Das musst du erst einmal zusammenbringen als Weingebiet mit 400 Hektar. Aber im Außenmarketing muss an erster Stelle Burgenland stehen und dann kann man über die Regionen reden. Das hat übrigens schon Paul Rittsteuer vertreten (früherer ÖVP-Agrarlandesrat, Anm.), dafür gebührt ihm großer Dank.
... seine Idee hinter der extravaganten TV-Werbung mit Burgschauspieler Nicholas Ofczarek
Mir war nie klar, warum burgenländische Weinwerber oder Winzer so demütig und passiv sind. Denn wir haben – Entschuldigung – ein saugeiles Produkt und coole Winzerinnen und Winzer, die auf der ganzen Welt ihre Weine verkaufen. Der Wein ist neben dem Neusiedler See Burgenlands bekannteste Marke. Ich wollte mit einem provokanten Werbespruch auffallen: Bordeaux war gestern, Burgenland ist heute. Ein paar haben geglaubt, der ist verrückt. Aber ich wollte Selbstbewusstsein einimpfen. Der nächste Schritt war, dieses Selbstbewusstsein über einen prominenten Menschen und eine kreative Werbung sichtbar zu machen. Tourismusdirektor Didi Tunkel hat Ofczarek angerufen. Das war in der Coronazeit, Ofczarek hat einen Anruf der Bezirkshauptmannschaft erwartet, sonst hätte er womöglich gar nicht abgehoben. 70 bis 75 Prozent der TV-Konsumenten halten die Werbung für genial, der Rest schimpft darüber. Entscheidend: Burgenländischer Wein ist in aller Munde.
... das Budget für Weinmarketing
Der Weintourismus Burgenland hat ein Budget von 761.000 Euro im Jahr und vier Mitarbeiter. Dazu kommen 150.000 Euro vom Land an den Verein Wein Burgenland und 1,2 Millionen Euro als Länderbeitrag fürs Österreichische Weinmarketing. In Summe rund zwei Millionen Euro Landesgeld fürs Weinmarketing. Laut einer Studie des Ökonomen Christian Helmenstein bringt der Wein im Burgenland eine Wertschöpfung von fast 260 Millionen Euro. Ich glaube, das ist effizienter Steuermittel-Einsatz.
... seinen Wechsel vom politischen Büro ins Weinmarketing
Ich komme mir fast vor wie ein Fußballprofi, der seine Leidenschaft ja auch zum Beruf machen kann. Natürlich gibt es Menschen, die meinen, ich hätte das nur der Politik zu verdanken. Vielleicht bin ich besonders kritisch beäugt worden: Ich bin kein gebürtiger Burgenländer, komme aus der Politik und – noch viel schlimmer – bin Sozialdemokrat und rede auf typischem ÖVP-Terrain mit. Aber all das macht nichts. Nicht die Winzer müssen sich vor mir beweisen, ich muss mich vor ihnen beweisen.
... den Beginn seiner Leidenschaft für den Wein
Ich hatte einen kongenialen Partner, meinen Schwiegervater, der als Tiroler auch ein Beuteburgenländer ist. Als ich 2007 ins Burgenland gezogen bin, haben wir gemeinsam angefangen, Wein zu trinken. Inzwischen bin ich Pächter eines 0,24 Hektar großen Weingartens in Donnerskirchen, bei der Bewirtschaftung hilft mir Michael Liegenfeld. Mein Blaufränkisch heißt übrigens „Freundschaft“.
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