© Familie Pomper

Chronik Burgenland
07/12/2020

Das Burgenland auf dem Weg zum Trüffelland

Die Funde im Südburgenland häufen sich. Die Trockenheit verlangsamt Ausbreitung des Pilzes jedoch.

von Michael Pekovics

120.000 Euro hat im November des Vorjahres ein unbekannter Bieter aus Hongkong für eine Trüffel aus dem italienischen Alba im Piemont bezahlt. Gewicht: ein Kilogramm. Das liegt weit über dem üblichen Marktpreis von 375 Euro pro 100 Gramm, die in Italien für eine weiße Trüffel bezahlt werden. Geschätzte 200.000 Sammler gibt es in Italien, sie generieren rund 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.

Kein Fund ohne Glück

Generell wachsen Trüffel über den ganzen Globus verteilt, Italien, Frankreich und Kroatien gelten als Hochburgen. Der Pilz der Gattung Tuber wächst aber auch in Deutschland und Österreich. Im Gegensatz zu unserem Nachbarland ist die Trüffelsuche und -ernte bei uns erlaubt. Mit Ausnahme von ausgewiesenen Naturschutzgebieten und Kärnten, wo der Pilz unter Naturschutz steht. Generell gelten die jeweiligen Landesgesetze, die meist das Sammeln von zwei Kilogramm pro Kopf erlauben.

Grundsätzlich braucht es aber sehr viel Glück, um Trüffel überhaupt zu finden, vor allem ohne einen speziell dafür ausgebildeten Hund. Aus dem südburgenländischen Neuberg wurden unlängst zwei Funde von weißen Trüffeln gemeldet. „Zufällig beim Schwammerlsuchen“, sagt der glückliche Finder, der eigentlich nur auf der Suche nach Pilzen war. Dass die weiße Trüffel echt sei, wurde ihm von einigen Küchenchefs bestätigt.

Nur wenige Tage später dann der zweite Zufallsfund und nach Berichten in diversen Medien war in den Wäldern rund um Neuberg spürbar mehr los, erzählen Jäger von „schwammerlsuchenden Einheimischen“. Einen richtigen „Schwammerltourismus“ habe man aber noch nicht bemerken können, sagt der Neuberger Karl Knor, aber durch das feuchte Wetter im Juni hätte es relativ viele Pilze gegeben. „Vielleicht entwickelt sich das Südburgenland ja noch zu einer Trüffelregion.“

Trüffel anbauen

Erste Ansätze dafür gibt es bereits. Nämlich in Form einer vor einigen Jahren in Angriff genommenen Trüffelplantage. Bisher wurde aber noch nichts geerntet. Das hat auch mit der zunehmenden Trockenheit in unseren Breiten zu tun – sowohl im Winter als auch im Sommer. Denn so wie jeder Pilz benötigt auch die Trüffel genügend Feuchtigkeit, um wachsen zu können und um sich zu vermehren. Außerdem braucht man für das gewerbliche Trüffel-Business einen langen Atem, mit der ersten Ernte ist erst nach frühestens fünf bis sieben Jahren nach der Errichtung der Plantage zu rechnen.

In Österreich gibt es derzeit geschätzte 25 bis 30 Hektar Anbaufläche, jährlich kommen circa vier Hektar dazu. Auch in Deutschland wird bereits seit zehn Jahren auf bis zu 100 Hektar professionell Trüffel angebaut, im Herbst des Vorjahres wurden erste größere Ernten gemeldet. So wie auch in NÖ, wo auf einer Trüffelplantage im Bezirk Hollabrunn nach sechs Jahren die erste Perigordtrüffel geerntet wurde. Häufiger sind da schon Funde von Burgundertrüffel, für die aber weit weniger gezahlt wird.

Die Preise sind aber ohnehin von Saison zu Saison unterschiedlich und schwanken stark. In Istrien (Kroatien), einer der Hochburgen, kostet ein Kilogramm Weiße Trüffel im Einkauf schon mal 5.500 Euro. Heimische Schwarze gibt es um rund 800 Euro. Also ein Geschäft, das sich lohnen könnte.

Wo wachsen  Trüffel?
Trüffel (Gattung: Tuber) wächst in einer Tiefe von zehn bis 20 Zentimetern in kalkhaltigen sowie strukturreichen Böden und  in Symbiose mit ihrer Wirtspflanze, bevorzugt Buche, Eiche oder Haselnuss

Wie findet man Trüffel?
Früher wurden vorwiegend Trüffelschweine für die Suche verwendet, heute gibt es dafür speziell ausgebildete Hunderassen

Welche Trüffel gibt es?
Grundsätzlich gibt es Schwarze und Weiße Trüffel. Schwarze kosten zwischen 30  Cent (Sommertrüffel) und 1,80 Euro (Wintertrüffel, Périgord) pro Gramm. Beim Weißen unterscheidet man zwischen Frühlingstrüffel (80 Cent) und Tuber Magnatum Pico (3,80 Euro/Gramm), der teuersten Trüffel

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