Im Pinkatal gilt: Nach vorne schauen, Campus-Debatte bleibt offen
Diskussion verdeutlicht offene Fragen rund um Campusprojekt und Demografie.
Eine Bürgerbefragung kann eine politische Entscheidung bringen. Sie kann aber nicht alle Fragen lösen, die hinter dieser Entscheidung stehen.
Genau das wurde bei der KURIER-Diskussion im Stadl Bildein am Donnerstagabend deutlich. Rund 50 Besucherinnen und Besucher kamen, um über den Campus Pinkaboden, kleine Schulstandorte, Demografie und die Zukunft ländlicher Regionen zu sprechen. Auch nach der Diskussion blieben viele Interessierte vor Ort. Das Thema ist in der Region noch lange nicht abgeschlossen.
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Deutsch Schützen-Eisenberg hat sich im März gegen eine Teilnahme am Campusprojekt ausgesprochen. Die Volksschule bleibt im Ort. Doch die Gründe, die überhaupt zur Campus-Debatte geführt haben, sind nicht verschwunden: sinkende Kinderzahlen, steigende Anforderungen an Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, knappe Budgets und die Frage, wie viel Zusammenarbeit kleine Gemeinden in Zukunft brauchen.
Tenor: Weiter gehts, nach vorne schauen
Für Hansjörg Schrammel, Vizebürgermeister von Bildein und Sprecher der Bürgerinitiative Pinkaboden, ist das Projekt keineswegs gestorben. Der Campus sei ihm „sehr wichtig und ans Herz gewachsen“, sagte er. Nach dem Nein aus Deutsch Schützen-Eisenberg versuchten die drei verbliebenen Gemeinden nun, das Projekt „in einer reduzierten Form umzusetzen“. Für Schrammel wurde die Diskussion in Deutsch Schützen-Eisenberg zu stark auf eine Verlustfrage reduziert: Muss die eigene Volksschule schließen? Aus seiner Sicht ging dadurch der Blick auf die Chancen verloren. Das Projekt sichere Bildung und Betreuung nachhaltig ab, ermögliche mehr Qualität und Angebot und sei auch ein Regionalentwicklungsprojekt.
Hansjörg Schrammel (li.) und Oliver Stangl bei der Diskussion am Donnerstagabend.
Oliver Stangl, Geschäftsführer der Leader-Region Südburgenland Plus, ordnete die Debatte größer ein. Prozesse in der Regionalentwicklung seien „sehr menschenorientiert“, oft gehe es um Emotionen. Deshalb brauche es langen Atem und klare Visionen. Die Bevölkerungsentwicklung und die angespannte Finanzlage vieler Gemeinden zeigten aber, „dass es ohne Zusammenarbeit nicht gehen wird“. Aber wenn Bank, Lagerhaus oder Post verschwinden, werde jede Veränderung als möglicher Verlust wahrgenommen. In dieses „Fahrwasser“ sei auch die Campusdebatte geraten. Umso wichtiger sei es, regionale Lösungen nicht erst dann zu suchen, wenn der Druck schon zu groß ist.
Karin Wagner von der Bildungsdirektion stellte die Kinderperspektive in den Fokus. Es mache Sinn, dass kleine Schulen einander unterstützen, dass man Cluster oder andere Modelle prüfe. Entscheidend sei, dass Bildung bestmöglich gelinge. „Das Kind im Mittelpunkt“ müsse Leitlinie sein. Die Ängste vieler Menschen versteht sie als Verlustangst. Gleichzeitig ist sie überzeugt, dass kreative Kompromisse möglich seien.
Eduard Schlaffer und Karin Wagner.
Der pensionierte Lehrer Eduard Schlaffer sah vor allem Defizite im Prozess. Die Debatte sei stark emotionalisiert worden. Viele seien nicht ausreichend informiert, was der Campus tatsächlich bedeute. Vertrauen in bestimmte Personen sei wichtiger geworden als sachliche Infos. Für künftige Entscheidungen brauche es bessere Verfahren, mehr Dialog und Methoden, mit denen tragfähige Lösungen entstehen können.
Die Diskussion in Bildein verlief ausgewogen und sachlich. Wortmeldungen aus dem Publikum machten klar, dass das Thema weiter beschäftigt. Ein Kommentar brachte das mögliche Fazit auf den Punkt: Nicht über das Vergangene reden, sondern nach vorne in die Zukunft schauen.
Genau dort wird sich entscheiden, ob der Bildungscampus Pinkaboden doch noch eine Zukunft hat – vielleicht kleiner, vielleicht anders, aber weiterhin als Antwort auf eine regionale Notwendigkeit.
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