© Josef Siffert

Chronik Burgenland
11/05/2020

Burgenlands heuriger Wein mit „Top-Qualität“ in den Fässern

Weinernte ist mit durchschnittlicher Menge für heuer abgeschlossen. Die Winzer reagieren kreativ auf die Corona-Krise.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Die Weinernte im Burgenland ist de facto abgeschlossen. Nur etwa 2 Prozent der Trauben müssen noch gelesen werden, darunter Süß-bzw. Eisweinsorten. Andreas Liegenfeld, Präsident des burgenländischen Weinbauverbandes, zieht zufrieden eine erste Bilanz.

„Bedingt durch die geografische Besserstellung und die klimatischen Witterungsbedingungen, haben die Trauben dieses Jahr um zwei, drei Klosterneuburger Grade mehr als etwa bei den Kollegen in Niederösterreich“, sagt Liegenfeld. Im Burgenland habe man noch vor dem Einsetzen der Regenfälle ernten können.

Ernte vor Niederschlägen

In anderen Bundesländern konnte die Lese nicht rechtzeitig vor den starken Niederschlägen beendet werden, was teilweise zu einer zu niedrigen Zuckergradation und Einsetzen der Fäulnis geführt habe, heißt es aus der Landwirtschaftskammer (LK). Deshalb sei österreichweit die Aufbesserungsgrenze von 2 auf 2,5 Volumenprozent angehoben worden. Im Burgenland habe man heuer gesunde, sehr reife Trauben ernten können, der Wein verspreche aufgrund der kühleren Witterung fruchtig zu werden und etwas mehr Säure zu haben.

Von der Menge her werde die Ernte dieses Jahr laut LK laut einer aktuellen Schätzung in etwa im Durchschnitt bzw. leicht darunter liegen werde. Gerechnet wird mit einem Ertrag von 668.000 Hektolitern, der Durchschnitt liegt bei 700.000 Hektoliter. Grund für die aktuelle Bilanz seien laut LK die regionalen Ausfälle aufgrund von Spätfrost Ende März sowie ein extrem trockenes Frühjahr.

Im Gegenzug falle der Export zusehends weg: „Derzeit funktioniert der Export nur nach Deutschland und die Schweiz gut.“ Dabei sei der Weinexport – etwa nach China oder an die Ostküste der USA – vor Ausbruch der Pandemie stark aufstrebend gewesen.

Jene Winzer, die Ab-Hof und online verkaufen, könnten die Ausfälle teilweise kompensieren, sagt Liegenfeld. Er habe jedenfalls „Hoffnung, dass der Wein nicht unter die Räder gerät“.

Die Situation am Traubenmarkt

Wenig zufriedenstellend sei heuer – so wie auch in den Vorjahren – der Preis am freien Traubenmarkt gewesen. Rund 40 Cent wurden für das Kilogramm bezahlt. Der Preis sei für die Produzenten generell zu niedrig, heißt es von der LK. „Sollte sich das nicht bald ändern, dann ist keine dauerhafte Traubenproduktion um diesen Preis möglich, und es werden Flächen gerodet werden“, heißt es von Experten.

Die Winzer hätten heuer jedenfalls „eine Top-Qualität“ einholen können, sagt LK-Präsident Nikolaus Berlakovich: „Das ist sehr erfreulich, da die Weinwirtschaft coronabedingt ohnehin enorme Einbußen verzeichnen musste.“ Dennoch sei auch der zweite Lockdown eine Herausforderung für die Winzer.

1. Lockdown: Absatz brach um 3 Millionen Liter ein

Bereits beim ersten Lockdown seien binnen zwei Monaten um drei Millionen Liter weniger verkauft worden. Abgesagte Veranstaltungen wie das Martiniloben oder auch das Wegfallen des Tourismus’ lasse die Weinwirtschaft zittern. Dazu würden auch Weine aus Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich immer stärker auf den österreichischen Markt drängen, sagt Liegenfeld.

Jetzt wird Wein online verkostet

„Es ist ein typisch österreichischer Jahrgang mit viel Finesse und Eleganz.“ So beschreibt Birgit Braunstein, Winzerin aus Purbach, die heurige Weinlese. Sehr reife, gesunde Trauben habe sie in auf den biodynamischen bewirtschafteten Rebflächen ihres Weinguts Braunstein geerntet – alles von Hand, versteht sich.

„Wir ernten bewusst alles händisch, denn da kann man auch gleich selektieren.“ Jetzt sei sie „so dankbar, dass alles rechtzeitig“ geerntet werden konnte und die Trauben im Keller ihrer  Bestimmung zugeführt werden können. Sowohl mit Qualität als auch der Quantität, sagt sie zufrieden.

Was ihr Sorgen bereite, sei die bevorstehende Wintersaison. Der Lockdown und die Ungewissheit, wie es weitergeht, bereiten der Unternehmerin Sorgen. Etwa fünf Prozent ihrer Rebensäfte verkauft sie Ab-Hof, 60 Prozent waren bisher für den Export bestimmt, der Rest ging an die Hotellerie.

Doch auch wenn dies derzeit ausfiele, hat die Unternehmerin schon andere Idee geschmiedet. Mit ihrem Webshop will Braunstein die edlen Tropfen in die Wohnzimmer ihrer vinophilen Klientel bringen. Aber nicht nur das. Dieser Tage wird die Winzerin auf ihrer Homepage das neueste Angebot präsentieren: kommentierte Weinverkostungen

. „Wir verschicken unseren Wein – und mittels Online-Tasting bekommen die Kunden auf Wunsch die Erklärungen zu den Weinen.“ So habe sie bereits Kunden in Deutschland oder in Moskau, die sich  – auch über hunderte oder tausende Kilometer Entfernung –  die Weine aus den burgenländischen Kellern näherbringen lassen.

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