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Chronik Burgenland
09/10/2019

Burgenländischer Wein: Heuriger Jahrgang als Fußballspiel

Mittelburgenlands Winzer luden zur Verkostung nach Wien. Die Erwartungshaltung an den heurigen Jahrgang ist hoch.

von Claudia Koglbauer-Schöll, Michael Pekovics

„Wir befinden uns in der 80. Spielminute. Unser Team führt 3:0. Aber nach Hause gebracht haben wir die Partie noch nicht.“ So beschreibt der „prinzipiell optimistische“ Christian Zechmeister, Geschäftsführer von Wein Burgenland, seine Antwort auf die in der Branche und darüber hinaus aktuell brennendste Frage: „Wie wird der heurige Wein?“

Bei der Jahrgangspräsentation in der Wiener Aula der Wissenschaften gab es am Montag unter dem Motto „Alt gegen Jung“ gewissermaßen einen Vorgeschmack darauf – verkostet wurden Jahrgänge von 2009 (Blaufränkisch C6/Igler, Deutschkreutz) bis 2017 (Mittelburgenland DAC Reserve/Tesch, Neckenmarkt).

Klimawandel? Passt!

„Die Jungen werden es noch besser machen als wir“, kündigte Walter Kirnbauer, Obmann des Verbandes Blaufränkisch Mittelburgenland, an – und meinte damit weniger den Jahrgang als die Nachfolger. Denn Probleme bei der Übernahme von Betrieben gebe es im Mittelburgenland nicht.

Ebenso wenig übrigens wie mit dem allgegenwärtigen Klimawandel: Diesbezüglich befinde man sich im „gelobten Land“, weil „der Lehmboden die Feuchtigkeit gut speichert und Blaufränkisch eine spätreifende Sorte ist“. Auch Krankheiten hätten es im mittleren Burgenland aufgrund der klimatischen Voraussetzungen schwerer als anderswo, so der Obmann, der deshalb große Zukunft im biologischen Weinbau sieht.

Aber zurück zur Gegenwart, wo laut Zechmeister die volle Reife noch einige Tage dauern werde. Aufgrund der generell etwas niedrigeren Temperaturen beginne die Hauptlese heuer etwas später als im Vorjahr. Der Vegetationsverlauf gebe jedenfalls Anlass zu großen Erwartungen: „Die ersten Jungweine zeichnen sich durch Frische, Finesse und eine elegante, präsente Säure aus.“

55 Prozent Blaufränkisch

Hauptorte des Mittelburgenlands sind Deutschkreutz, Horitschon, Lutzmannsburg und Neckenmarkt. Von 2.104 Hektar Rebfläche sind mehr als 55 Prozent mit Blaufränkisch bestockt – Tendenz steigend. Klimatisch profitieren die Reben vom pannonischen Einfluss. Im Norden, Süden und Westen geschützt durch drei Hügelketten, im Osten geöffnet zur pannonischen Tiefebene. Mindestens 300 Sonnentage und eine Niederschlagsmenge von rund 600 Millimeter im Jahr ermöglichen die perfekte Traubenreife.

Preise im Keller: Traubenbörse als Alternative?

Auf seinen rund 30 Hektar Weingärten hat der Golser Winzer Hannes Achs derzeit knapp zehn Prozent der Ernte eingefahren. Nachdem er  und andere  Weinbauern im August über die  Preispolitik des Handels geklagt hatte, würden jetzt auch die Prognosen bezüglich der zu erwartenden Erntemengen düster aussehen: „Ich schätze, dass wir ein Drittel bis zur Hälfte weniger Ernte haben werden als im Durchschnitt“, sagt Achs. Mit den vom Handel gebotenen 30 Cent für ein Kilo Qualitätstrauben könne man wirtschaftlich nicht überleben.

Um keine Risiken einzugehen, hatte man seitens der Landwirtschaftskammer (LWK) angeregt, eine Vertragspartnerschaft mit einem Traubenhändler einzugehen. Dabei würde der Käufer zwar in die Produktion im Weingarten Einfluss nehmen, im Gegenzug aber auch höhere Preise bezahlen.
Johann Plemenschits ist eine solche Vertragspartnerschaft vor einigen Jahren eingegangen. Er selbst bewirtschafte u. a.  1,3 Hektar Weingärten.  Zehn Jahre, so habe man sich vertraglich geeinigt, sollte der Käufer zu einem fixen Preis die  Trauben abnehmen. „Jetzt ist der Vertragspartner kurz vor der Ernte abgesprungen.“ Freilich werde er mit rechtlichen Schritten gegen die Vertragsverletzung vorgehen. „Nur was mache ich jetzt?  Trauben halten ja nicht ewig.“

Aufgrund der  problematischen Traubenpreis-Lage hat die Kammer nun eine Traubenbörse eingerichtet. Die Onlineplattform soll Angebot und Nachfrage zusammenbringen und so auch die Entstehung langfristiger Handelsbeziehungen forcieren, um faire Preise für  Winzer zu schaffen. „Derzeit sind viele Betriebe in ihrer Existenz gefährdet. Der Weinhandel ist gefordert, den Traubenproduzenten faire Preise zu zahlen“, sagt  LWK-Präsident Niki Berlakovich.  Winzer und Händler können Angebot beziehungsweise Nachfrage anonym und kostenlos online stellen. .