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Chronik Burgenland
08/31/2019

Niedrige Traubenpreise bringen Fass zum Überlaufen

Weinbauern im Nordburgenland hadern mit der Preispolitik des Handels. Manche überlegen, ihre Rebflächen zu roden.

Die Ernte der ersten Weintrauben für die Herstellung von Sturm hat im Burgenland bereits begonnen. Die meisten Winzer stehen für die Haupternte in etwa zehn bis vierzehn Tagen in den Startlöchern.

Was erwarten sich die Experten? Burgenland-Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld vergleicht seine Prognose mit einem Fußballspiel. „Wir sind in der 80. Minute und es steht 2:0.“ Soll heißen: Kurz vor dem Ende sieht es nach einem guten Ergebnis aus.

Doch es gibt auch einen Wermutstropfen. Vor allem Winzer, die keinen eigenen Wein erzeugen und ihre Trauben für die weitere Verarbeitung zu Sturm, Traubensaft oder Jungwein an den Handel verkaufen, würden „finanziell ausgepresst“, sagt Hannes Achs.

30 Hektar Weingärten bewirtschaftet er in Gols (Bezirk Neusiedl/See). Mit den vom Handel gebotenen 30 Cent für ein Kilo Qualitätstrauben könne er wirtschaftlich nicht überleben.

„Wir werden heuer vermutlich ein Drittel weniger Ernte haben und dann ist der Preis auch noch so niedrig. Wie soll sich das rechnen?“

50 bis 60 Cent müssten seiner Meinung nach je Kilo Trauben bezahlt werden, damit die Produktionskosten gedeckt seien und die Bauern davon leben können.

Dass „der Flaschenwein um 2,99 Euro im Handel angeboten werden muss“, sieht er nicht ein. „Warum müssen die Landwirte die Kosten dafür zahlen, damit alles im Geschäft billig angeboten werden kann?“

Matthias Allacher ist seit 50 Jahren Winzer, er produziert Fasswein. Der niedrige Traubenpreis wirke sich auch auf seinen Betrieb aus. „Die Preise sind immer auf und ab gegangen. Seit dem Vorjahr sind sie aber im Keller.“ Als Folge dieser Entwicklung wollten Winzer im Bezirk Neusiedl am See 200 Hektar Rebflächen roden, so Allacher.

Ein Traubenzwischenhändler – er möchte seinen Namen aus Angst vor Repressalien nicht in der Zeitung lesen – sieht „mehrere Faktoren“ für den Preisverfall verantwortlich. „Wahrscheinlich ist insgesamt zuviel Wein auf dem Markt“, meint er.

„Traubenstrich“

Auch Weinbau-Präsident Liegenfeld fordert „faire Preise“. "Damit alle Traubenkäufer einschließlich des Handels zukünftig weiterhin verlässliche Lieferanten für qualitativ hochwertige burgenländische Trauben haben, ist es unumgänglich, dass entsprechende Qualitäten mittels fairen Preisen abgegolten werden. Für das langfristige Bestehen der traubenproduzierenden Betriebe ist ein fairer kostendeckender Preis überlebenswichtig. Deshalb appelliere ich als burgenländischer Weinbaupräsident an alle Traubeneinkäufer, die Einkaufspreise so zu gestalten, dass Existenzen langfristig gesichert werden können“,sagt Liegenfeld

Sein Verständnis für den „Traubenstrich“, wie er den Verkauf der Trauben am freien Markt bezeichnet, sei aber enden wollend.

Die Trauben müssten nach der Ernte rasch verkauft werden, das bringe die Bauern unter Druck. Würden die Bauern ein Vertragsverhältnis mit einem Traubenkäufer eingehen, gäbe es auch kein Risiko, meint Liegenfeld. Der Käufer nehme zwar bei solchen Verträgen aktiv Einfluss in die Produktion im Weingarten, sei dann aber auch bereit, einen höheren Preis zu zahlen.

„Langfristig macht es für Produzenten und Abnehmer durchaus Sinn, eine vertragliche Partnerschaft einzugehen.“

Prognose für 2019

Im Burgenland wird auf 13.100 Hektar Wein angebaut. Im Vorjahr wurden österreichweit 2,75 Millionen Hektoliter Wein erzeugt, das war ein Plus von elf Prozent im Vergelich zu 2017.

Heuer geht man von einer durchschnittlichen Ernte aus, 2,4 Millionen  Hektoliter werden erwartet. Im Burgenland wurden im Vorjahr 785.000 Hektoliter Wein (plus 7 %) produziert.  Heuer rechnet man mit weniger Ertrag, aber „hervorragender Qualität“.