Ende der Zweiklassengesellschaft im burgenländischen Fußball
„König Fußball“ herrscht nicht mehr unumschränkt. Weil das Freizeitangebot überbordend ist, haben Amateurvereine Probleme, Nachwuchs längerfristig bei der Stange zu halten. Es mangelt auch an ehrenamtlichen Funktionärinnen und Funktionären und – wie immer – am lieben Geld.
Was tun?
Burgenlands Fußballverband (BFV) versucht es mit Gesundschrumpfen. Schon im vergangenen Herbst wurden in der Gruppe Mitte erste und zweite Klasse zusammengelegt. „Gezwungenermaßen“, sagt Gruppenobmann Gerhard Kornfeind, „wir hätten keine zweite Klasse zusammengebracht.“
Im Burgenland gibt es rund 160 Fußballvereine. Aus dem vierstufigen System Landesliga, 2. Ligen, 1. Klassen und
2. Klassen soll künftig ein dreistufiges werden. Die Klassen werden fusioniert und regional aufgeteilt.
11.298 Kicker sind im Erwachsenenfußball registriert. 1.980 davon sind Legionäre, das entspricht 18 Prozent. Ungarn stellt das größte Kontingent, dahinter Slowakei, Kroatien, Rumänien.
Mittlerweile wurde der Ball auch im Landesnorden und im Südburgenland aufgenommen, wobei der Süden schneller zum Abschluss kommen will. „Weil dort der Leidensdruck größer ist“, meint BFV-Präsident Johannes Wutzlhofer.
Ende Mai wird über einen entsprechenden Antrag des UFC Oberschützen (aktuell 5. in der 2. Klasse Süd A) diskutiert. Einvernehmen der Vereine vorausgesetzt, könnte sich der BFV noch vor dem Sommer damit befassen und die Herbstsaison im Südburgenland schon ohne Zweiklassengesellschaft starten.
Nur Aufsteiger
So schaut das Modell aus: Die erste und die zwei zweiten Klassen werden fusioniert und die Vereine nach regionalen Gesichtspunkten auf drei erste Klassen (12/13/13) neu aufgeteilt. Oberschützens Obmann Bernd Kappel sieht nur Vorteile. Künftig gäbe es drei Aufsteiger in die nächsthöhere 2. Liga Süd, aber keine Absteiger mehr in eine 2. Klasse. Und durch die regionale Zusammensetzung der ersten Klassen stünden auch mehr Derbys auf dem Spielplan, was mehr Zuschauer und mehr Einnahmen bringe.
Grundsätzlich ist auch Rainer Pummer, sportlicher Leiter beim SV Eltendorf (in der 2. Klasse Süd B auf Meisterkurs), für eine Fusion der Klassen. Dennoch hadert er mit dem jetzigen Plan. Erstens würde seine Mannschaft trotz des zu erwartenden Meistertitels „nicht so richtig aufsteigen“, vor allem aber verlöre der Verein im Bezirk Jennersdorf im neuen Modell drei Heimspiele – samt Einnahmen.
Wie fast alle Vereine finanziert auch der SV Eltendorf den Spielbetrieb über Eintrittsgelder, Kantinenbetrieb und „ein paar Festln“. Wieder – muss man sagen. Vor ein paar Jahren wollte der Klub der 1.000-Einwohner-Gemeinde hoch hinaus. Der gebürtige Eltendorfer Willi Goldschmidt, der in Südostasien zum schwerreichen Unternehmer wurde, steckte viel Geld in seinen Fußballverein. 2020 trennten sich die Wege von Gönner und Verein, der jetzt wieder regional denkt. Die 2. Liga Süd sei vorerst das höchste der Gefühle, sagt Pummer.
Legionäre als Luxus
Einmütig skeptisch sind die Vereinsfunktionäre aus Eltendorf und Oberschützen, was die von der BFV-Spitze als Zusatzeffekt der Reform erhoffte Senkung der Legionärsquote betrifft.
Wenn den Vereinsverantwortlichen nicht mehr das Abstiegsgespenst im Nacken sitze, so Präsident Wutzlhofer, würden sie sich nicht mehr dazu hinreißen lassen, „teure Unterschiedsspieler“ aus dem benachbarten Ausland zu verpflichten, die heimische Talente verdrängen. „Im Amateurfußball ist viel zu viel Geld unterwegs“, erwartet sich der Präsident durch weniger Legionäre auch eine finanzielle Gesundung der Klubs.
Tatsächlich ist der Ausländeranteil in der 1. Klasse Süd und der 2. Klasse Süd A mit je 22 Prozent am höchsten, im Landesschnitt sind es 18 Prozent. „Wenn es um den Aufstieg in die 2. Liga geht, wird wieder Geld in Legionäre gepulvert“, ist Kappel überzeugt. Pummer hofft auf ein Gentlemen’s Agreement von Vereinsbossen, die Zahl der Legionäre freiwillig auf drei bis vier zu begrenzen.
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