© Ulrike Wieser

Chronik Burgenland
10/21/2021

Blaue Bühne für rote Regierungsschelte

100 Jahre Burgenland. Landeschef Doskozil klagte im Rahmen einer Veranstaltung von FPÖ-Nationalratspräsident Hofer über Benachteiligung des Landes und scheuchte die ÖVP auf

von Thomas Orovits

Es sollte eine andächtige Feierstunde zu „100 Jahre Burgenland“ werden. Am Ende war es eine Bühne, die der dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) dem roten Landeshauptmann Hans Peter Doskozil für eine Breitseite gegen die türkis-grüne Bundesregierung bot.

Hofer hatte Dienstagabend Dutzende Honoratioren ins Palais Epstein geladen. Die SPÖ war mit Doskozil, Stellvertreterin Astrid Eisenkopf, Vorgänger Hans Niessl, zwei Landesräten und etlichen Mandataren wohl am stärksten vertreten.

Die ÖVP schickte Nationalrat Niki Berlakovich und Klubchef Markus Ulram, für die burgenländische FPÖ saßen Parteichef Alexander Petschnig und Nationalrat Christian Ries im Publikum und hörten eine dichte Tour d‘Horizon des Historikers Herbert Brettl.

Nach einer persönlich gehaltenen Rede von Hausherr Hofer trat Doskozil mit „Worten zum Jubiläum“ ans Pult. Es dauerte keine 45 Sekunden, bis der frühere Verteidigungsminister im Angriffsmodus war: Er wolle „die feierliche Stimmung nicht stören“, sagte Doskozil, aber er vermisse die Wertschätzung der Bundesregierung fürs Burgenland. Während andere Bundesländer zu runden Geburtstagen vom Bund Jubiläumsgeld bekämen, werde das dem Burgenland vorenthalten: „Ein Affront“.

Dass man sich die Augen reiben musste, lag nicht am Inhalt, sondern an der Form: Denn die erinnerte frappant an den Auftritt von Cari-Cari-Sänger Alexander Köck bei der Gala des Landes zum 100-Jahr-Jubiläum, als sich der kecke Barde vor Doskozil und dem TV-Publikum über niedrige Gagen für die Orchestermusiker beschwerte.

In die Rolle des Kämpfers gegen vermeintliche Ungerechtigkeit schlüpfte diesmal der mächtige Landeshauptmann selbst.

Zu Recht? Na ja, zumindest nicht ganz zu Unrecht.

ÖVP-Vizegeneralsekretärin Gaby Schwarz versicherte zwar, das Doskozil-Büro wisse von einer Zusage für die Jubiläumsgabe, die budgetiert sei. Das Gesetz werde noch im Herbst beschlossen. Wie schon zur 90-Jahr-Feier 2011 sollen es wieder vier Millionen Euro sein. Aber: Wer zuständig ist, blieb ein Rätsel. Im Finanzministerium verwies man den KURIER an Integrationsministerin Susanne Raab (Volksgruppen), dort spielte man den Ball zurück.

Doskozil wird‘s freuen, die Bundesregierung ist aufgescheucht – nicht zum ersten und schon gar nicht zum letzten Mal. Seit Dienstag weiß man, auf wessen Schultern sich Doskozil sieht: Als es in den 1960er-Jahren ums Aufholen des armen und benachteiligten Landes ging, habe der damalige SPÖ-Landeschef Theodor Kery gemeint: „Wir dürfen uns auf niemanden verlassen“. Klingt ein bisschen wie: Das Burgenland gegen den Rest der Welt. Fortsetzung folgt.

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