© Neusiedler See Tourismus / Annika Thell

Chronik Burgenland
08/25/2021

Balanceakt über die Zukunft des Neusiedler Sees

Die letzten Abstimmungen zwischen Österreich und Ungarn laufen, Baubeginn für die geplante Wasserzuleitung könnte schon 2022 sein. So oder so – der See wird sich durch den Klimawandel verändern.

von Michael Pekovics

Diee Regenfälle der vergangenen Tagen waren nur ein Tropfen in den weiter langsam austrocknenden Neusiedler See. Dennoch ist vorerst leichte Entspannung angesagt. Die heißen Tage sind vorbei und damit die Zeit der extremen Verdunstung.

Mit 115,21 Meter über Adria liegt der See fast exakt auf der Höhe des Vorjahres und wieder knapp über dem langjährigen Minimum (seit Beginn der genauen Aufzeichnungen 1965; Anm.).

Mittel- und langfristig ist allerdings alles andere als Entspannung angesagt. Denn der Trend zeigt weiter in Richtung Austrocknung. „Die Grundaussage aus den uns vorliegenden Studien ist: Wir können den See nicht sich alleine überlassen und müssen Maßnahmen setzen, damit das System aufrecht erhalten werden kann.“ Das sagt Christian Sailer, als Hauptreferatsleiter zuständig für die burgenländische Wasserwirtschaft.

Die Wasserzuleitung ist ein umstrittenes Thema in der Region, die Meinungen gehen auseinander.

"Es geht um die ganze Region"

In dieser Woche verhandelt Sailer gemeinsam mit ungarischen Kollegen die nächsten Schritte zur geplanten Wasserzuleitung aus dem ungarischen Arm der Donau. Damit soll nicht nur der See, sondern auch das Grundwasser im Seewinkel gespeist werden. Das ist wiederum Basis für die Landwirtschaft und die Salzlacken. „Bei diesen Plänen geht es um mehr als nur den See allein, es geht um die ganze Region“, sagt Sailer.

In Ungarn laufen derzeit die Ausschreibungen für die notwendigen Arbeiten. Laut Sailer liegen die Genehmigungen für die Verlängerung eines Kanals bis Andau bereits vor. Von dort soll das Wasser dann in die Region verteilt werden.

Genaue Kostenschätzungen gibt es noch keine, auf österreichischer Seite wird derzeit mit rund drei Millionen Euro gerechnet. „Der Bau kann dann frühestens 2022 starten, wenn die Finanzierung in Ungarn steht“, sagt Sailer.

Proteste vor ungarischer Botschaft

Deren Vertreter in Wien sahen sich am Dienstag mit Protesten vor der ungarischen Botschaft konfrontiert. Greenpeace-Aktivisten besetzten den Balkon des Gebäudes und demonstrierten gegen die Errichtung des Tourismusprojekts am Ufer des Neusiedler Sees bei Fertörákos.

Innerhalb von nur zwei Wochen wurden bereits 20.000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Greenpeace hat sich gemeinsam mit anderen NGOs auch bereits gegen die geplante Wasserzuleitung ausgesprochen.

Die ist für Sailer, Chef der burgenländischen Wasserwirtschaft, aber alternativlos. „Das Land hat sich darauf festgelegt, den See als Landschaftselement zu erhalten“, sagt er. Mit der Zuleitung von Wasser sei es aber nicht getan, in Zukunft seien weitere Maßnahmen und Strukturänderungen notwendig. Wie zum Beispiel in der Landwirtschaft, wo weniger bewässerungsintensive Sorten angebaut werden sollten. Oder auch in der touristischen Nutzung des Sees. Da hatten zum Beispiel Segler mit großen Booten und viel Tiefgang heuer bereits große Problemen, um nicht auf Grund zu laufen.

„Im Tourismus wird ein Nachjustieren notwendig sein“, sagt Sailer und hat damit langfristig keine guten Nachrichten für Fertörákos & Co. Der Klimawandel werde die Region und auch den See verändern. „Es geht uns aber um eine Verzögerung der Entwicklung.“

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