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Tierschutzpreis
01/26/2021

Tierschutzpreis 2020: Vom Bio-Lamm bis zur Schneckenzucht

Neufelderin pflegt Streunerkatzen, Mischendorferin kümmert sich um Hunde. In Bildein werden Schafe gezüchtet, in Stegersbach Schnecken.

von Stefan Jedlicka

Die Palette der unterschiedlichen Betätigungsfelder war groß unter den Preisträgern des diesjährigen burgenländischen Tierschutzpreises, der vom Land im Tierschutzhaus Sonnenhof in Eisenstadt vergeben wurde. In vier verschiedenen Kategorien sollen mit dem Preis des Landes private Personen und Vereine, aber auch landwirtschaftliche Betriebe einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Preisträgerin in der Kategorie Privatperson ist Angela Auer aus Neufeld an der Leitha. Seit mehr als 20 Jahren kümmert sie sich um Streunerkatzen und verletzte, kranke oder ausgesetzte Hauskatzen, die sie tierärztlich versorgt und gesund pflegt. Seit Jahren hilft sie auch bei Kastrationsprojekten mit.

Ein Herz für alle Tiere

Auch verletzte oder erkrankte Wildtiere wie Igel, Siebenschläfer, Eichhörnchen, Feldhasen und Wildkaninchen werden von ihr versorgt und nach zeitintensiver Betreuung wieder ausgewildert oder an qualifizierte Institutionen übergeben. Rund 150 Tiere waren ihr heuer zur Pflege anvertraut worden.

Der Heimtierpreis für eine Organisation ging an Obfrau Nina Stern für die „dogangels“ in Mischendorf (Bezirk Oberwart). Der Verein betreut verwahrloste, misshandelte oder unerwünschte Tiere, hilft bei Kastrationsprojekten oder beim Transport kranker Tiere und vermittelt bei Notfällen. „Und zwar direkt vom alten zum neuen Besitzer, wir haben keine Möglichkeit, die Tiere unterzubringen“, sagt Stern.

Tier und Mensch

Die Kosten für tierärztliche Versorgung und Unterbringung übernimmt meist der Verein, der sich ausschließlich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Charity-Events wie der „Tierischen Seeparty“ in Rauchwart finanziert. Beim Projekt „Mensch und Tier“ in Kooperation mit SeneCura Österreich wird versucht, Hunde aus Tierheimen mit älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen zusammen zu bringen. Tierarztkosten übernimmt der Verein, wenn Besitzer in Not geraten sind. „Uns ist wichtig, dass die Tiere gut untergebracht sind, wenn sich jemand die Kosten nicht leisten kann, helfen wir“, so Stern.

In der Kategorie „Wirtschaftliche Haltung einer alternativen Nutztierart“ wurde Christian Janisch ausgezeichnet, der Weinbergschnecken in Stegersbach (Bezirk Güssing) züchtet. Klimawandel und Pestizide haben die Population stark dezimiert. Seit 1983 steht die Weinbergschnecke, die zu den Nützlingen zählt, unter Naturschutz und darf nur aus Zuchtbetrieben erworben werden. So entstand die Idee des gelernten Tischlers, der schon als Kind „immer lieber in der Natur war“, wie er erzählt.

Corona-Rückschlag

Die Tiere sind bei Gärtnern beliebt, da sie das Gelege der roten Nacktschnecke tilgen. In der Gastronomie wird die Weinbergschnecke als Delikatesse geschätzt. In diesem Bereich bescherte Corona dem Südburgenländer allerdings einen Rückschlag. „Heuer hätte ich zum ersten Mal von der Schneckenzucht leben können, aber da ich von Festen und der Gastronomie abhängig bin, habe ich keine Einnahmen gehabt“, erzählt er. Über einen Kontakt in Deutschland wurde ihm jedoch die Möglichkeit vermittelt, lebende Schnecken an Zoos zu verkaufen, wo sie als Futter dienen.

Die Zuchtanlage besteht aus vier Beeten, in denen auch Kräuter und Gemüsepflanzen angebaut werden. Janisch setzt bei der Zufütterung auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Kürbiskernmehl wird aus der Region zugekauft. Auf Soja verzichtet er, im Sommer wird heimisches Gemüse gefüttert.

Von Weide zu Weide

In der Kategorie „Biologisch wirtschaftender Betrieb mit Direktvermarktung tierischer Produkte“ ging der Tierschutzpreis schließlich an den Bioschafhof Elpons in Bildein. 2007 hatten Alexander und Julia Elpons als Neueinsteiger in die Landwirtschaft den Hof im Südburgenland gegründet. Die Familie bewirtschaftet nach Bio-Richtlinien rund 60 Hektar in Bildein und Umgebung. Der Schwerpunkt liegt auf der Zucht des Krainer Steinschafs, einer hochgefährdeten, traditionellen Nutztierrasse.

Derzeit hält man insgesamt 350 bis 400 Tiere – und zwar besonders tiergerecht. Mindestens 240 Tage verbringen sie jährlich auf Weiden im Pinkatal, die für die maschinelle Bearbeitung ungeeignet sind, und helfen so mit, die für den Naturpark „Weinidylle Südburgenland“ typische Kulturlandschaft zu erhalten, die wiederum Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten ist. Da große Flächen nicht verfügbar waren, spezialisierten sich Julia und Alexander Elpons auf ungenutzte Streuobstwiesen, Hanglagen oder Hochwasserschutzflächen und Rückhaltebecken.

Muttermilch und Gras

Lämmer werden so lange wie möglich bei den Muttertieren gehalten. Die Schafe bekommen Muttermilch, Gras und Heu, auf Kraftfutter verzichtet man. Deshalb dauert es nicht vier bis sechs Monate, sondern oft bis zu einem Jahr, bis das Schlachtgewicht erreicht ist. Das Bio-Lammfleisch wird direkt am Hof vermarktet.

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