© Dieter Mandl

Chronik Burgenland Aus Ihrer Region
09/08/2020

Talos Kedl: „Meine Kunst soll überraschend sein“

Mit seinen Plastiken aus Kupfer erregt der Burgenländer international Aufsehen. In Markt Neuhodis hat er damit eine Kunstwiese gestaltet.

von Stefan Jedlicka

Die Fußstapfen des Vaters erschienen dem jungen Talos Kedl einst zu groß. Als Sohn des Bildhauers Rudolf Kedl und der akademischen Malerin Christine Elefant-Kedl wuchs er in Markt Neuhodis im Bezirk Oberwart auf. „Ich war von Anfang an von Kunst umgeben, wollte auch schon früh selbst Künstler werden, habe mich nach der Matura in Oberschützen aber nicht drüber getraut“, erzählt er. Von seinem Vater war er in die Techniken der Metall- und Steinbearbeitung eingewiesen worden. „Das hat mich immer fasziniert, aber mit 18 Jahren dachte ich, ich muss zuerst einmal viel Geld verdienen“, sagt Kedl.

Die eigene Lampe

„Ich wusste, wie schwer es ist, Erfolg zu haben. Mein Vater hat es geschafft, aber ich kenne auch viele talentierte Künstler, die das nötige Glück nie hatten. Also bin ich eher in Richtung Kunsthandel gegangen“, erinnert sich der 52-Jährige. „Mir war klar, dass es gut ist, wenn man auch von der wirtschaftlichen Seite eine Ahnung hat.“ Nach 10 Semestern Studium der Betriebswirtschaftslehre in Wien musste Kedl aber einsehen: „Das ist nicht meins.“ Die künstlerische Seite war stärker. Die endgültige Entscheidung fiel schließlich, als der Student auf der Suche nach einer Lampe für seine Wohnung nicht fündig wurde. „Da dachte ich mir, ich mach sie selber. Ich hatte das Kupfertreiben von meinem Vater gelernt, aber das Metall hat gemacht, was es wollte, nicht was ich wollte. Trotzdem war das der ausschlaggebende Moment“, erinnert er sich. „Weil ich mich wieder in die Werkstatt gestellt und bemerkt habe, wie viel Spaß mir die Arbeit macht.“

Schau in Wr. Neustadt

Mittlerweile ist Talos Kedl international bekannt für seine Großplastiken aus Kupfer. Fantasieanregende Formen, die mit Schweißnähten überzogen sind und schon in Hamburg, Basel, Berlin, Tokio und Taipei zu sehen waren. Die aktuelle Ausstellung im Kirchenschiff des Stadtmuseums St. Peter an der Sperr in Wiener Neustadt zeigt bis 20. September einen Auszug seines Gesamtwerks in Metall, Stein und Leinwand. „Das Magische, Sakrale des einstigen Kirchenraums ist gemeinsam mit der durch die Betondecke imaginierten Brutalität der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg respekteinflößend“, beschreibt Kedl den Ausstellungsraum. Die Auswahl seiner Kunstwerke sei ihm deshalb auch schwerer gefallen als sonst.

„Kupfer ist warm“

Das Wesentliche seiner Werke seien „immer organische Formen, die wie selbstverständlich wirken“, sagt er. „Ich bin beim Kupfer geblieben, weil es archaisch und warm ist. Edelstahl zum Beispiel wäre mir zu kalt.“ Die Schweißnähte bleiben dabei immer sichtbar. „Am Anfang waren sie braun patiniert, im Laufe der Zeit sind sie aber immer bunter geworden, ich habe die Farben belassen, die bei den Schweißarbeiten entstehen und bearbeite sie manchmal noch mit dem Flammenwerfer nach“, schildert der Burgenländer seine Arbeitsweise. „Wichtig ist mir, dass die Arbeiten Überraschungen in sich bergen. Dass sie nicht symmetrisch sind, sondern bei verschiedenen Betrachtungswinkeln auch unterschiedliche Formen aufweisen.“ Er wolle stets die Fantasie des Betrachters anregen. „Denn es ist für mich extrem spannend, was die Menschen in meinen Werken sehen. Da erlebe ich selbst immer wieder Überraschungen.“

Musik und Form

Als „logische Konsequenz“ habe er schließlich auch den Klang seinen Werken hinzugefügt, Musiker eingeladen, darauf und dazu zu spielen. Und er lädt explizit dazu ein, seine Arbeiten zu berühren. „Mir ist wichtig, dass man erspüren kann, wie sich das Material anfühlt. Oft wird ja in Ausstellungen darauf hingewiesen, Arbeiten nicht zu berühren. Das stört mich, ich taste gerne trotzdem kurz, wenn keiner zusieht“, verrät er.

Kunstwiese

Sehen und tasten können Besucher auch auf Kedls 2010 in Markt Neuhodis errichteter Kunstwiese. Auf über 15.000 Quadratmetern sind seine Plastiken dort positioniert. In wechselnder Anordnung. „Wenn einzelne Werke zu Ausstellungen weggebracht werden, stelle ich sie nachher an eine andere Stelle. Es ist mir wichtig, dass das keine starre Anordnung ist. Je nach Tages- und Jahreszeit wirken sie anders“, betont er. „Skulpturenparks haben mich immer fasziniert, ich habe sie mir weltweit angeschaut“, erzählt Kedl. Sein Vater hatte einen solchen Park bereits in Markt Neuhodis geschaffen. „Er hat seine Arbeiten dort zwischen die alten Bäume gestellt, damit sie miteinander kommunizieren. Ich dachte zuerst, ich stelle meine dazu, dann ließ ich aber ein weiteres Grundstück roden und zu einer freien Wiese machen“, schildert er. Die trennende Hecke zum Skulpturenpark seines Vaters hat er dennoch durchbrochen, um eine Verbindung zu schaffen.

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