© Roland Pittner

04/03/2021

Die Kamera als ständiger Begleiter

Joschi Dancsecs ist Kameramann und Filmproduzent, ein Chronist des Südburgenlandes, Künstler und Ausbilder.

von Roland Pittner

„Ich habe schon viel in meinem Leben gemacht“, sagt Joschi Dancsecs und zeigt auf seine Sammlung von Zeitungsausschnitten über ihn und seine Arbeit. In seinem Fernsehstudio im Oberwarter Hochhaus stapeln sich die Videokassetten und das Filmequipment. „Hier habe ich Tausende Stunden Material aus den vergangenen Jahrzehnten gesammelt“, sagt der 70-Jährige und hebt eine graue Filmkassette auf. Heute ist alles digital auf Festplatten, „über die Zeit hat sich vieles verändert“. An den Studio-Wänden hängen Auszeichnungen, Werbepreise und neuerdings auch seine Kunstwerke.

Roger Moore kennengelernt

In der Medienbranche im Burgenland und darüber hinaus kennt man den Joschi. Er drehte für den ORF und auch internationale aktuelle Nachrichten. Er filmte von der Polit-Pressekonferenz bis hin zum Banküberfall, bei Bränden, Naturkatastrophen und lernte dabei auch viele Persönlichkeiten kennen. „Ich habe Roger Moore kennengelernt und filmte auch eines der letzten Interviews mit Marika Rökk in Baden. Das war schon ein Erlebnis, diese Frau kennenzulernen“, sagt Dancsecs. Er dokumentierte den Fall des Eisernen Vorhangs und erlebte brenzlige Situationen in Slowenien, während des Jugoslawienkriegs. „Gemeinsam mit Kollegen warteten wir an der Grenze. Wir hörten sogar Schüsse. Ich durfte mit den slowenischen Soldaten mitfahren in ihre Kaserne, wo sie ein paar Serben gefangen hielten“, schildert Dancsecs. Er hatte ein mulmiges Gefühl, „aber ich blieb professionell und die Bilder, die ich dort gemacht habe, hatte sonst niemand“, erinnert er sich. Professionelle Ausbildung hinter der Kamera hatte der Autodidakt keine, aber das Bewegtbild hatte eine riesige Anziehungskraft auf den Südburgenländer.

Laufbahn

In Güssing aufgewachsen, absolvierte er eine Tischlerlehre. „Mein ganzes Leben in einem Tischlereibetrieb zu arbeiten, konnte ich mir schon damals nicht vorstellen“, sagt Dancsecs. 1983 kaufte er seine erste Videokamera. „Sie kostete 70.000 Schilling und ich konnte über ein Kabel das Gefilmte sofort auf den Bildschirm bringen“, sagt Dancsecs. Sofort zog er los und dokumentierte das Geschehen rund um Güssing, neben seiner Tätigkeit als Versicherungsmakler. Um für seine Aufnahmen ein Publikum zu finden, organisierte er Filmabende und Galas in Gasthäusern. Damals hätten ihn noch einige als Spinner abgetan. „Das war eine Vorstufe eines privaten Lokalsenders und nicht bei allen gern gesehen“, erzählt Dancsecs. Es gab Anzeigen gegen seine Filmabende, aber er ließ sich von seinem Plan nicht abbringen und meldete das Filmproduzentengewerbe an, als einer der Ersten im Burgenland. „Besessen von seinen Ideen und von dem Gedanken, dass Unmögliches machbar sein muss“, stand 1985 über Dancsecs im KURIER. Ab 1986 übernahm er auch die Fachvertretung in der Wirtschaftskammer für die Audiovisions- und Filmindustrie.

Pioniergeist

„Pioniergeist hatte ich schon immer“, sagt Dancsecs. Hartnäckigkeit ist eine weitere Gabe des Unternehmers. Immer wieder bot er dem ORF als einzigem großen Sender Beiträge an, es hagelte Absagen. Doch dann griff man doch auf die Beiträge des Südburgenländers zurück, es folgte ein neunjähriges Gastspiel beim ORF NÖ sowie eine Kooperation für regionale Nachrichten aus Oberwart, die im Kino gezeigt wurden. „Mein größter Film war ein Porträt über den Gewerkschafter Siegfried Dohr“, sagt Dancsecs.

Schließlich kam er wieder zum ORF Burgenland und produzierte Beiträge vor allem aus dem Mittel- und Südburgenland. Nebenbei drehte er mit seiner Werbeagentur Industriefilme und verwirklichte andere Projekte wie Ausstellungen. 2004 kam eine Lehrtätigkeit an der HBLA Oberwart dazu, wo er das Fach Kameraführung unterrichtet, so wie auch am BFI. Zuletzt entdeckte er die Malerei für sich und hat zahlreiche Ausstellungen durchgeführt.

Aus dem aktuellen Mediengeschehen will er sich zurückziehen. Doch an den Ruhestand denkt er nicht. Technisch ist er weiterhin auf dem neuesten Stand. „Ich habe eine neue Kameradrohne gekauft“, sagt Dancsecs. Egal ob mit seiner Kunst oder Filmprojekten, er habe noch genug zu tun. Die Videokamera wird ihn weiter begleiten.

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