© Paul Haider

Chronik Burgenland Aus Ihrer Region
07/10/2021

Patricia Koch ist Fußballpionierin in Liechtenstein

Nach der Babypause wagte sie das Comeback. Jetzt spielt die NSC-Kickerin in der 2. Frauen-Bundesliga und im Nationalteam ihres Heimatlandes

von Paul Haider

Die Frauenmannschaft des SC Neusiedl am See hat sich ihre Sommerpause redlich verdient. Hinter den Neusiedler Kickerinnen liegt eine nervenaufreibende Saison mit einem schwachen Start, Corona-Turbulenzen und einem starken Finish.

Letztendlich konnten sich die NSC-Damen den 9. Platz in der Tabelle und den Klassenerhalt sichern.

Eine wichtige Mittelfeldspielerin hat beim letzten Match (0:0 gegen Altera Porta) allerdings gefehlt: Patricia Koch war zeitgleich mit dem Frauen-Nationalteam von Liechtenstein im Einsatz. Am 27. Juni haben die besten Fußballerinnen des Fürstentums das Team aus Gibraltar 2:1 besiegt. Es war erst das dritte Ländermatch der 2019 gegründeten weiblichen National-Elf.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Patricia Koch Pionierarbeit für den Frauenfußball leistet. Die Begeisterung für das runde Leder begleitet sie von Kindesbeinen an: „Ich habe in der 1. Klasse Volksschule angefangen, Fußball zu spielen. Früher war es immer ein Traum von uns Mädels, einmal im Nationalteam zu spielen. Aber wir hatten keines, es hat immer zu wenige Spielerinnen gegeben“, erzählt Patricia Koch im KURIER-Gespräch. Die 30-Jährige ist gebürtige Liechtensteinerin. 2014 hat es sie der Liebe wegen nach Österreich verschlagen, Ehemann Theo kommt aus Mönchhof, mittlerweile leben sie mit ihren zwei Söhnen in Weiden am See.

Nach dem Umzug folgte eine längere Fußball-Pause. Anfang 2020 wagte sie dann aber den Neustart, motiviert von ihrer Nichte Lia Koch – ihres Zeichens Stürmerin bei den Neusiedlerinnen. „Es war schwer, sich nach den Kindern wieder aufs Feld zu kämpfen“, gibt Patricia zu. „Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Ich wollte so gern wieder Fußball spielen.“

Liechtenstein
Das  Fürstentum hat eine Fläche von 160,5 Quadratkilometern und zählt 38.650 Einwohner (Ausländeranteil: 34 Prozent) 

Fußballnation
Die Liechtensteiner Männer-Fußballnationalmannschaft liegt derzeit auf dem 186. Platz der FIFA-Weltrangliste. Als bisher größter Erfolg gilt ein 2:2 Remis gegen Portugal in der WM–Qualifikation 2006. Erst seit 2019 gibt es ein Frauen-Nationalteam  

Angebot aus der alten Heimat

Patricias Mut zum Comeback wird nun belohnt. Nach starken Leistungen in der 2. ÖFB Frauenbundesliga kommt das Angebot aus der Heimat. „Seit ein paar Jahren sind sie auf der Suche und schauen sich um, wo es überall Liechtensteinerinnen gibt. Da hat mich der Trainer kontaktiert, dass er sich gerne ein Match von mir anschauen will“, erzählt die Kickerin mit einem Lächeln. Es dauerte nicht lange, und der Deal ist unter Dach und Fach. Alle zwei bis drei Monate ist die Wahl-Weidnerin nun für Matches und Trainingslehrgänge in Liechtenstein – was sich gut mit Familienbesuchen kombinieren lässt.

Wesentlich öfter, während der Saison dreimal pro Woche, wird bei den fleißigen NSC-Damen trainiert. Für Patricia sind ihre Mitspielerinnen auch schon so etwas wie Familie geworden: „Wir sind ein unglaublich lustiges Team und jeder kann mit jedem. Wenn wir zu einem Match fahren, lacht unser Busfahrer schon immer. Der sagt: ‚Bei euch ist es wurst, ob ihr gewinnt oder verliert, ihr habt immer eine Gaude‘“, gibt die Liechtensteinerin lachend einen Blick hinter die Kulissen des Teams.

Mit hartem Training ist alles möglich

Bei der Frage, was sich die Frauen vom NSC für die kommende Saison vornehmen, wird bei der Mittelfeldspielerin der Ehrgeiz geweckt: „Wenn es wirklich vier Absteiger geben wird, dann wird es schwierig. Wenn wir im Kopf da sind und uns über den Sommer auch körperlich steigern, dann ist alles möglich. Aber wir werden hart trainieren müssen.“ Dass Leistungssport mit zunehmenden Alter nicht einfacher wird, merkt die zweifache Mama mittlerweile auch ab und zu am eigenen Leib. Gute zwei Jahre gibt sie sich aber noch auf Profi-Niveau, danach werde sie wahrscheinlich in ihren Brotberuf – Volksschullehrerin – zurückwechseln. „Dann wird es auch mit dem Nationalteam schwierig“, ist Patricia realistisch.

Die Begeisterung für den Frauenfußball, die wird aber bleiben: „Ich finde es cool, dass Fußball nicht mehr der reine Burschensport ist. Immer mehr Mädchen interessieren sich dafür“, freut sich die erfolgreiche Kickerin.

Tipp für das Euro-Finale: 2:0 für Italien

Wobei sie sich natürlich auch für den Männerfußball interessiert. Auf die Abschlussfrage nach einem Tipp für das Endspiel der Euro 2020 am Sonntag muss Patricia Koch nicht lange überlegen: „Ich sage mal 2:0 für Italien. Ich bin schon seit eh und je ein großer Italien-Fan und sie haben von vorne bis hinten eine super Truppe beisammen“.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.