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Asbest-Warnungen: Beliebte Ausflugsziele an der Grenze gesperrt

In Orten nahe der Grenze klagen Hoteliers und Gastronomen über Einbußen. Warnungen vor belastetem Schotter verunsichern viele Ungarn – Österreich weniger.
Sperrschilder blockieren eine Straße am Seeufer mit Blick auf Wasser und Hügel.

Von Gernot Heigl

Die Asbest-Problematik sorgt nicht nur im Burgenland für Aufregung. Auch Niederösterreich, die Steiermark und – nach jüngsten Funden – Wien sind betroffen. Kontaminierter Schotter wirkt sich aber auch über die Staatsgrenze hinweg negativ aus. Besonders betroffen ist Westungarn nahe Rechnitz.

Dort leidet die Tourismusbranche massiv unter dem Ausbleiben von Gästen, die normalerweise aus Richtung Budapest kommen. 

Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass „ungarische Medien und unsere heimischen Behörden eindringlich und häufig vor gesundheitlichen Schäden warnen, nachdem der österreichische Asbest-Skandal bei uns im Land bekanntgeworden ist“, fasst Istvan (Name von der Redaktion geändert; Anm.) zusammen, ein Hotelier aus Kőszeg.

Leere Parkplätze

„Das löst bei vielen Ungarn natürlich eine gewisse Besorgnis und Angst aus. Daher machen sie derzeit lieber Ausflüge und Urlaube in anderen Regionen unseres Landes. Für uns im Westen ist das ein massiver Schaden.“ Doch nicht nur Beherbergungsbetriebe verzeichnen Einbußen, auch die Gastronomie ist betroffen.

Verkehrsschilder an einer Straße mit Wegweisern nach Lukácsháza, Kőszeg, Bucsu und Szombathely.

Leere Lokale und Stornierungen, vor allem ungarische Gäste bleiben aus. 

Tatsächlich berichten Burgenländer, die häufig nach Ungarn fahren, dass in Bozsok, rund zwei Straßenkilometer von Rechnitz entfernt, die sonst restlos überfüllten Parkplätze bei einer Konditorei und bei Restaurants leerer sind als üblich. Auch im Lokal „Aranypatak“ ist ein Gästerückgang zu spüren. „Auffällig ist, dass aktuell mehr Österreicher als Ungarn ins Restaurant kommen“, sagt Spitzengastronom Toth Bela.

Ein Parkplatz in der Nähe seines Lokals ist derzeit wegen Asbest gesperrt. Dasselbe gilt für eine Parkzone beim Friedhof und bei der Sportanlage sowie für eine Zufahrtsstraße beim Kindergarten. Insgesamt sind fünf Flächen kontaminiert, wie die Gemeindeverwaltung von Bozsok auf ihrer Homepage bestätigt. Gleichzeitig wird die Bevölkerung zum Schutz ihrer Gesundheit zu besonderer Umsicht aufgefordert.

Drei Restaurantmitarbeiter stehen lächelnd in einem hellen, modern eingerichteten Gastraum.

Aranypatak Service-Chef Attila mit Kolleginnen Hanna und Johanna (v.li.).

Restaurantbesitzer Toth Bela hört derzeit aus westungarischen Kollegenkreisen „von erheblichen Stornierungen im Tourismussektor, die eindeutig auf die Asbestproblematik zurückzuführen sind.“ Betroffen seien ebenso Veranstaltungen und Feste, die traditionell zahlreich in Grenznähe zu Österreich stattfinden.

Leere Seen

„Aranypatak“-Service-Chef Attila berichtet auch von kontaminiertem Schotter bei mehreren Seen. Ein KURIER-Lokalaugenschein im Ausflugs- und Erholungsgebiet „Abért-tó“, rund zwölf Kilometer vom Grenzübergang Rechnitz entfernt, endet vor Warnschildern wegen einer Asbestsperre auf einem Parkplatz. Außer einer Handvoll Angler sind dort trotz brütender Hitze keine Personen an den beiden Seen.

All diese Orte befinden sich im Komitat Vas (Verwaltungsbezirk, Anm.), zu dem auch die 80.000 Einwohner zählende Stadt Szombathely gehört. In der Stadt sind vor allem Wohngebiete rund um die Síp-Straße und das Oladi-Plateau betroffen. Messungen haben ergeben, dass die Asbestfaserkonzentration in der Luft deutlich über dem Grenzwert liegt. Deshalb wurde sogar der Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Asbest im Burgenland

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Im Nachrichtenportal „Ungarn heute“ wird die Nationale Steuer- und Zollverwaltung (NAV) mit dem Hinweis zitiert, dass zwischen 2015 und 2026 Schotter aus dem Burgenland an mehr als 250 Ortschaften in Westtransdanubien geliefert worden ist. Das umfasst neben Vas auch die Komitate Győr-Moson-Sopron und Zala.

Juristische Schritte?

Bei zahlreichen Kontrollen haben ungarische Behörden Asbest jedoch nicht nur auf Straßenabschnitten und Parkplätzen festgestellt, sondern auch auf Spielplätzen, öffentlichen Flächen, Forst-, Rad- und Wanderwegen. Laut ungarischem Wanderverein sind auch 30 Kilometer an Touristenrouten betroffen, darunter ein fünf Kilometer langer Abschnitt des bekannten „Nationalen Blauen Wanderwegs“ und des „Pal-Rockenbauer-Blauen Wanderwegs“. Beide zusammen erstrecken sich vom Geschriebenstein bis in den Südwesten des Landes.

Ungarns Regierungssprecherin Anita Kőböl erklärt in Richtung Österreich, dass die Regierung in Budapest am Verursacherprinzip festhält. Mehrere Politiker aus betroffenen Städten und Gemeinden haben deshalb juristische Schritte angedroht. Auf Anfrage erklärt das Amt der burgenländischen Landesregierung: Gegen das Land Burgenland liegen bislang keine Klagen im Zusammenhang mit dem Thema „Asbest in Ungarn“ vor.

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