Chronik | Burgenland
30.11.2018

Ärzte setzen im Südburgenland auf Netzwerk

Allgemeinmediziner sind im ganzen Land gefragt, Gemeinden setzen auf Ärztezentren oder auf Netzwerke

Die Suche nach Landärzten geht weiter. Stellen müssen mehrmals ausgeschrieben werden, bis sich überhaupt ein Bewerber findet. In der Gemeinde Lackenbach ging die Arztstelle vor Kurzem bereits in die dritte Ausschreibung. Glück hatte man in Mannersdorf: Hier fällt Anfang kommender Woche die Entscheidung, ob der Bewerber die Stelle zugesprochen bekommt. Laut Ärztekammer wird die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen weiter zunehmen: „Weil immer mehr Ärzte ein gewisses Alter erreichen und in Pension gehen“, sagt Geschäftsführer Thomas Bauer. Die große Pensionierungswelle stehe in den nächsten Jahren noch an.

Pilotprojekt im Raabtal

Im Bezirk Jennersdorf wird gerade ein neues Konzept entwickelt, um die ärztliche Versorgung im Bezirk besser bewerkstelligen zu können. „Wir arbeiten an einem Primärversorgungs-Netzwerk“, sagt Mediziner Ernst Eicher, der seine Praxis in Minihof-Liebau hat. Mit zwei Medizin-Kollegen will er das Netzwerk im nächsten Jahr starten. „Die Praxen bleiben so, wie sie sind – es geht darum, Menschen, die erstmalig mit dem Gesundheitssystem in Kontakt kommen, optimal zu versorgen“, sagt Eicher. Zentren, zum Beispiel in den Bezirkshauptstädten, „würden die ländliche Struktur noch weiter ausdünnen“, meint Eicher. Das Konzept werde mit der Medizinischen Universität Graz ausgearbeitet und soll dann dem Land und der Gebietskrankenkasse vorgelegt werden.

In der Burgenländischen Ärztekammer sieht man das Projekt positiv. „Alles, was der Versorgung dient, ist gut“, sagt Ärztekammerpräsident Michael Lang. Neben den Netzwerk, gibt es auch Ärztezentren, die gerade gebaut werden. In Oberpullendorf, Mattersburg und auch in Weppersdorf gibt es Wohnbau-Projekte von Investoren bzw. der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft, in denen Ordinationen angesiedelt werden.

Zwischenbilanz: 5700 Patienten bis Ende Oktober in den  Akutordinationen

Z Von April bis Oktober haben über 5700 Patienten eine der Akutordinationen in den Krankenhäusern oder Rotkreuz-Bezirksstellen der  sieben Bezirke  besucht. Diese haben von 17 bis 22 Uhr geöffnet; pro Bezirk und Abend haben fünf bis sechs Patienten den Dienst in Anspruch genommen. Weniger groß war die Nachfrage nach dem Visitenarzt, der unter     141 erreichbar ist. Laut Burgenländischer Gebietskrankenkasse wurden insgesamt 1100 Patienten gezählt. 

Durch die Installierung der Akutordinationen hat sich die Arbeitsbelastung für Hausärzte verringert, weil die Bereitschaftsdienste untereinander aufgeteilt werden. Pro Quartal kommt somit jeder Arzt nur wenige Male zum Einsatz, die kräfteraubenden Nachtdienste fallen weg.