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04/03/2012

ZiB-Duo: "Wir haben selten was zu lachen"

Hannelore Veit und Eugen Freund wirken im Fernsehen immer sehr seriös. Im Interview verraten sie den Spaßfaktor der ZiB.

von Barbara Mader

Seit einem Jahr moderieren Hannelore Veit und Eugen Freund die ZiB 1 gemeinsam. Jetzt sind sie für die KURIER ROMY nominiert.

KURIER: Warum muss es in der ZiB immer eine Mann-Frau Doppelmoderation geben?
Hannelore Veit: Das war immer schon so und wenn in Österreich etwas immer schon so war, wird es auch immer so sein (lacht) ... Wir haben die Tradition jetzt am Frauentag einmal durchbrochen.

Ihr erster ZiB-Partner war Wolfram Pirchner?
Veit: Ja, nicht ganz zwei Jahre. Dann kam Gerhard Zeiler und rührte ein bisschen um. Danach kam ich mit Josef Broukal zusammen.

Broukal wurde vorgeworfen, er zeige seine politische Meinung zu sehr. War das bei Ihnen Thema?
Veit: In der ZiB 1 nicht. Da hat Meinung keinen Platz. Das war wohl eher in seiner Rolle als stellvertretender Chefredakteur.
Eugen Freund: Er hat ja mit mir in den 80ern ZiB 2 moderiert. In der ZiB 2 ist es passender, persönliche Akzente zu setzen.

Apropos ZiB 2: Armin Wolf hat es s ich zur Gewohnheit gemacht, die Sendung mit einem Scherz zu beenden. Ist das ein Trend, muss man am Ende der Nachrichten lustig sein?
Veit: Wenn man will. Aber mir liegt das nicht.
Freund: Mir schon. Aber ich versuch nicht gequält, Meldungen herauszusuchen, die die Leute zum Lachen bringen.

Sie würden sich nicht auf den Tisch legen? (Anm. Armin Wolf zeigte in der ZiB 2 „Planking“ vor)
Freund: Ich glaub’, ich würd’ mich nicht auf den Tisch legen.
Veit: Das würde in der ZiB 1 nicht gut ankommen. Wir sind das Nachrichtenflaggschiff, es ist einfach straight.

Aber es gibt keine Vorgaben, was man in der ZiB 1 darf und was in der ZiB 2?
Freund: Wir wissen alle, was geht und was nicht.

Eugen Freund: "Hannelore ist Opfer meines Spaßfaktors."


Frau Veit, Sie haben gesagt, Ihnen liegt das Lustigsein nicht. Warum sind Sie zu Robert Palfrader in die "Kaiser"-Sendung gegangen?
Veit: Ich hab mir überlegt, abzusagen, bin dann doch gegangen und weiß jetzt: Das ist nicht das Meine. So was mach’ ich sicher nicht mehr.
Freund: Ich mache so etwas gerne. Hannelore ist ein Opfer meines Spaßfaktors.
Veit: Oh ja!
Freund: Meistens geht das aber nicht auf Sendung.

Was machen Sie da?
Freund: Na, gestern hab’ ich zum Beispiel vergessen, dass ich dran war.
Veit: Live kann man sich nicht erlauben, zu lachen. Wir haben aber eh selten was zu lachen. Die ZiB ist selten lustig. Ich kann mir manche Beiträge gar nicht bewusst anschauen, weil ich sonst nicht weitermoderieren könnte.
Freund: Das beste Beispiel war, als wir beide gemeinsam 9/11 moderiert haben. Ich war gerade nach sechseinhalb Jahren USA zurück, und musste erzählen, wie die Leute aus dem Fenster springen.

Frau Veit, als Sie vor vier Jahren zur ZiB zurückgekehrt sind, wurde die Tatsache thematisiert, dass Sie über fünfzig sind. Hätte man das bei einem Mann auch so besprochen?
Veit: Nein, absolut nicht.
Freund: Doch, bei mir hat auch jemand gefragt, ob es gut ist, dass ich schon über sechzig bin.
Veit: Ja, aber bei fünfzig hätte man sicher nichts gesagt.

In Deutschland haben Journalistinnen jetzt eine 30-Prozent-Quote in den Chefetagen gefordert. Wie schaut es in Ihrem Unternehmen aus?
Freund: Wir haben eine Fernsehdirektorin, eine ZiB-Chefin.
Veit: Trotzdem: Die oberen Etagen sind männlich. Aber der ORF ist da nicht allein. Schauen Sie sich die Zeitungen an: Es gibt nur eine Chefredakteurin.

Herr Freund, ein Wort zu Ihrem Engagement bei "Wien Heute". Es wirkte etwas unpassend: Eugen Freund, den man aus Washington kennt, berichtete plötzlich über die Polizei in Simmering.
Freund: Nun, es war eben plötzlich Floridsdorf statt Florida. Ich habe mich bemüht, jeden Bezirk richtig auszusprechen.

Frau Veit, Sie haben über Gerald Groß gesagt, er wäre Ihr idealer Partner. Was ist dann Eugen Freund?
Veit: Noch ein idealer Partner!
Freund: Im Laufe eines Lebens kann man mehrere Lebensabschnittspartner haben.

Zur Person: Japan, USA, Küniglberg

Hannelore Veit studierte in Wien und den USA. Sie begann als Korrespondentin der "Voice of America". Später war sie Korrespondentin in Tokio. Dort begann sie, für den ORF zu arbeiten. 1993 kam sie zur "Zeit im Bild". Veit ist mit einem französischen Journalisten verheiratet und zweifache Mutter.

Eugen Freund ist seit 1972 im Journalismus. 1978 wechselte er als Pressesprecher ins Außenministerium. Danach war er in New York beschäftigt. 1986 kehrte Freund zum ORF zurück. Ab 1995 war er Korrespondent in Washington. Freund ist zweifacher Vater und Buchautor, zuletzt "Zeit in Bildern".

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