Mehr Urlaub statt mehr Lohn: Ja, aber

Die Gewerkschaften können sich neuerdings Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich vorstellen.
Christine Klafl

Christine Klafl

Mehr Urlaub statt mehr Lohn: Ja, aber

von Christine Klafl

Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich

Öfter mal früher heimgehen, später kommen oder eine Woche mehr Urlaub. Mehr Freizeit und Erholung statt einer zweiprozentigen Lohnerhöhung: Das klingt in einer stressigen Arbeitswelt echt verlockend. Damit dieses Tauschgeschäft allerdings nicht zu einem Kuhhandel wird, sollten die Betroffenen etliches bedenken, bevor sie in die "Ich bekomme mehr Urlaub, juhu"-Falle tappen.

Ja, auch aus gesellschaftlicher Sicht ist die sogenannte Freizeitoption zu begrüßen. Entspanntere Mitarbeiter werden wohl länger gesünder und dadurch auch länger im Arbeitsleben bleiben. Krankheitsbedingte Frühpensionen könnten durchaus sinken.

Und ja, bei der derzeitig winzigen Inflation ist ein Verzicht auf eine Lohnerhöhung leichter wegzustecken. Trotzdem ist zu bedenken, dass das Lebenseinkommen dadurch kleiner ausfallen wird. Zwei Prozent weniger schmälern die Basis für die Jahre bis zur Pension.

In früheren Zeiten wäre es bei den Gewerkschaften absolut verpönt gewesen, für eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich einzutreten. Genau das ist aber diese jetzt so propagierte Freizeitoption. Fein, dass sich Gewerkschaften bewegen, sie sollten dies aber nicht als die Neuerfindung des Rades verkaufen.

Dass dadurch Jobs geschaffen werden, darf in einer Arbeitswelt, die sich mitten im digitalen Wandel befindet, ohnehin bezweifelt werden. Beinahe menschenleere Produktionshallen werden keine reine Utopie bleiben (Stichwort Industrie 4.0). Im besten Fall werden durch die Freizeitoption Arbeitsplätze abgesichert und nicht durch Roboter ersetzt. Das bedeutet aber auch, was alle aus den üblichen Urlaubszeiten kennen: Ist einer weg, müssen die Kollegen mehr ran. Auch das man muss bedenken, wenn man über ein Mehr an Freizeit jubelt.

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