Wohnen
16.06.2018

Einfamilienhäuser: Gebaut, um zu bleiben

Offene Grundrisse, große Fenster und weite Durchblicke: Anregungen für Umbauten, Sanierungen und Erweiterungen.

Der große, südseitig gelegene Garten gab den Ausschlag: Obwohl das Stadthaus in Darmstadt viel Arbeit bereit hielt, entschied sich Familie Eberling zum Kauf. Denn ein Altbau, nah dran am Stadtgeschehen, mit Platz für Kind und Kegel – das ist selten.
Drei Wohneinheiten waren unter dem sanierungsbedürftigen Dach untergebracht. Dieses Struktur galt es aufzulösen – und zwar so, dass zeitgemäßer Wohnraum für eine Familie entsteht.

Wie das gelingt, zeigt Thomas Drexel in seinem neuen Buch „Top 50 Umbauten“. Der Autor präsentiert Grundrisse, Baudaten und Architektenverzeichnisse und stellt gelungene Beispiele aus unterschiedlichen Regionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Sie reichen vom typischen Einfamilienhaus des 20. Jahrhunderts über den Bungalow und das Reihenhaus bis hin zu innerorts gelegenen Stadthäusern, Lofts und Bauernhöfen.

Im ersten Schritt wurden im Altbau alte Zugängen, Trennwänden und Eingangstüren zugunsten eines großzügigeren Wohngefühls entfernt. Neu hinzu kam ein zweigeschoßiger Anbau mit einem Faltschiebefenster zwischen Esszimmer und Terrasse.

Seine Funktionen breitet das Haus nun auf drei Ebenen aus: Im Erdgeschoß entstand ein offener, von der Nord- zur Südseite durchgehender Wohn-, Ess- und Kochbereich. Dieser bildet gemeinsam mit dem Garten eine Einheit, nicht zuletzt dank dem neu entstandenen Terrassenbereich. Im Obergeschoß erweitert der Anbau das Elterschlafzimmer und fügt diesem sowie dem angrenzenden Bad einen charmanten Balkon hinzu. Darüber, auf dem Dach des Anbaus, haben die Kinder einen eigenen Freibereich: Deren Terrasse ist direkt vom gemeinsamen Spielzimmer aus zugänglich.

Auf historische Details wurde nicht verzichtet – und trotzdem konnte eine zeitgemäße, reduzierte Gestaltung umgesetzt werden. Im Wohn-Essbereich ist etwa ein Estrichboden samt Fußbodenheizung verlegt worden. Die früher im Erdgeschoß liegenden Holzdielen wurden herausgenommen, abgeschliffen, neu geölt und in den oberen Geschoßen des Anbaus neu verlegt. Die aus der Erbauungszeit stammende Holztreppe wurde saniert, die Beschläge der alten Türen wieder eingebaut und die Bestandsfenster durch moderne Aluminiumfenster im Anbau ergänzt.

Bei Kematen in Oberösterreich holten Moser und Hager Architekten einen ehemaligen Dreiseithof aus dem Dornröschenschlaf. Die vorhandene Bausubstanz wurde freigelegt, die Grundrisse optimiert und neue Räume in die nicht mehr genutzten Wirtschaftsbereiche eingefügt. An der Vorderseite des Hauses erstrahlt die wiederhergestellte historische Fassade nun in neuem Glanz. An der Rückseite gewährt der Mittelteil, der sich zum begrünten Innenhof öffnet, neue Einblicke: Als gläserne Erschließungszone dient er als Eingangsbereich und schließt die alten und neuen Bereiche zusammen.

In den ehemaligen Stadel wurde ein eigenständiger, kubischer Baukörper in Holzriegelbauweise eingefügt. Die Gewölbe und historischen Tragekonstruktionen blieben erhalten, auch bei der Wahl der Materialien orientierten sich die Planer an Altbewährtem – eine feingliedrige Fichtenschalung und ein Staketenzaun im Hof knüpfen an die regionale Bautradition an.

In „Top 50 Umbauten. Sanieren, Modernisieren, Erweitern“ zeigt der renommierte Architekturbuchautor Thomas Drexel, wie unter Erhalt der alten Bausubstanz kreative Lösungen für zeitgemäßes Wohnen gefunden werden können. DVA, € 30,80