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Wohnen
03/24/2019

Der Weg zur Traumküche: Die 5 Dos und Don'ts

Küchenexperte Wolfgang Faulmann erklärt, worauf man bei der Küchenplanung achten muss und was es zu vermeiden gilt.

von Oliver Scheiber

Dinge, die Sie unbedingt beachten sollten:

1. Sorgfältige Ist-Stand-Aufnahme: Am Wichtigsten ist es, vor Planungsbeginn seine derzeitige Küche zu prüfen und festzustellen, was an der jetzigen Küche gut ist, was weniger  und was überhaupt nicht passt. Das kann alles sein, vom Ablauf über die Ergonomie inklusive Höhen, Stauraum, Ausstattung, Geräte, Pflegeleichtigkeit, Optik und Haptik, Farbe, Sitzmöglichkeiten, Qualität usw. Das sollte man sich zusammenschreiben, somit eine erste Wunschliste erstellen.

2. Offen für Neues sein: Die Wunschliste sollte man dann mit Neuem ergänzen. Dinge, die es früher vielleicht noch nicht gab. Man sollte sich dabei an den Grundsatz halten: „Küchen baut man für die Zukunft mit Teilen von heute, nicht von gestern.“ Das betrifft zum Bespiel Induktionskochfelder statt Ceran- oder Gaskochfelder, Dampfgarer statt Mikrowelle oder gleich Dampfbacköfen. Selbstabtauende Gefrierschränke erleichtern das Leben, ebenso leise und komfortable Geschirrspüler. Auch hier sollte man aufschreiben, was einem zum Beispiel bei den Geräten wichtig ist.

3. Küchenraum: Das nächste ist, sich sehr gut über den zukünftigen Küchenraum zu informieren. Genaue Maße vorbereiten, natürlich auch alle Höhenmaße, Fenster, Türen, Kaminanschlüsse, Wasserauslässe. Strom kann man meist überall hin verlegen, Wasserabläufe nicht. Mit dem Architekten, Baumeister oder sonstigen Handwerkern abklären, was änderbar ist, bzw. was machbar ist –   speziell bei den  Wasserauslässen. Auch die Möglich- keit von Abluftauslässen für den Dunstabzug mit den Bauzuständigen klären, manchmal geht das nicht, etwa weil es sich um ein Passivhaus handelt. Je genauer diese Angaben sind, desto einfacher ist es für den Küchenplaner, Entwürfe so zu gestalten, dass sie später auch wirklich realisierbar sind.

 

4. Zuständigkeiten klären und Einigkeit herstellen: Man sollte sich im Vorfeld schon mit seinem Partner über Küchenfragen einigen. Es ist nicht ideal, wenn erst bei der Küchenberatung versucht wird, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, und der Küchenplaner vielleicht sogar zum Konfliktlöser werden muss. Also abklären, wer welche Wünsche hat, und wessen Anliegen letztendlich Priorität haben sollten.  Natürlich baut man heute Küchen, die für beide Partner geeignet sind, aber es wird der bevorzugt, der sie häufiger nutzt. Wichtig ist, schon im Vorfeld zu entscheiden, wer letztendlich das letzte Wort hat (Koch oder Brieftasche?). Trotzdem ist es wünschenswert,  dass der Partner  bei allen Besprechungen dabei ist, es handelt sich ja hier um Design, mit dem man die nächsten 25 Jahre leben muss. Beim Erstgespräch sollte  nach Möglichkeit auch der Architekt oder Innenarchitekt sowie sonstige Berater dabei sein. Damit erleichtert man es  dem Küchenplaner und erspart ihm und sich selbst, einen falschen Weg einzuschlagen und viel Arbeit zu investieren.

5. Budget: Ein sehr wichtiger Punkt. Man sollte sich vorher genau überlegen, in welchem Preisrahmen sich die Küche befinden darf. Am Besten geteilt in Küche und Geräte. Es ist sehr schwierig für den Küchenberater, das Richtige zu empfehlen, wenn er nicht weiß, ob es ins geplante Budget passt. Deshalb sollte man also unbedingt seine Preiswünsche kundtun. Der gute Berater wird diese dann berücksichtigen. Und wenn bestimmte Kundenwünsche den Preisrahmen sprengen würden, wird er preiswertere Alternativen aufzeigen, und als Option die Mehrkosten auf den ursprünglichen Wunsch. Dann kann man sich ja immer noch entscheiden, mehr auszugeben, weil einem der Wunsch so wichtig ist, oder  man ist mit dem Alternativvorschlag auch sehr gut bedient. Gute Küchenplaner nutzen ja sowieso alle Möglichkeiten wie laufende Aktionen oder Abverkaufsartikel, die in der Regel stark vergünstigt sind. Sie haben das entsprechende Wissen und wird es zum Vorteil des Kunden nutzen. Darauf kann man getrost vertrauen.

Dinge, die Sie unbedingt vermeiden sollten:

1. Mangelnde Ernsthaftigkeit, ohne Termin oder unvorbereitet zum Küchenplaner gehen: Küchenberatung und -planung ist ein sehr professionelles Gewerbe, hinter dem auch viel Arbeitsaufwand steckt. Es ist viel kreative Leistung dafür notwendig, man  benötigt Ruhe und Konzentration. Außerdem sind Baustellenbesuch, Handwerkerbesprechungen usw. auswärts notwendig.  Da eine ordentliche Küchenberatung bis zu zwei Stunden dauern kann, sollte man daher unbedingt vor dem Besuch einen Termin vereinbaren. Man sollte dann alle notwendigen Unterlagen und Pläne mitbringen und  das Projekt ernsthaft angehen. Und man sollte schlussendlich auch eine Entscheidung treffen, wenn alle Wünsche erfüllt wurden, der Plan gemeinsam fertig entwickelt und das Budget eingehalten wurde.

2. Zu spät mit der Küchenplanung beginnen: Einbauküchen liegen nicht vorgefertigt auf Lager, sondern werden aufgrund ihrer Individualität erst genau nach Bestellung hergestellt. Das bedeutet Produktionszeiten, die je nach gewählten Materialien und Planungskomplexität unterschiedlich lange dauern. Und  die Zeit beginnt erst ab Auftragsklarheit zu zählen. Das heißt, vorher kommt die Planungszeit, nach Auftragserteilung wird vom Profi ausgemessen und der Produktionsplan erstellt, den der Kunde auch freigeben muss. Dann wird die Bestellung zur Produktion geschickt und dort auf Machbarkeit überprüft. Auch hier kann es sich noch etwas verzögern, wenn Änderungen notwendig werden.  Daher ist es empfehlenswert, im Wohnungs- oder Hausplanungsstadium zum Küchenplaner zu gehen, um keine Zeit zu verlieren.

3. Zu viele Wünsche haben oder nicht konkret sein: Es ist schon verständlich, dass man bei einer neuen Küche gerne alles hätte, was einem gefällt und / oder die Arbeit erleichtert. Allerdings sind häufig die Räume zu klein oder das Budget nicht passend, um alle Wünsche umsetzen zu können. Und so sehr er sich bemühen sollte, aus einem  Küchenplaner wird kein Zauberer. Deshalb sollte man seine Wünsche auch mit Prioritäten versehen und seinem Küchenplaner vertrauen, dass er aufgrund seiner Erfahrung perfekt beraten wird.
Auch wenn der Kunde etwas Wesentliches ändern will, während die Küche schon geplant wurde, verursacht das eine wesentliche Zeitverzögerung. In der Regel bedeutet das ein neuerliches Erstberatungsgespräch und eine komplette Neuplanung. Woraus sich natürlich auch wieder Zeitverzögerungen ergeben.

4. Ohne oder mit falschem Budget planen lassen: Dabei sollte man wissen, dass komplexe Küchenplanungen und die Berechnung des Kaufpreises sehr arbeitsintensiv sind. Hat der Küchenplaner also nicht die notwendigen Infos für seine Planung, und dazu zählt auch das Budget, dann wird er leicht das Falsche planen und präsentieren. Das stellt sich dann bei der Planbesprechung heraus, sowohl der Planer, aber auch der Kunde haben Zeit vergeudet. Das könnte man durch aufrichtige Bekanntgabe des Budgets  leicht verhindern. Keine Angst, der gute Küchenplaner wird nicht so viel hineinplanen, um den ganzen Betrag auszuschöpfen. Im Gegenteil: Meist sind es Kundenwünsche, die den Rahmen sprengen.

5. Mangelndes Vertrauen zum Berater: Man sollte sich stets darauf verlassen, dass Küchenplaner sehr professionell arbeiten und viel Erfahrung und Wissen mitbringen. Der Küchenplaner wird alles daransetzen, eine maßgeschneiderte, individuell angefertigte Küche für jeden Geschmack bauen zu können. Auch wenn mehrere Besprechungen notwendig sind, sollte man immer wieder gemeinsam daran arbeiten. Und nicht davor zurückschrecken, zu sagen, wenn etwas nicht gefällt, oder wenn man sich doch einen günstigeren Kaufpreis erhofft hätte. Es wird sich immer eine Lösung finden lassen.

 

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