Der Kuckuck ist ein Meister im Täuschen und Tarnen.

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Wissen
04/19/2021

Zum Kuckuck: Warum der Zugvogel auf der Strecke bleibt

Bei warmen Temperaturen starten Zieheltern früher mit der Eiablage, der Brutparasit kommt zu spät.

von Hedwig Derka

„Gu-kuh, gu-kuh“ ruft er im Wald. Wenn Kuckuck-Männchen nach dem Langstreckenflug lautstark ihr Revier abstecken und die Brautschau hörbar machen, suchen abergläubische Menschen rasch nach einem Geldstück im Hosensack. Die gefiederten Artgenossinnen beeilen sich ihrerseits, geeignete Leihmütter und fremde Nester auszuspähen. Schließlich wollen sie bald nach der Paarung mit der Ablage von bis zu zwanzig Eiern beginnen. Das Leben als Brutparasit gestaltet sich dieser Tage schwieriger denn je.

„Mehr als 100 Meldungen aus dem Flachland zeigen, dass der Frühlingsbote aus Zentralafrika zurückkehrt“, sagt Gabor Wichmann. Der Geschäftsführer von Birdlife ist über das Eintreffen von Cuculus canorus in Österreich dank eines Meldeaufrufs der Vogelschutzorganisation laufend informiert; Mitmachen erwünscht. Er weiß auch, dass dem zirka 34 cm großen Vogel nicht viel Zeit bleibt, um das Überleben der Art hierzulande zu sichern.

Rückgang

Noch ist der Kuckuck zwischen Boden- und Neusiedler See weit verbreitet. Doch die Bestandszahlen gehen seit Langem zurück. „Ab den späten 1990er-Jahren verzeichnen wir einen Rückgang von 25 Prozent“, sagt Wichmann. Europaweit ist das Minus noch größer.

Weniger Wirtsarten

Dabei hängt das Wohl des Kuckucks in erster Linie von dem der Wirtsvogelarten ab. Etwa 45 Spezies kommen als unfreiwillige Zieheltern in Frage. Büßen Bachstelze, Rotkehlchen und Rohrsänger Lebensraum ein, wirkt sich das auch auf den Brutschmarotzer aus. Die einfache Rechnung: Wo kein Nestbau, da keine Kinderstube für den Kuckuck. Auch das massive Insektensterben durch intensive Landwirtschaft setzt dem Federvieh, klein wie groß, zu.

Landung mit Verspätung

„Der Klimawandel könnte dem Kuckuck noch einen Strich durch die Rechnung machen“, sagt der Ornithologe. Viele Kurzstreckenzieher kehren wegen günstiger Bedingungen früher aus ihrer Winterbleibe zurück. Sie starten die Familienplanung, wenn der Langstreckenzieher noch unterwegs ist. In der Ferne drängt den Überflieger nichts zum Aufbruch, daheim verpasst er aber den richtigen Zeitpunkt, das Ei blitzschnell in ein passendes Gelege zu schwindeln. Auf andere Nester kann er nicht ausweichen. Schließlich wird jeder Kuckuck mit dem Schlüpfen auf einen Wirt geprägt. Die Schalen der nächste Generation entsprechen in Farbe und Größe jener der Stiefgeschwister.

Hartes Leben

„Es muss alles gut getimt sein, damit das funktioniert“, sagt der Birdlife-Experte. Merkt das Wirtspärchen den Betrug, kann das für die Kuckucksmutter schmerzhaft sein, für den Nachwuchs in Schale tödlich. Gelingt das Täuschmanöver, steht es dagegen um die Futterkonkurrenten schlecht: Das Kuckuckskind stemmt mit seinem Rücken Eier bzw. Küken über den Nestrand, die ihm Käfer, Raupen und Heuschrecken streitig machen würden. Beim Kampf ums Überleben gibt es keine Freunde.

Abflug im August

„Der Kuckuck bleibt nur rund ein Vierteljahr bei uns; das bringt der lange Weg zwischen Sommer- und Winterquartier mit sich“, sagt Wichmann. Schon Anfang August werden die Vögel wieder in nahrungsreichere Gefilde südlich des Äquators abheben. Bis dahin kann beim ersten Ruf des Kuckucks aber noch nach Kleingeld in der Hosentasche gekramt werden. Findet sich auch nur ein Cent, soll der monetäre Segen das ganze Jahr anhalten.

  • 8,6 Millionen Brutpaare gibt es in Europa maximal, schätzt der Naturschutzbund Deutschland. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr stark. 
  • 12.000 km etwa legt der Langstreckenzieher im Jahr zurück. Die bevorzugten Routen zwischen Mitteleuropa und Zentralafrika und retour führen über Italien bzw. Griechenland.
  • 110 Gramm wiegt ein ausgewachsener Kuckuck im Durchschnitt. Seine Wirtsvogelarten sind durchwegs kleiner. Nicht alle sind bereit, das fremde Einzelkind aufzuziehen.
  • 6 bis zehn Jahre beträgt die Lebenserwartung des Einzelgängers. Greifvögel, Marder, Fuchs sowie Parasiten zählen zu den natürlichen Feinden des scheuen Vogels.
  • 100 Arten etwa sind weltweit als Brutschmarotzer bekannt. Der Kuckuck, der kein eigenes Gelege betreut, ist Meister im Täuschen und Tarnen.
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