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24.09.2018

Vogelsterben: Diese Arten werden in Österreich immer seltener

Früher starben kleine Bestände aus, heute sind große bedroht – auch in Österreich.

2011 flatterte der vermenschlichte Spix-Ara Blue animiert über die Kinoleinwände, um in Rio die letzten seiner Art zu retten. Im Film gibt es ein Happy End und eine Fortsetzung; im Dschungel Brasiliens nicht. Eine aktuelle Studie der Vogelschutzorganisation Birdlife International stuft den blau gefiederten Papagei als ausgestorben ein. Das letzte wild lebende Exemplar wurde Ende 2000 gesichtet, ein im Jahr 2016 beobachtetes Tier war vermutlich aus einem Käfig entkommen; in Gefangenschaft leben noch einige Artgenossen von Blue.

Der prächtige Spix-Ara ist kein Einzelfall. Seit 1500 sind laut Birdlife etwa 187 Vogelarten vom Planeten Erde verschwunden. Auch viele heimische Bestände sind in Gefahr. Für manche gibt es keine Rettung.

„Die Studie hat bestehende Daten vom Schreibtisch aus neu bewertet“, erklärt Norbert Teufelbauer von Birdlife Österreich. Historisch betrachtet waren demnach 90 Prozent der ausgestorbenen Vogelarten kleine Populationen auf abgelegenen Inseln. Jüngst sind auch Überflieger in großen Ökosystemen auf den Kontinenten betroffen. „Heute müssen wir uns durch die Veränderung der Lebensräume auch über häufige Arten Sorgen machen, weil sie stark zurückgehen“, sagt der Ornithologe. Die Bedrohung geht vom Menschen aus.

Österreichs Rote Liste

Das ist in Österreich nicht anders: Von den etwa 430 Vogelarten brüten 210 regelmäßig zwischen Boden- und Neusiedler See. 50 Prozent stehen auf der Roten Liste. „16 Brutvogelarten sind nach aktuellem Stand regional verloren“, bedauert Hans-Martin Berg, Manager der Vogelsammlung im Naturhistorischen Museum Wien.

 

Bei der Zwergtrappe und dem Schreiadler wird sich das nicht ändern, beim Kranich und bei der Zaunammer könnten Zuzügler aus anderen Teilen Europas verwaiste Gebiete erneut besiedeln. Der Kaiseradler ist bereits wieder gelandet, Artenschutzprojekte haben es ermöglicht.

Bedrohungen

„Die Nutzungsänderungen in der Landschaft durch Land- und Forstwirtschaft sowie durch die Freizeitindustrie setzen vielen Arten zu“, sagt Vogel-Experte Berg. Die einst populäre Feldlerche verliert durch monotone Bewirtschaftung an Boden.

Der früher weit verbreiteten Grauammer fehlt es zunehmend an Nahrung, Biozide vernichten Insekten. Die Brutzeit des Braunkehlchens fällt in die Mahdzeit, seine Nester werden zerstört. „Die Wasserstandsverhältnisse entwickeln sich ungünstig, das merkt man beim Kiebitz und beim Schwarzhalstaucher“, nennt Berg das Austrocknen von Feuchtgebieten als weitere Gefahr.

Auch der Klimawandel zeigt hierzulande bereits Wirkung. Die Erderwärmung könnte etwa das Alpenschneehuhn immer höher treiben, am Gipfel ist Schluss. Darüber hinaus unterwandern eingeflogene Arten ortsansässige. So macht sich z.B. die Kanadagans im Waldviertel breit. „International tragen eher ausgesetzte und eingeschleppte Arten zur Ausrottung bei“, sagt Teufelbauer. Jenseits von Österreich gerät die Artenvielfalt der Lüfte nicht zuletzt durch Bejagung in freien Fall. Beispiel: Turteltaube.

Artenschutz

„Es ist nie nur ein Faktor verantwortlich, dass eine Art nicht gut dasteht“, resümiert Berg: „Wir haben noch viele Aufgaben.“ Das sieht Kollege Teufelbauer ähnlich: „Wir brauchen mehr Geld für den Artenschutz, mehr Bewusstsein und den politischen Willen.“ Schließlich profitierten alle von einer vielfältigen Natur.