Wissen
31.12.2018

Zukunftshoffnung: Physikerin

Ausnahmetalent. Leonie Einfalter hat in Rekordzeit den Bachelor gemacht. Ihr Ziel ist es, am CERN zu forschen.

„Du bist Physikerin? Das hätte ich jetzt aber nicht gedacht.“ Diesen Satz hat Leonie Einfalt schon oft gehört. Die junge Studentin entspricht so gar nicht dem Klischee einer Frau, die in Mindestzeit den Bachelor gemacht hat – und das mit Auszeichnung. Als sie ihr Zeugnis in der Hand hielt, war sie 20.

"Wir sind keine Nerds"

Außergewöhnlich? „Wir Physikerinnen und Physiker sind keine Nerds, wir sind ganz normale Menschen“, sagt sie schmunzelnd. Dazu gehört, dass es ein Leben außerhalb des Labors gibt. Und dieses zweite Leben verbringt die mittlerweile 21-Jährige als Snowboarderin auf der Piste.

Viel unterwegs

Dafür reist sie viel: Im Winter fährt sie jeden Freitag von Wien, wo sie an der Hauptuniversität studiert, in ihren Heimatort Altenmarkt im Pongau. Nebenbei arbeitet sie in einem Freestylepark – „als junger Mensch braucht man immer Geld“, meint sie.

Klingt alles nach einem dichten Terminplan: „Klar muss ich manchmal bis in die Nacht lernen, wenn ich am Wochenende nach Hause will“, erzählt sie. Da gilt es, die Zeit effizient zu nutzen: „Wenn ich vier Stunden im Zug sitze, kann ich sehr gut arbeiten. Weil es auf der Strecke die halbe Zeit kein Internet gibt, werde ich nicht abgelenkt und bin sehr produktiv.“ Das geht wohl nicht nur ihr so.

Liebe für Naturwissenschaften

Ihr Faible für die Naturwissenschaften hat die Salzburgerin übrigens schon in der Schulzeit entdeckt: „Unser Gymnasium in St. Johann hatte einen Schwerpunkt Mathematik und Physik. Damals fielen mir die Fächer schon leicht“,erzählt sie heute. Später, als sie mit dem Studium begann, faszinierte sie besonders die Quantenphysik – „das sind die Dinge, die man spannend findet, wenn man sich noch nicht so gut auskennt. Heute finde ich die Teilchenphysik interessanter.“

Reizvoll findet sie es, sich mit philosophischen Fragen in der Physik auseinanderzusetzen. Beispiel gefällig? „Schrödingers Katze kennt man: Ist sie jetzt wirklich da? Oder doch nicht? Da stellt sich für mich die Frage: Wer sind wir? Nur unser eigenes Gebilde?“ Das Philosophieren erweitert den Horizont.

Männerdomäne Physik

Und wie geht es ihr als Frau in der Männerdomäne Physik? „Zum Glück gibt es immer mehr weibliche Studenten. Allerdings wird ihnen immer noch weniger zugetraut“, bedauert sie. Je nach Fachrichtung liegt der Frauenanteil zwischen 20 und 40 Prozent. Dass es auch anders sein kann, hat Leonie Einfalt in Melbourne erlebt, wo sie ein Auslandssemester gemacht habe: „Da war ich die Exotin unter lauter Männern.“ Jetzt ist sie wieder in Wien und fühlt sich wohl: „Der Betreuungsschlüssel ist in Australien zwar besser, doch die Konkurrenz ist viel größer, auch weil das Studium sehr teuer ist. Bei uns gibt es eher ein Miteinander.“

Und ihr Lebensziel? „Am liebsten möchte ich in der Forschung bleiben – da ist der Traum eines jeden Physikers, einmal ans Forschungsinstitut CERN in der Schweiz zu gehen.“ Wenn es mit der Forschung nichts werden sollte, hat sie einen Plan B: „Dann werde ich Lehrerin.“ Derzeit betreut sie als Mentorin Erstsemester. „Da habe ich gemerkt, dass ich mein Wissen gut vermitteln kann.