Wissen und Gesundheit
01.08.2017

Zu viel Zucker macht Männer depressiv

Wer gerne nascht, hat ein um 23 Prozent erhöhtes Risiko für mentale Probleme, zeigt eine neue Studie.

Ein bisschen Süßes hebt die Stimmung, heißt es. Doch die gesundheitlichen Schäden durch übermäßigen Zuckerkonsum sind beachtlich. Jetzt verstärken sich die Hinweise, dass zu viel Zucker sogar das Risiko für Depressionen erhöhen kann. Britische Forscher kamen zum Schluss, dass vor allem Männer gefährdet sind.

Zucker in Getränken und Kuchen

Speziell Zucker, der in Getränken, Kuchen und Produkten wie Ketchup versteckt ist, fällt dabei ins Gewicht. Die Forscher des University College London (UCL) stellten besonders bei Männern, die täglich mehr als 67 Gramm Zucker - eine Tafel Schokolade (100 g) enthält ca. 60 Gramm Zucker, ein Liter Cola ca. 110 Gramm - zu sich nahmen, fünf Jahre später ein um 23 Prozent erhöhtes Risiko für mentale Probleme fest. Bei Männern, die weniger als 39,5 Gramm täglich konsumierten, trat das Phänomen nicht auf. Erstaunlicherweise fanden die Forscher auch keinen Zusammenhang zwischen hohem Zuckerkonsum und der Entwicklung einer depressiven Beeinträchtigung bei Frauen. Die Gründe dafür sind unklar.

Ernährungsprotokolle gesammelt

Für ihre Untersuchung verwendeten die Wissenschaftler die Daten von 5000 Männern und 2000 Frauen, die im Zuge der großen "Whitehall II"-Studie in den 1980er-Jahren gesammelt worden waren. Die Zuckeraufnahme und die psychische Gesundheit der Teilnehmer wurde mittels genauem Fragebogen ermittelt. Die Teilnehmer wurden nach ihrem Zuckerkonsum in drei Gruppen geteilt – genauer untersucht wurde jene, die am meisten davon zu sich nahmen.

Persönlich geführte Protokolle sind allerdings auch eher anfällig für Fehler, geben Experten zu bedenken. Ein Problem ist, dass Probanden dazu tendieren, nicht die ganze Wahrheit über ihr Essverhalten preiszugeben. "Das ist nicht immer ganz einfach nachvollziehbar", betont Univ.-Prof. Kurt Widhalm, Leiter des Instituts für akademische Ernährungsmedizin. "Aber es gibt keine bessere Methode in der Ernährungsmedizin. Um Einblicke in das Ernährungsverhalten im Alltag zu erhalten, können wir die Menschen nicht monatelang irgendwo kasernieren."

Letztes Glied gefunden?

"Die Ergebnisse bei Männern waren sehr aussagekräftig. Wir wissen noch zu wenig über die Entstehung von Depressionen. Dass hoher Zuckerkonsum einen Einfluss auf die Entwicklung einer psychischen Beeinträchtigung hat, könnte das letzte unbekannte Glied in einer Kette sein", schreibt Anika Knüppel, Hauptautorin der im Magazin Scientific Reports veröffentlichten Studie.

"Es ist nichts Neues, dass eine hohe Zuckerzufuhr schwerwiegende Folgen hat", kommentiert Widhalm die Studie. Frühere Untersuchungen hätten bereits Hinweise auf eine mögliche mentale Beeinträchtigung offenbart. "Aber in dieser Genauigkeit wurde das bisher noch nicht gezeigt." Es gebe etwa Vermutungen, dass zu viel Zucker die Konzentration der Neurotransmitter im Gehirnstoffwechsel verändere. "Das konnte aber noch nicht belegt werden."

Der Adipositas-Experte räumt ein, dass mehr als 67 Gramm Zucker täglich "deutlich über der empfohlenen Höhe von einem Zehntel der Gesamtenergieaufnahme" liegt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt maximal 25 bis 50 Gramm täglich. Treiber für einen hohen Zuckerkonsum sind besonders zuckerhaltige Getränke. Im Gegensatz zu anderen Studien werde in der vorliegenden auch dieser häufig vernachlässigte Faktor berücksichtigt.

Körperliche Aktivität nicht berücksichtigt

Allerdings fehlt dem Experten in der Untersuchung der Zusammenhang zur körperlichen Aktivität. "Es macht einen enormen Unterschied, ob jemand regelmäßig Sport betreibt oder nicht", erklärt Widhalm. "Wer regelmäßig mehrere Stunden Tennis spielt, wird mit etwas erhöhten Zuckermengen kaum ein Problem haben." Ein Freibrief für mehr Softdrinks ist dies allerdings nicht.