Zigaretten: Auch die Haut saugt Giftstoffe auf

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Foto: dpa

Lüften reicht nicht – Tabakrückstände auf Möbeln und Kleidung können noch Tage später im Körper nachgewiesen werden.

Dass Kinder möglichst keinem Zigarettenrauch ausgesetzt werden sollten und dass Rauchen in der Schwangerschaft dem Ungeborenen schadet, sollte bekannt sein. Nun beweist eine aktuelle Studien aber, dass es nicht reicht, nur in der Nähe von Kindern und Schwangeren aufs Rauchen zu verzichten.

Denn Tabakrückstände können offenbar stärker als bisher angenommen über die Haut aufgenommen werden – damit sind jegliche Möbel oder Kleidungsstücke, die dem Rauch ausgesetzt waren, Überträger der Giftstoffe. In der Wissenschaft spricht man von der Gefahr durch "Third Hand Smoke".

Für die Studie der deutschen und dänischen Forscher haben Nichtraucher drei Stunden in einem verrauchten Raum verbracht – allerdings trugen sie dabei eine Atemmaske und haben nur saubere, gesunde Luft eingeatmet. Um möglichst viel Haut dem Rauch auszusetzen, hatten sie kurze Hosen an.

So viel Nikotin im Körper wie bei Rauchern

Das überraschende Ergebnis: Die Studienteilnehmer hatten über die Haut im Schnitt etwa 560 Mikrogramm Nikotin aufgenommen – also hätten sie genauso gut selbst zur Zigarette greifen können. Die Rückstände waren sogar 60 Stunden später noch nachweisbar, berichten die Forscher im Journal "Indoor Air".

Nach diesen Resultaten gingen die Wissenschaftler einen Schritt weiter und hingen ein T-Shirt fünf Tage in einem verrauchten Raum auf – danach musste ein Nichtraucher es tragen. Auch in seinem Urin fand man daraufhin Nikotin-Rückstände.

Anlässlich der Jahrestagung der österreichischen Pneumologen warnen Lungenärzte daher nicht nur davor, in der Schwangerschaft oder in der Nähe von Kindern zu rauchen. „Wenn Kinder in Räume kommen, wo geraucht wurde, nehmen sie trotzdem über die Haut Nikotin auf“, mahnt die Kinderlungenärztin Priv.-Doz. Angela Zacharasiewicz vom Wiener Wilhelminenspital. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass Österreich im EU-Vergleich Schlusslicht bei der Kontrolle von Tabakverboten und trauriger Spitzenreiter bei der Zahl jugendlicher Raucher ist.

Spitzenkonzentrationen im Fötus nach 15 bis 30 Minuten

„Die Langzeiteffekte beginnen schon in der Schwangerschaft – nicht nur das Lungenwachstum wird beeinträchtigt“, sagt Zacharasiewicz. „Es gibt inzwischen eine Fülle von Studien, die gezeigt haben, dass die Gene in der Plazenta verändert werden.“ Neue Untersuchungen würden direkte, epigenetische Effekte auf das Immunsystem zeigen – es werden also Ein- und Ausschaltmechanismen in der DNA verändert, die Erkrankungen begünstigen.

Zacharasiewicz warnt davor, dass sich das giftige Nikotin im Fruchtwasser sammelt: „So wird etwa das Nikotin in der fetalen Lunge gespeichert, Spitzenkonzentrationen von Nikotin im Ungeborenen entstehen 15 bis 30 Minuten nach dem Konsum einer Zigarette.“

Die möglichen Folgen werden häufig unterschätzt:  geringeres Geburtsgewicht, Schädigungen der Plazenta, wie etwa eine vorzeitige Plazentaablösung, oder Fehlbildungen sowie Früh- und Totgeburten treten bei Kindern von Raucherinnen häufiger auf. Die Häufigkeit von Asthma ist bis zu 80 Prozent höher.

(kurier) Erstellt am
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