Wissen und Gesundheit
15.04.2017

Wo es Futter für die Aliens gibt

Die Sonde Cassini hat ihren Job erledigt und Hinweise auf außerirdisches Leben gefunden. Demnächst wird sie kontrolliert zum Absturz gebracht.

Hunter Waite ist zufrieden: "Gut, wir haben keine Mikroben gesehen", sagt der Planetenwissenschaftler am Southwest Research Institute in San Antonio, Texas. "Aber wir haben ihr Futter entdeckt." Und weil sich dieses Futter nicht auf der Erde befindet, sondern auf dem Saturn-Mond Enceladus, ist man plötzlich außerirdischem Leben einen Schritt nähergerückt. Denn: Unter dem Eismantel des Saturn-Trabanten liegt ein Ozean, in dessen Tiefen hydrothermale Quellen sprudeln. Letztere gibt es auch auf der Erde – und hier liefern sie Energie für Leben. Doch der Reihe nach.

Enceladus ist mit 504 km Durchmesser der sechstgrößte Saturn-Mond. Bereits 2005 hatten NASA-Forscher auf Bildern Fontänen am Südpol entdeckt, die regelmäßig mehrere Tausend Kilometer weit ins All schießen. 2015 näherte sich Cassini – die Sonde, die Saturn seit vielen Jahren erkundet – Enceladus bis auf 50 km und flog mehrfach durch die Eisfontänen, um das ausgestoßene Wasser zu untersuchen. Bei der letzten Passage stellte sich heraus, dass die Jets Wasserstoffgas enthalten. Warum das bedeutsam ist? Weil dieser Vorgang Energie für mikrobielles Leben liefert – zumindest ist das auf der Erde so. Enceladus wurde damit der Spitzenkandidat für Leben anderswo im Sonnensystem, berichten die Forscher im Fachblatt Science.

Kein Beweis

"Im Prinzip herrschen auf Enceladus gute Voraussetzungen, aber bisher gibt es keinen Beweis, dass dort tatsächlich Leben existiert", analysiert der Weltraumforscher Wolfgang Baumjohann. Gäbe es auf Enceladus tatsächlich Leben, also Mikroben, würden die den Wasserstoff umwandeln – und nicht der, sondern Methan würde aus den Ritzen strömen. Einen direkten Nachweis für außerirdisches Leben könnte nur eine Sonde erbringen, die sich durch den dicken Eispanzer bohrt und ein Mini-U-Boot im Ozean absetzt, das dann nach Organismen fahndet. Das sei illusorisch, meint Baumjohann. "Vielleicht in 200 Jahren."

Doch auch ohne diese Gewissheit hat die Cassini-Mission viele Erkenntnisse gebracht: Die Sonde flog in einer Umlaufbahn um den Saturn, erkundete den Planeten, seine Ringe und die 62 bisher bekannten Monde – sieben davon wurden erst durch Cassini-Daten entdeckt. "Man hat das Minisonnensystem Jupiter-Saturn plus Monde wirklich gut erforscht und viel über Titan herausgefunden, den man vorher nicht sehen konnte, weil er eine so schmutzige Atmosphäre hat."

Großes Finale

Die neuesten Entdeckungen auf Enceladus rücken jetzt das große Finale von Cassini in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. "Auch Satelliten sterben irgendwann – etwa dann, wenn sie keine Energie mehr haben", sagt Baumjohann. Man könne sie nicht einfach so rumfliegen lassen. "Sie müssen vernünftig entsorgt werden." Schließlich will die Nasa verhindern, dass Mikroben von der Erde Enceladus kontaminieren – besonders jetzt, da die Chance auf einfache Formen von Leben, die noch zu erforschen sind, größer geworden ist.

Cassinis Selbstzerstörungsflug wird also offiziell am 22. April eingeleitet: ein letztes Mal am Saturnmond Titan vorbeifliegen, seine Anziehungskraft nutzen und sich am 26. April durch einen 2400 Kilometer breiten Spalt der Saturn-Ringe "schleudern" lassen. Eine riskante Selbstmord-Aktion, meint Baumjohann: "Man will rausfinden, was in der Lücke drinnen ist – Staub? Wie viel? Andere Moleküle? Bisher hat man die Staubscheiben vermieden, weil es eine gefährliche Region ist." Jetzt – am Lebensende von Cassini – will man es wagen. "Wenn er dabei kaputtgeht, geht er halt kaputt."

Wenn nicht: Am 15. September will die NASA Cassini in der Saturn-Atmosphäre verglühen lassen.