Auch Giraffen sollen verwaltet werden.

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Wissen Wissenschaft
07/08/2020

Wiener Konzept für einheitliche Liste aller Arten

Forscher schlagen ein Verfahren vor, wie man zu einer einzigen anerkannten Inventar-Liste des Lebens kommt.

Von Säugetieren und Vögeln bis zu Pflanzen, Pilzen und Bakterien: Wissenschafter des Naturhistorischen Museums Wien arbeiten an der Erstellung einer einzigen anerkannten Liste für alle Arten auf der Welt mit, um die biologische Klassifikation international für alle Institutionen zu vereinheitlichen. In einem neu publizierten "PLOS Biology"-Artikel wird dieses Verfahren erstmals vorgeschlagen.

Zehn Grundsätze

„Alle Arten aufzulisten, hört sich wie Routinearbeit an, aber es ist eine erstaunlich schwierige und komplexe Aufgabe“, sagt Prof. Dr. Frank Zachos, Kurator der Säugetiersammlung am Naturhistorischen Museum Wien und Mitautor. Hier wird erstmals ein Verfahren vorgeschlagen, wie eine einzige anerkannte Liste aller Arten auf der Welt erstellt werden könnte. Die neue Publikation zeigt jetzt eine mögliche Lösung auf: zehn Grundsätze, um Artenlisten aller Lebewesen zu erstellen und zu verwalten. Vorgeschlagen wird zusätzlich eine Infrastruktur, mit deren Hilfe die Listen gut gepflegt und weithin akzeptiert werden können.

Viel Kleinvieh

Derzeit gibt es keine Liste, die von allen Institutionen anerkannt wird. Stattdessen gibt es für viele bekannte Gruppen wie etwa Säugetiere und Vögel verschiedene, miteinander konkurrierende Listen, während es für andere, weniger bekannte Gruppen überhaupt keine vollständigen Zusammenstellungen gibt. Das schafft Probleme für Organisationen und Regierungen, die auf wissenschaftlich fundierte und akzeptierte Listen angewiesen sind, wenn es um Naturschutz, internationale Abkommen und Regeln für den Handel mit bedrohten Arten geht. Ebenso behindert das Fehlen einer solchen Liste die weitere Erforschung der biologischen Vielfalt auf der Erde.

Vereinheitlichung

Das soll nun geändert werden. „Besonders wichtig bei diesem Ansatz ist, dass die Rollen der einzelnen Personen klar definiert werden. Welche Rolle die Wissenschafter und andere Akteure wie Naturschützer und Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen spielen sollen, wird bei diesem Ansatz erklärt“, sagt Kevin Thiele, Direktor von Taxonomy Australia und Co-Autor der Studie. „Taxonomen bestimmen, wie Arten erkannt und beschrieben werden, daneben werden bei dem Prozess auch die Bedürfnisse anderer Akteure berücksichtigt. Vor allem wenn es darum geht, eine Entscheidung zwischen verschiedenen taxonomischen Meinungen zu treffen.“ Ein fundamentales Prinzip des vorgeschlagenen Prozesses ist aber, dass die wissenschaftliche Freiheit nicht eingeschränkt werden darf.

Artenschutz für kommende Generationen

Die auf der Erde vorkommenden Arten sind dramatischen Bedrohungen ausgesetzt, deren Ausmaß nur wenige Male in der Geschichte des Lebens vergleichbar war. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Verlust des Lebensraumes, Ausrottung und nicht-nachhaltige Nutzung sind die wesentlichen Ursachen der gegenwärtigen Aussterbekrise. „Die Entwicklung einer einheitlichen globalen Artenliste wird das Aussterben nicht stoppen“, sagt Frank Zachos, „aber sie ist ein wichtiger Schritt, um Natur- und Artenschutz für uns und für zukünftige Generationen zu ermöglichen.“