Modeschöpfer Karl Lagerfeld lebt als Spinne weiter.

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Wissen
07/06/2019

Welche Tiere einen prominenten Namenspaten haben

Karl Lagerfeld befindet sich in bester Gesellschaft. Warum neue Arten wie Stars genannt werden.

Karl Lagerfeld lebt. Er krabbelt durch Australien - und ist eine Springspinne. Schwarze Beinglieder, die Assoziationen mit den Handschuhen des Designers wecken, riesige schwarze Augen, die an die Brillen des Mode-Zaren erinnern, schwarz-weiß gefärbte Tastorgane, die wie ein sauberer Kentkragen daherkommen: Forscher der Universität Hamburg haben eine winzige Spinnenart entdeckt. Und sie wegen ihres „Understatements“ nach dem  Modeschöpfer (1933-2019) benannt: Jotus karllagerfeldi.

„Das Tier erinnerte uns von den Farben her an den reduzierten Stil Karl Lagerfelds“, erklären die Wissenschafter.

In bester Gesellschaft

Karl Lagerfeld befindet sich in bester Gesellschaft. John Lennon lebt als Tarantel im brasilischen Amazonas. Ein Forscherteam hat die Art zu Ehren ihres Idols als Bumba lennoni bezeichnetet. Die Benennung von neu entdeckten Tieren nach Society- und Popkultur-Größen boomt: So gibt es eine Milbe, die nach Jennifer Lopez benannt ist. Neben ihr dienen auch Angelina Jolie und Neil Young als Namenspaten für Spinnen, Bill Gates für eine Mistbiene oder Prinz Charles für einen Frosch. Auch Politiker - allen voran US-amerikanische Präsidenten - kommen in der Fauna zu Ehren. Sogar Hitler findet sich im Reich der wilden Tiere wieder - als blinder räuberischer Laufkäfer Anophtalmus hitleri. Den Namen erhielt das daran schuldlose Tier, das in einer Höhle in Slowenien lebt, im Jahr 1937. Allerdings haben auch drei Staubpilzkäfer-Arten Prominenz erlangt: Agathidium bushi, A. cheneyi und A. rumsfeldi sind nach den drei Politikern aus Übersee benannt.

US-Präsident Donald Trump steht Pate für eine Motte.

Neopalpa donaldtrumpi wurde 2017 wegen ihrer Ähnlichkeit nach dem Politiker benannt.

Die Sängerin Beyonce steht Pate für eine Pferdebremse.

Scaptia beyonceae mit dem goldenen Hinterteil ließ die Wissenschafter bei der Taufe an die Kostüm der Künstlerin denken.

Der US-Unternehmer, Programmierer und Mäzen William „Bill“ Henry Gates steht Pate für eine Mistbiene.

Eristalis Gatesi soll an den prominenten Förderer der Fliegenforschung erinnern.

Der britische Sänger, Musiker und Schauspieler steht Pate für eine Spinne.

Heteropoda davidbowie rief wegen ihres schrillen Aussehens Assoziationen mit dem Pop-Idol hervor.

Der jamaikanische Sänger, Gitarrist und Songwriter Bob Marley steht Pate für einen Parasiten.

Gnathia Marleyi sei so einzigartig karibisch wie der Reggae-Musiker, begründeten die Namensgeber ihre Entscheidung.

Hollywood-Star und UNHCR-Sondergesandte Angelina Jolie steht Pate für eine Gift spritzende Spinne.

Aptostichus angelinajolieae krabbelt seit 2007 unter diesem Namen - zum Dank an den humanitären Einsatz der Film-Ikone.

Der britische Thronfolger und Naturschützer Prinz Charles steht Pate für eine seltene Lurchart.

Hyloscirtus princecharlesi lebt in Ecuador - ein Laubfrosch zum Küssen.

Die Sängerin mit puertoricanischen Wurzeln steht Pate für eine Wassermilbe aus ihrer Heimat.

Litarachna lopezae spiegelt die Begeisterung der Biologen für die Musik von JeLo wider.

Der kanadische Musiker und Singer-Songwriter Neil Percival Young steht Pate für eine Spinne.

Myrmekiaphila neilyoungi konnte durch Nachbestimmung älterer Fundtiere bis zum Jahr 1940 rückverfolgt werden.

Internationaler Code für Nomenklatur

Der Internationale Code für die Zoologische Nomenklatur lässt all das zu. Es gibt nur wenige strikte Regeln, aber viele Empfehlungen, die aber nicht bindend sind. Eine der Grundregeln: Der erste Name ist immer der Gattungsname – der "Nachname" eines Tieres. Der zweite Name, der "Vorname", ist der eigentliche Artname. Ansonsten ist der Kreativität der Taxonomen keine Grenzen gesetzt. Die Namen sollten aber passend, kompakt, wohlklingend, leicht zu merken und nicht anstößig sein. Wie der winzige Wasserkäfer Hydroscapha jaechi, eine von circa 100 Käferarten, die nach dem österreichischen Forscher benannt wurden. "Ich habe gelegentlich auch schon Arten nach verschiedenen Persönlichkeiten benannt, nach dem König von Nepal oder nach dem Everest-Erstbesteiger Edmund Hillary", sagt Manfred Jäch, Spezialist für Wasserkäfer am Naturhistorischen Museum Wien. Bekannte Namen sind eine Chance, ein breites Publikum anzusprechen und es für den Natur- und Artenschutz zu begeistern. Die Benennung einer Art steht am Ende eines Prozesses, der mit der Entdeckung beginnt, zur wissenschaftlichen Beschreibung führt und mit der Wahl eines Namens abschließt. Der deutsche Modeschöpfer, Fotograf und Kostmübildner Karl Lagerfeld hat alle Voraussetzungen, auch als Spinne von sich Reden zu machen.