So sahen die Burgen von Harald Blauzahn aus

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Wissen Wissenschaft
02/04/2020

Was Wikinger-Burgen mit Bluetooth zu tun haben

Österreichische Archäologen erforschen mit Hilfe von Hightech die Burgen des Wikinger-Königs Harald Blauzahn. Was sie fanden.

von Susanne Mauthner-Weber

Auf den ersten Blick könnte man meinen, eine Kehrmaschine oder ein großer Rasenmäher fährt über die Felder im dänischen Odense. In Wahrheit sind auf dem Gefährt keine Messer, sondern viele kleine Antennen montiert, die elektromagnetische Impulse in die Erde senden und sie mithilfe von GPS-Messungen und anderen Hightech-Methoden in 3-D-Aufnahmen umwandeln. Nicht Gold und auch keine verborgenen Schätze werden damit aufgespürt, sondern Strukturen im Boden – Wälle, Wassergräben, Häuser und Straßen: Die Forscher des Ludwig Boltzmann Instituts betreiben Archäologie, ohne zu graben. Und sie sind europäische Spitze darin.

Darum haben dänische Kollegen das Team rund um den virtuellen Archäologen Wolfgang Neubauer auch nach Dänemark geholt. Ihre Mission: Die Burgen des Königs Harald Gormsson erforschen. Der Mann ist besser bekannt unter seinem Spitznamen Harald Blauzahn oder Bluetooth  und ist in seiner Heimat ein Nationalheld: Er begründete die dänische Nation, unterwarf Norwegen und führte sein Land aus der Bedeutungslosigkeit an die Spitze.

Das eindruckvollstes Erbe des Dänenkönigs sind aber spektakuläre Ring-Bauten. Sie entstanden um das Jahr 980 im gleichen Zeitraum an fünf Orten Dänemarks. Keine der Festungen erhebt sich direkt an der See, alle jedoch sind über Flüsse oder Fjorde mit dem Meer verbunden. Jede Anlage besteht aus einem exakt gezirkelten Ringwall mit einem Durchmesser zwischen 120 und 240 Metern, in den vier in die Himmelsrichtungen weisende Tore Einlass gewähren. Zwei mit Holzbohlen ausgelegte, schnurgrade Hauptwege zerteilen die Anlage in gleichmäßige Viertel, in denen wiederum vier Langhäuser ein Quadrat bilden.

Der echte Herr Blauzahn war ein berühmter Dänenkönig. Wie jeder aufstiegsorientierte Wikinger-Häuptling beherrschte Harald Blauzahn  (910 bis 987) Networking: Er bewirtete Freund und Feind in einer großen Halle, wo Met in Strömen floss, Orgien inklusive. Mit seinen Schiffen verknüpfte er Ostsee und Atlantik und eroberte  viele Ländereien. Er war das Kommunikationsgenie des 10. Jahrhunderts.  Kein Wunder also, dass skandinavische IT-Tüftler und internationale Kollegen ihn als Namenspatron ihres revolutionären Kommunikationsstandards auserkoren und diesen  Bluetooth nannten. 

Herr Blauzahn wusste, wie man seinen Namen unsterblich macht. Im dänischen Jelling hinterließ er einen monumentalen Runenstein, auf dem er stolz verkündete: „Harald, der sich ganz Dänemark und Norwegen unterwarf und die Dänen zu Christen machte.“ 

Tausende Arbeiter erfordert der Bau – vor allem wohl Sklaven. Denn schwere körperliche Arbeit ließen die Wikinger oft von Unfreien erledigen, die sie auf Raubzügen gefangen und nach Skandinavien verschleppt hatten. Und sie dienten wohl der Verteidigung und Machtdemonstration.„Drei der fünf Ringburgen sind seit Jahren bekannt und erforscht. Die vierte, das Wikingerschloss Nonnebakken in Odense, liegt als einziges unter einer modernen Stadt. Sie zu untersuchen ist schwierig“, sagt Jesper Hansen vom Odense-Museum. „Okay, sie ist rund, aber, ob sie tatsächlich eine von Harald Blauzahns Burgen ist, wusste man nicht mit Sicherheit.“ Und hier kamen die Österreicher ins Spiel.

 

Wir haben den Ring gefunden, mit vier Eingängen, einer Ringstraße im Inneren, und Häusern in jedem Viertelkreis. Das war das System von Blauzahn.

Wolfgang Neubauer | Virtueller Archäologe

„Die Idee war: Um die Ringburg unter Odense zu verstehen, müssen wir die anderen Ringburgen von Blauzahn vermessen“, erklärt Neubauer und ließ sein Team über das Areal der Wikingerschlösser Aggersborg, Fyrkat und Borgring flitzen. Letztere, die Borgring-Festung, wurde übrigens erst vor sechs Jahren mithilfe von Luftbildaufnahmen identifiziert.In kleinräumigen Messungen in Gärten konnte Neubauer dann tatsächlich die Unterwelt der Stadt Odense erforschen: „Wir haben den Ring gefunden, mit vier Eingängen, einer Ringstraße im Inneren, und Häusern in jedem Viertelkreis. Das war das System von Blauzahn“, erzählt Neubauer im Exklusiv-Interview mit dem KURIER.

Sogar die Untersuchung der Ringburg Aggersborg brachte Neues: „Dort gibt es unter der Burg von Harald Blauzahn noch eine ältere Siedlung, die wir in unseren Daten sehr schön sehen können.“

Markenzeichen

Womit wir bei der eigentlich wichtigen Frage wären: Warum wurde der dänische Wikinger-Star Blauzahn genannt? Er hatte wahrscheinlich keinen blauen Zahn. Einer Hypothese zufolge bedeutet Blåtand (dänisch für Blauzahn) ursprünglich „dunkler Than“, also dunkler Häuptling. Vielleicht haben die Wikinger das mit dem blauen Zahn aber doch ganz wörtlich gemeint: Ein abgestorbener Zahnnerv führt dazu, dass sich dunkle Verfärbungen bilden, was gerade bei einem Frontzahn zum Markenzeichen werden kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

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