© Gerrard Gethings

Wissen Wissenschaft
09/19/2021

Warum sich Hund und Halter ähnlich sehen

Optische Gemeinsamkeiten zwischen Hund und Herrchen bzw. Frauchen sind mehr als eine Legende. Warum das so ist und wie man den idealen Begleiter findet.

von Valerie Krb

„Entschuldigung, Sie sehen aus wie ein Pudel. Darf ich Sie fotografieren?“ Diese ungewöhnliche und zugegeben unheimliche Frage brachte Gerrard Gethings ans Ziel einer beruflichen Mission. Nämlich Menschen zu finden, die aussehen wie Hunde, um sie für sein Fotoprojekt „Do you look like your dog?“ abzulichten.

Dahinter steckt durchaus ein Funken Wahrheit. Das können nicht nur jene bestätigen, die an beliebten Gassi-Routen Hunde und ihre Besitzer beobachten. Das besagt auch eine US-Studie, wonach es diese Ähnlichkeiten tatsächlich gibt. Menschen werden nicht nur bei der Wahl des Partners, sondern auch des vierbeinigen Begleiters von optischen Merkmalen angezogen, die ihnen ähneln.

Das heißt umgekehrt aber nicht, dass Hunde, die einem äußerlich gleichen, auch tatsächlich zu einem passen. Auf der Suche nach einem treuen Begleiter ist keine Oberflächlichkeit angebracht. „Häufig werden die Hunde nach Aussehen, Farbe oder Geschlecht gewählt. Das ist der falsche Weg“, sagt Tierpsychologin Yvonne Adler. Zudem würden kinderlose Paare oft zu Hunden mit Kindchenschema greifen, wie dem Mops oder der französischen Bulldogge. Man sollte aber vielmehr auf rassetypische Verhaltenseigenschaften achten, die zu den eigenen Lebensumständen passen.

„Wenn man auf der Suche nach einem Familienhund ist, ist der Australian Sheperd zum Beispiel keine gute Wahl“, sagt Adler. Er wurde, wie der Name schon sagt, für das Hüten von Herden gezüchtet. Dabei ist es manchmal erforderlich, an den Fesseln der Rinder zuzupacken. „Er kann also auch das Kind einmal ins Hosenbein zwicken.“

Eine Frage der Größe

Besser geeignet sind Retriever-Rassen, die zwar Jagdhunde sind, aber nicht eigenständig Vorschussarbeit leisten und daher leichter trainierbar sind. Oder große Molosserhunde wie die Dogge, die vom Wesen her ruhiger sind. Das hat anatomische Gründe. „Ein größerer Körper hat ein größeres Gehirn, das mehr Platz für Nervenleitungen zur Selbstbeherrschung hat“, erklärt Adler. Das Klischee des kleinen Kläffers ist also in Wahrheit gar keines. Es liegt am kleinen Gehirn, dass sie zwar wagemutiger sind, aber auch impulsiver.

Andersrum können aktive und hundeerfahrene Menschen mit selbstständigen Rassen sehr glücklich werden. Darunter fallen neben dem Australian Sheperd der Border Collie oder Jagdhunde wie der Jack Russel Terrier. Letztere wurden dazu gezüchtet, um bei der Jagd eigenständige Entscheidungen zu treffen. Werden sie entsprechend beschäftigt, gibt es keine Probleme.

Wer sich lieber einer der vielen herrenlosen Hunde in Tierheimen annehmen möchte, sollte bei Mischlingen – bei denen rassetypische Eigenschaften schwer auszumachen sind – auf Folgendes achten, rät Adler: „Viel Zeit nehmen und das Tier vorher kennenlernen. Ist es zurückhaltend, interessiert, freundlich oder ängstlich? Und Gespräche mit dem Personal führen, das kennt die Hunde.“

Hunde-Typologien

Cleverer Pudel

Er ist schlau, leicht zu trainieren und geeignet für Allergiker: Obwohl der Pudel etwas aus der Mode gekommen ist, schwärmen Kenner von seinem Charakter.   Ursprünglich für die Wasserjagd  von Enten gezüchtet, hat er seinen Jagdtrieb weitgehend verloren.  Die Pudelschur –  wohl Mitgrund für sein verstaubtes Image – hatte eigentlich den Zweck,  seine Organe vor der Kälte des Wassers zu schützen und gleichzeitig (durch die Rasur) Beinfreiheit zu gewährleisten. Später hatte sie rein optische Zwecke. Noch heute können ungeschorene Pudel nicht an Ausstellungen teilnehmen. Aufgrund der hohen Lernfähigkeit kann er zum Leichensuch- und Blindenführhund ausgebildet werden. Und: Es gibt ihn in allen Größen.

A Siberian Husky looks on during a practice session on the frozen  Biryusa River in the Siberian Taiga area outside Krasnoyarsk

Eigenständiger Husky

Diese Hunderasse ist nichts für Anfänger. Wie alle nordischen Hunde ist er mit dem Wolf  näher verwandt und daher sehr eigenständig. Bekommt er nichts zu fressen, fängt er selbst an zu jagen. Hundehalter empfinden dieses Verhalten als stur. In Wirklichkeit zeigt er nur jene Beharrlichkeit, die der Mensch in ihn hineingezüchtet hat. Bei ausreichendem Training kann er das Neunfache seines Körpergewichts ziehen. Außerdem verfügen Huskys über einen ausgezeichneten Orientierungssinn, was auf ihren Einsatz als Nutztier bei den Inuit zurückzuführen ist. So kommt er selbst bei einer dicken Schneedecke nicht vom Weg ab. Eine weitere Besonderheit ist, dass Huskys nicht viel bellen. Gewöhnt ist er an kältere Temperaturen.

Gelassene Dogge

Ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Was bei einer Körpergröße von 80 Zentimetern auch allzu verständlich ist. Seine hohe Reizschwelle macht ihn zum angenehmen Begleiter, auch wenn er viel Kraft hat. Immer wieder wird die Dogge als  alte Hunderasse beschrieben, weil ihr Abbildungen auf Steintafeln der Antike ähneln. Wirklich belegt ist dies allerdings nicht. Lückenlos verfolgen lässt sich die Geschichte der Dogge nur bis ins 16. Jahrhundert, als sie in England gezüchtet wurde. Von dort kommt auch der Name, der sich schlicht und einfach auf „dog“ zurückführen lässt. Übrigens: Diese Hunderasse hält auch den Weltrekord für den größten Hund. „Gibson“ hatte eine Schulterhöhe von 108 Zentimetern.

Einzelgänger Akitu Inu

Einsam ist besser als zweisam, lautet das Motto dieser japanischen Rasse. Zumindest, was Artgenossen betrifft, die er nicht unbedingt in seiner Nähe haben will. Wer einen selbstbewussten Hund sucht, macht mit ihm alles richtig. Unterwürfiges Verhalten sucht man beim Akita Inu vergebens. Deshalb sollte er auch nur in erfahrende Hände. Dem Menschen gegenüber ist er sehr treu. Dies zeigt die Geschichte von Hachiko. Anfang des 20. Jahrhunderts holte dieser japanische Akitu seinen Besitzer jeden Tag vom Bahnhof in Tokio ab. Als dieser plötzlich verstarb, wartete er zehn Jahre am Bahnhof auf ihn. Nach dem Zweiten Weltkrieg starb diese Rasse beinahe aus, weil das Militär die Felle für Kleidung benötigte. 

Berüchtigter American Staffordshire

In Österreich wird er als Listenhund geführt und damit als gefährliche Rasse eingestuft. Doch es gibt keine wissenschaftlichen Studien oder Beißstatistiken, die das eindeutig belegen. Außerdem eilt ihm dieser Ruf nur in Europa voraus. In den USA  wird der American Staffordshire auch „Nanny Dog“ genannt, weil er sich Kindern gegenüber hochsozial verhält. Da er zu den Terriern gehört, ist er allerdings leichter erregbar und sollte nicht in den falschen Hände. Seinen schlechten Ruf hat er auch durch Hundekämpfe im England des 19. Jahrhunderts,  wo ihm sein  aggressives Verhalten Artgenossen gegenüber angezüchtet wurde. Im 20. Jahrhundert wurden die Kämpfe dort verboten. 

Impulsiver Chihuahua

Diese Miniversion eines Hundes gehört hierzulande zu den beliebtesten Rassen und wurde ursprünglich für die Jagd nach Ratten und Mäusen gezüchtet. Aufgrund des kleinen Gehirns ist er leicht erregbar, was sich durch häufiges Bellen bemerkbar macht. Andererseits kann er sehr mutig sein. Sein kleiner Körper verschafft dem Chihuahua viele Beschwerden, weshalb man von einer Qualzucht spricht. So bietet sein Maul nicht ausreichend Platz für Zähne, und sie müssen oft in frühen Jahren gezogen werden. Außerdem kann man bei ihm häufig einen dreibeinigen Gang beobachten, weil eine Kniescheibe herausspringt. Es ist die kleinste Hunderasse der Welt und stammt, wie der Name schon verrät, aus Mexiko.

629.120 Hunde leben laut einer Erhebung der Statistik Austria aus dem Vorjahr in Österreichs Haushalten.

Mischlinge sind in Wien am beliebtesten, gefolgt vom Chihuahua. In NÖ ist Letzterer sogar am gefragtesten.

53 Euro geben Hundebesitzer im Schnitt pro Monat für ihren Vierbeiner aus.

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