Außerhalb Österreichs ist der Singvogelfang weit verbreitet.

© APA/AFP/NICOLAS TUCAT

Wissen Wissenschaft
05/30/2020

Singvogelfang und Krähenjagd: Wo Vögel als Lockvögel dienen

Im Salzkammergut locken zwitschernde Wildtiere in die Falle. Rabenvögel und Uhu - mitunter aus Kunststoff - helfen Jägern.

von Hedwig Derka

Der ideale Zeitpunkt. Ein begabter Lockvogel, der alle Rufe beherrscht. Eine Falle, die im richtigen Moment zuschnappt: Das sind die Zutaten für einen fetten Fang. Das Rezept geht bei kleinen Wildvögeln genauso auf wie bei großen Tieren - siehe jüngstes Beispiel Ibiza.

„In Österreich sind Lockvögel heute für den Vogelfang bzw. für Jagdzwecke nur sehr eingeschränkt erlaubt“, sagt Johannes Hohenegger von der Vogelschutzorganisation Birdlife Österreich. Der Präsident von Jagd Österreich, Roman Leitner, verweist überhaupt nur auf Kunststoffattrappen, die – überzeugend platziert – „ein gutes Hilfsmittel“ in der Krähenbejagung sind.

Lange Geschichte bei Tier und Mensch

Dabei haben lebende Lockvögel eine lange Geschichte. Die gefiederten Köder lösen bei Artgenossen eine Mischung aus Neugier, Futterneid und Vertrautheit aus; mitunter auch Aggression. Per Definition wird der Lockvogel verwendet, „um andere Tiere zu verleiten, ihre Scheu zu überwinden und sich zu ihm zu gesellen oder ihn als Beute zu greifen, damit sie dort leichter fotografiert, gefangen oder erlegt werden können“. Der Begriff hat sich auch in der Welt der Spionage eingebürgert.

Ende in Freiheit

Lebendige Prachtexemplare wirken natürlich anziehender als schweigsame Attrappen (billige Dummys glänzen zudem verräterisch im Regen). Die modernen Papagenos des Salzkammerguts können ein Lied davon singen. Hier zwitschern Lockvögel nachweislich seit dem 16. Jahrhundert, damit hat es der Brauch 2010 auf die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes in Österreich geschafft.

„Im Salzkammergut wurde der Vogelfang nie im Sinne von Töten ausgeübt. Er wurde nur zur Stubenvogelhaltung und zum Verkauf von Stubenvögeln ausgeübt“, erklärt sich der Salzkammergutverband der Vogelfreunde. Darüber hinaus würden die Gefangenen nach dem Winter – und der alljährlichen Waldvogelausstellungen inklusive Schönheitswettbewerb – wieder in die Freiheit entlassen. Die wertvollen Lockvögel freilich bleiben in menschlicher Obhut. Außerhalb Oberösterreichs ist das Hobby mittlerweile verboten; bundesweit; aus Gründen des Tier- und des Naturschutzes. In anderen Teilen der Welt – vor allem in Asien – gehören stimmungsvolle Wildvögel im Käfig nach wie vor zum guten Ton.

Tödlicher Ausgang

Aber zurück nach Österreich. Zur blutigen Jagd. „Lockvögel werden vor allem eingesetzt, um den Krähenbestand zu regulieren. Auch wenn der Erfolg der Maßnahme umstritten ist“, sagt Hohenegger. Rabenvögel fressen Junghasen, plündern die Nester von Rebhuhn, Fasan und Singvögeln und richten in der Landwirtschaft Schaden an. Das macht die schwarzen Beutegreifer mancherorts unbeliebt. 

Lockbild oder Feindbild

Sie werden auf zwei Arten ins Verderben gelockt: Die Variante soll Sicherheit vermitteln. Entweder warten ein paar lebende Lockvögel in einer Voliere ohne Fluchtmöglichkeit auf Artgenossen. Oder Kunststoffvögel werden zu einem Lockbild aufgestellt. "Eine bestimmte Anzahl von Krähenattrappen wird so positioniert, dass sie ein möglichst natürliches Szenario ergeben: fressende Attrappe, sichernde Attrappe, ruhende Attrappe", schildert Leitner: "Am sinnvollsten ist es, die Krähen am Tag zuvor lange zu beobachten und dann das Lockbild anhand der Beobachtung nachzubilden." Bei guten Lockbildern würden die Krähen kaum Verdacht schöpfen und näher kommen, bis sie erlegt werden können.

Bei der zweiten Variante wird ein Feindbild aufgebaut. Ob lebend oder Dummy: Dabei wird meist ein Uhu, Feindbild Nummer 1 der Krähen, auf einen Pflock gesetzt, um die Angreifer auf sich zu ziehen. Vogelschützer Hohenegger: „Das ist eine heikle Sache. Es wird mit Schrot geschossen.“ Die Munition trifft mitunter nicht nur das gewünschte Ziel. Es bringt auch den Lockvogel in Gefahr.

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