Kindern fehlt die Mimik.

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Wissen Wissenschaft
10/26/2020

Sich trotz Mund-Nasen-Schutzes richtig verstehen

Lauter sprechen, Hände reden lassen: Deutsche Experten erklären, wie die Kommunikation mit Maske funktioniert.

Wie bitte? Kommunikation läuft nicht nur über Sprache ab. Verständigung schließt auch Mimik und Tonlagen ein. Der Austausch mit Maske ist daher eine besondere Herausforderung. „Man wird akustisch schlechter verstanden, vor allem, wenn man nicht extrem deutlich oder laut spricht“, sagt die deutsche Stimm- und Sprechtrainerin Luna Mittig. Sprechen und Zuhören fallen in Zeiten von Corona-Schutzmaßnahmen schwerer als sonst.

Zusatzinformationen fallen weg

„Das ist wie bei einer Fremdsprache“, erläutert Mittig: „Weil die Stimme gedämpft ist und die Mimik fehlt, fällt ein Teil der Informationen weg, die wir unbewusst wahrnehmen.“ Einfach nur lauter reden, bringt es oft nicht. „Man muss sich selbst disziplinieren, langsamer zu sprechen, kürzere Sätze zu verwenden und mehr Wert auf die Betonungen zu legen“, erklärt die Expertin. Und mehr gestikulieren: „Das, was man im Gesicht wegen der Maske nicht sieht, muss man mit Händen und Füßen machen.“

Nur die Augen reden mit

„Das Gesicht ist deutlich beredter als der Rest des Körpers“, erklärt der deutsche Mimikforscher Stefan Lautenbacher von der Universität Bamberg das Hauptproblem. „Die Mimik besteht grob gesagt aus zwei Bereichen: Das Feld um den Mund herum, das viel signalisiert, und das Feld um die Augen herum, das bis in die Stirn hinein geht: Wir können die Augenbrauen hochziehen, die Stirn runzeln, die Augen eng stellen oder öffnen.“

Schwierige Situation für Kinder

Bei Erwachsenen sei der Gesichtsausdruck nicht ganz so wichtig, weil sich viel aus dem Kontext erschließe und Erwachsene sich zudem sprachlich sehr gut ausdrücken könnten. „Wir müssen nicht traurig gucken, weil wir sagen können, dass wir traurig sind.“ Kinder hingegen bräuchten dieses zweite Signalsystem stärker, auch wenn die Maske die Mimik nicht komplett verdecke, sondern nur reduziere.

Lernprozess bis zum zwölften Lebensjahr

Ein weiteres Problem: „Sie erkennen einen Menschen nicht einfach an den Augen oder dem Mund, sondern an der Konfiguration, also den Abständen, der räumlichen Zuordnung der einzelnen Teile eines Gesichtes“, erläutert Lautenbachers Kollege Claus-Christian Carbon. „Wir nehmen ein Gesicht grundsätzlich holistisch auf, also ganzheitlich.“ Allerdings erst ab einem Alter von etwa zehn, zwölf Jahren - so lange dauert der Lernprozess.

„Wenn uns jetzt aber ein Teil einfach weggeschnitten wird durch die Maske, funktioniert diese holistische Verarbeitung nicht richtig, weil uns entscheidende Informationen fehlen“, erläutert Carbon. Andere Menschen ließen sich dadurch schwerer wiedererkennen.

Emotionen bleiben unerkannt

Und es gibt noch ein Problem: „Es gibt einige Emotionen, die wir ganz charakteristisch jeweils mit dem Mund oder den Augen machen: Ekel, Trauer, Wut drücken wir stark mit dem Mund aus, Freude etwa über die Augen.“ Wenn jetzt gut die Hälfte des Gesichtes durch eine Maske verdeckt werde, geht zwischenmenschlich leicht was schief, berichtet Carbon. „Ganz viele charakteristische Emotionen werden nicht erkannt und als eher neutral interpretiert, oder fälschlicherweise als eine andere Emotion erkannt.“ Beispielsweise werde Ekel häufig als Wut missverstanden.

Mehr reden hilft

Das Problem lässt sich mit dem einen oder andere zusätzlichen Wort leicht lösen. „Wir Menschen nördlich der Alpen neigen dazu, eher ein bisschen zu wenig zu reden“, findet Carbon. „Aber es schadet uns ja nicht, dass wir manche Sachen etwas explizit machen, auch wenn es etwas mehr Kraftaufwand bedeutet.“

Barriere beim Kennenlernen

Vor allem in Bereichen, in denen es ums Zwischenmenschliche geht, um Vertrauen und Nähe, kann die Maske wie eine Barriere wirken - erst recht, wenn Menschen sich neu kennenlernen. Kommunikationstrainerin Lisa Kuchenmeister: „Es ist schwieriger, eine Beziehung aufzubauen.“

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