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Wirtschaft Karriere
05/24/2020

Warum Masken in der Kommunikation kein Hindernis sind

Worauf man sich beim Reden mit Maske konzentrieren sollte, warum auch Daumen sprechen und was die Füße hier zu melden haben, erklärt Körpersprache-Experte Joe Navarro.

von Ornella Wächter

Gesichter übten schon immer eine Faszination auf Menschen aus. Augen, Nase, Mund, Gesichtsform, die Haut – sie beeinflussen wesentlich, ob wir jemanden attraktiv finden oder nicht. Genauso schnell sind Menschen verunsichert, sobald Teile des Gesichts verdeckt sind. Große Brillen oder Masken irritieren, da wir in der Kommunikation stark auf die Mimik unseres Gegenübers achten.

Mit der Maskenpflicht, die in Teilen des öffentlichen Raums, in Geschäften, Restaurants und Büros gilt, kommt also scheinbar eine kommunikative Hürde auf uns zu. Körpersprache-Experte Joe Navarro hingegen sagt: „Der ganze Körper spricht.“ Im KURIER-Gespräch erklärt er, worauf wir achten sollten:

Der ganze Körper spricht

Navarro entlarvte in der Abteilung für Spionageabwehr 25 Jahre lang Verbrecher – oft anhand ihrer Körpersprache. Er sagt: „Masken werden unsere Kommunikation nicht erschweren. Denn 80 bis 90 Prozent unserer Kommunikation verläuft nonverbal.“ Der Experte erklärt: „Ob mir ein Mensch wohlgesinnt ist, was mein Gegenüber beabsichtigt oder welche Emotionen im Spiel sind, wird mir über Mimik, Gestik und die Körperhaltung gezeigt.“

Diese Körpersprache würde der Mensch evolutionsbedingt ausüben, das hat auch die Forschung bestätigt, so Navarro. Nun, wo sozial erlerntes Verhalten, wie gegenseitiges Händeschütteln oder Umarmungen bei Begrüßungen wegfallen, Masken getragen und auf Abstand gegangen wird, müssen wir wieder stärker auf die Körpersprache des anderen achten.

Das Gesicht

Generell werde in der Kommunikation dem Gesicht zu viel Bedeutung beigemessen, so der Experte. Eine Maske stelle daher kein Hindernis dar. „Eine Atemschutzmaske verdeckt nur etwa acht Prozent unseres Körpers“, sagt Navarro. Man könne zwar den Mund nicht sehen, dafür richtet sich der Fokus umso mehr auf die Stimme, Augen, Augenbrauen oder die Stirn. Pupillen beispielsweise würden sich erweitern, wenn uns das Gesagte interessiert und verengen, wenn uns etwas abstößt.

„Dass Masken häufig negativ konnotiert werden, hat auch viel mit der Popkultur zu tun“, erklärt Navarro. So würden Bösewichte und Verbrecher in Filmen oder Comics häufig mit bedeckten Mündern gezeigt. Ein weiteres Beispiel: Vermeidet der Gesprächspartner den Blickkontakt, macht er deutlich, dass er verärgert ist, Zweifel hat oder anderer Meinung ist.

Die Hände

Der Spezialist rät, bei der nächsten Übertragung einer politischen Rede oder Besprechung in der Arbeit, speziell auf die Haltung der Daumen zu achten. „Wenn wir uns unsicher fühlen, verstecken wir oftmals die Daumen hinter verschränkten Händen“, so Navarro. Ganz anders ist die Bedeutung, wenn die Daumen nach oben zeigen. „Normalerweise ist das ein Indiz für etwas Positives.“ Die Haltung der Hände sagt noch weit mehr über die Verfassung eines Menschen aus.

Bei schlechten Nachrichten, Sorge, Angst oder Unsicherheit, fassen sich Menschen oft unwillkürlich an die Brust, bedecken die sogenannte Drosselgrube zwischen Kehlkopf und Brustbein. „Das machen wir, um uns in unsicheren Situationen zu beruhigen“, erklärt der Experte. Gleiches gilt, wenn sich jemand seitlich an den Hals fasst. „Es spricht für Unbehagen, Zweifel oder Unsicherheit.“

Die Füße

„Unsere Füße sind der ehrlichste Teil unseres Körpers, da ihre Position vom limbischen System gesteuert wird“, erklärt Joe Navarro. „Dieser Teil des Gehirns reagiert reflexartig auf unsere Umwelt, ohne dass wir nachdenken müssen.“ Wenn zwei Menschen sich unterhalten, wenden sie einander die Zehen zu, so der Experte. Wenn jedoch einer der beiden seine Füße leicht wegdreht oder wiederholt einen Fuß nach außen stellt, sei das ein Indiz, das er gehen möchte.

Wenn wir aus einem bestimmten Grund aufgeregt oder zufrieden sind, neigen wir dazu, auf dem Fußballen zu wippen. „Gekreuzte Beine seien ein zuverlässiger Indikator dafür, dass wir uns wohlfühlen. Ist plötzlich eine Person anwesend, die wir nicht mögen oder kennen, nehmen wir die Beine wieder auseinander.

Schon früh lernte Joe Navarro, nonverbale Kommunikation zu verstehen. Mit acht Jahren flüchtete er aus Kuba in die USA und begann aufgrund der Sprachbarriere, mehr auf  Mimik und Körperhaltung seiner Mitmenschen zu achten. Dieses Können half dem FBI-Agent später, auch Verbrecher zu entlarven. Heute ist er Autor mehrerer Bücher, darunter von: „Menschen lesen“, mvg-Verlag, 16,95 Euro.