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Wissen Wissenschaft
10/26/2020

Schlechtes Zeugnis für den heimischen Naturschutz

Österreich ist kein Umweltmusterland. Es wird zu viel verbaut, verschmutzt und zerstört. Das zeigt ein EU-Bericht mit Ländervergleich.

von Hedwig Derka

Platz 18 von 28 in Sachen Erhalt naturnaher Lebensräume; Platz 27 vor Schlusslicht Kroatien betreffend Artenschutzerfolge: Die Europäische Umweltagentur EEA präsentierte nach fünf Jahren ihren neuen Bericht über den „Zustand der Natur in der EU“ und stellt Österreich im Ländervergleich ein miserables Zeugnis aus; vom Umweltmusterschüler keine Spur, dabei werden die Roten Listen auch andernorts eher länger als kürzer.

Europaweit trauriges Gesamtbild

„State of Natur in the EU“ basiert auf Angaben der Mitgliedsstaaten, EU-Kommission und EEA zeichnen daraus ein Gesamtbild. Ihr Resümee für 2013 bis 2018: Die Natur zwischen Portugal und Bulgarien ist bedroht. Die Fitness von 63 Prozent der knapp 1.400 Arten, die unter die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie fallen, ist mangelhaft bzw. schlecht. Bei den Wäldern, Wiesen, Dünen und Mooren geht es gerade einmal 15 Prozent gut.

Österreich als Nachzügler

„Österreich ist europaweit ein Nachzügler. Man muss sich nur den ökologischen Fußabdruck anschauen, um die Ursachen zu erkennen“, kommentiert Arno Aschauer vom WWF die hinteren Plätze im Länder-Ranking. Der Artenschutzexperte zählt denn die Gründe für das bescheidene Abschneiden auf: „Im Prinzip sind es Verbauung, Verschmutzung und Zerstörung von Lebensräumen.“ Einkaufszentren an jedem Ortsrand mit riesigen Parkflächen, Forststraßen und Hausbau tragen täglich zur Versiegelung von Boden bei. Schmetterlinge bleiben da genauso auf der Strecke wie Kröten. Uferbefestigungen und Querverbauungen stören die Wanderschaft von Fischen. Dazu kommt der Einsatz von Pestiziden und Dünger in ausgedehnten Monokulturen. Wildbienen fehlen die Blüten. Intensiv genutzte Wälder mit hohem Fichtenanteil wiederum bieten Vögeln wenig Nistplätze. In den heimischen Gärten dominieren importierte Pflanzen, die hungrige Tiere nicht satt machen. Allzu gepflegte Gärten lassen keinen Raum für wildes Wuchern.

Zypern mit mehr Gstätten auf Platz 1

„In Zypern, das die Länder-Liste anführt, gibt es zum Beispiel noch mehr Gstätten, wo Unkräuter und Büsche wachsen und Arten Lebensräume finden“, sagt Aschauer. Der Umweltschützer will aber nicht über Reihungen diskutieren, für ihn steht fest: „Vorzeigeland sind wir sicher nicht. Sobald die Natur Platz braucht, will sie keiner haben.“ Siehe Wolf, siehe Fischotter. Die Situation habe sich in den 25 Jahren EU-Mitgliedschaft nicht verbessert.

Dringender Handlungsbedarf

„Unsere Beurteilung zeigt, dass der Schutz der Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Natur in Europa fundamentale Veränderungen erfordert“, erklärte EEA-Generaldirektor Hans Bruyninckx in Kopenhagen. Die Politik ist gefordert. Auch Arno Aschauer sieht dringenden Handlungsbedarf: „Wir müssen möglichst schnell in den Naturschutz investieren. Es braucht nachhaltiges Produzieren und Konsumieren.“ Jeder Euro, der in Renaturierung gesteckt wird, bedeutet einen Gewinn für die Volkswirtschaft. Und natürlich für Bachforelle, Luchs & Co.

  • 37 Prozent der Säugetier-Arten in Österreich stehen auf der Roten Liste.
  • 36 Prozent der heimischen Vogel-Arten sind vom Aussterben bedroht.
  • 60 Prozent der Fische, Amphibien und Reptilien sind existenziell gefährdet.
  • 83 Prozent der bewerteten Arten weisen Hierzulande einen „mangelhaften“ bis „schlechten Zustand“ auf.
  • 79 Prozent der untersuchten Lebensräume befinden sich österreichweit sich in keinem „guten Zustand“.
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