Prüfung im Feld: Bea Maas und Spürhündin Watson haben eine Geruchsprobe gefunden.

© Naturschutzhunde.at

Wissen Wissenschaft
08/17/2020

Geprüft: Schnüffeln für den Artenschutz

Nasenarbeit von Hunden, die Borkenkäfer, Wildkatzen oder Kadaver aufspüren, kann jetzt zertifiziert werden.

von Hedwig Derka

VonHedwig DerkaWenn sich Bea Maas ins Gebüsch schlägt, hat sie Kamera, GPS-Gerät, Notizzettel und ein Vogelbestimmungsbuch im Gepäck; einen genauen Plan im Kopf, um sich nicht von ihrem Weg abbringen zu lassen; und ihre Assistentin fest im Blick. In Schlangenlinien zieht die Ökologin gegen den Wind durch Wald und über Wiesen; Watson geht eher ihrer Nase nach: Die Hundeführerin und der Flat Coated Retriever sind als eingespieltes Arbeitsteam auf der Suche nach toten Vögeln und Fledermäusen.

Neuerdings tun sie das mit Zertifikat. Sie zählen zu den Ersten, die die standardisierte Prüfung des Vereins Naturschutzhunde – Spürhunde im Natur- und Artenschutz bestanden haben.

Geruchssinn

Geruchssinn
Hunde verfügen über eine weit größere Riechschleimhaut als Menschen. Die Vierbeiner ver- wenden zudem mehr Gehirn zum Einordnen von Gerüchen. Sie können  dreidimensional riechen, weil linkes und rechtes Nasenloch das Denkorgan mit unterschiedlichen Duftinformationen beliefern. Und sie können mit ihren nasalen Wärmesensoren ein Temperaturbild erstellen.

Schnauze
Das Schnupperpotenzial hängt  von körperlichen Voraussetzungen ab. Rassen mit kleiner bzw. kurzer Schnauze können weniger Luft einatmen; Luft ist die Trägersubstanz. Insgesamt atmen Hunde bei der Nasenarbeit 300 Mal pro Minute ein – weit häufiger als sie dabei ausatmen.

Hunde verfügen über einen feinen Geruchssinn. Sie erschnüffeln, was dem menschlichen Auge oder technischen Hilfen verborgen bleibt. Das ist u.a. beim Zoll so, nach Lawinen-Abgängen, in Labors – und in der Natur. Hier können geschulte Vierbeiner Schädlinge an Fichten erschnuppern oder seltene Käfer auf Streuobstwiesen. Manche sind auf die Spuren von Wildkatzen spezialisiert; Artennachweis der besonderen Art.

Watson hat gelernt, wie bestimmte Kadaver riechen. In der Testsituation musste die Hündin auf einer Fläche von drei Hektar mehr als 70 Prozent der versteckten Duftköder anzeigen. Bei der Routinearbeit soll sie tote Vögel und Fledermäuse finden, die durch Freileitungen, Glasflächen, Windräder oder Gift ums Leben gekommen sind. Da der Vierbeiner das Fundstück nicht berühren darf, macht er zielgenau Platz oder stuppst mit der Nase neben die verwesenden Überreste.

„Wir wollten mit der Zertifizierung einen hohen Arbeitsstandard gewährleisten“, sagt Maas als Pressesprecherin des Vereins. Als Wissenschafterin am Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Uni Wien liegen ihr Naturschutz und der gewaltfreie Umgang mit Tieren am Herzen. Auch die Artenschützer auf vier Pfoten sollen freiwillig, motiviert und sicher arbeiten. So wirkten erfahrene Diensthundeführer des Roten Kreuzes, der Polizei und der deutschen Bundeswehr mit an der Entwicklung des Gütesiegels und der Durchführung der Tests. Die Zertifizierung gilt mindestens 18 Monate. Die Vorbereitung darauf sollte innerhalb eines Jahres gelingen.

„Nasenarbeit ist eine hohe körperliche Anstrengung. Man merkt das den Hunden schon nach fünf Minuten an“, erklärt Maas. Einteilung der Kräfte und Motivation sind damit genauso wichtig wie der richtige Riecher. Hitze, Regen, Straßen – Mensch und Tier müssen sich aufeinander verlassen können. Dass nur ein gesunder Vierbeiner ins Feld darf, versteht sich von selbst. Genauso wie die Belohnung bei Erfolg. Watson freut sich über Leckerlis, die gut riechen, und über den Ball.

Teamgeist

„Wir passen perfekt zusammen“, sagt Maas, die sich seit 16 Jahren mit Nasenarbeit beschäftigt. Watson hat im Alter von drei Monaten mit dem systematischen Schnüffeln begonnen, heute ist sie fünfeinhalb und ein Profi. Ihre lange Schnauze hat reichlich Riechzellen. Sie liebt die Bewegung und hat Spaß an der Jagd im Sinn des Naturschutzes. Maas: „Mit dem Zertifikat heben wir uns von anderen Ausbildungen ab. Es stellt einen einheitlichen Standard für ganz Österreich sicher.“

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