Delfine lernen nicht nur von ihren Müttern.

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Wissen Wissenschaft
06/26/2020

Schlaue Säuger: Delfine sind die Affen der Meere

Die Wasserbewohner bringen sich gegenseitig neue Techniken zum Beutefang bei, zeigen Schweizer Forscher.

Delfine gelten als besonders schlau. Jetzt haben sich Schweizer Forscher angeschaut, wie die Meeressäuger lernen. Für ihre Studie an der Universität Zürich, UZH, haben sie zwischen 2007 und 2018 mehr als 1.000 Tümmler in der westaustralischen Shark Bay beobachtet. Es zeigte sich, dass die Tiere neue Techniken zum Beutefang nicht nur von ihren Müttern lernten, sondern auch von anderen Artgenossen. Damit zeigen sie ähnliche kulturelle Verhaltensweisen wie Menschenaffen.

Ausgefallene Jagdtechniken

Die Tiere wenden teils außergewöhnliche Techniken an, um an Futter zu gelangen. Eine davon ist das sogenannte "Shelling". Bei dieser Jagdtechnik nützt es den Beutetieren auch nichts, wenn sie sich im leeren Gehäuse einer Riesenschnecke verstecken. Denn die Delfine befördern das Schneckenhaus mit ihrem Schnabel an die Wasseroberfläche und schütteln sich dort die Beute einfach ins Maul.

Wissen von Müttern zu Kindern

Solche Techniken werden normalerweise von den Delfinmüttern an ihre Kälber weitergegeben, was man als vertikale Übertragung bezeichnet. Bisher ging man davon aus, dass Delfine nur auf diese Weise neue Methoden zur Futterbeschaffung erlernen können.

Orientierung auch an Gleichaltrigen

Die Studie, die Michael Krützen, Direktor des Anthropologischen Instituts der UZH, initiiert hat, zeigt nun, dass sich das "Shelling" zum Fangen von Fischen in erster Linie innerhalb einer Generation ausgebreitet hat, also horizontal übertragen wurde und nicht zwischen zwei Generationen.

Lernen im Alter

"Unsere Ergebnisse liefern den ersten Beweis, dass Delfine auch fähig sind, als erwachsene Tiere direkt von ihren Artgenossen zu lernen und nicht nur von ihren Müttern", sagt Krützen. Das habe die Analyse von Verhaltens-, genetischen und Umweltdaten ergeben.

Wie Schimpansen und Gorillas

Diese Erkenntnis sei ein wichtiger Meilenstein und zeige, dass das kulturelle Verhalten von Delfinen und anderen Zahnwalen jenem von Menschenaffen noch viel ähnlicher sei, als man bisher dachte. Von Gorillas und Schimpansen weiß man, dass sie neue Verhaltensweisen zur Futtersuche sowohl vertikal als auch horizontal erlernen.

Sowohl bei der Gruppe der Zahnwale als auch bei der Familie der Menschenaffen handelt es sich um langlebige Säugetiere mit großen Gehirnen, die über zahlreiche Fähigkeiten zur Innovation und zur Weitergabe von kulturellen Verhaltensweisen verfügen.

Anpassungsfähig

Dass freilebende Delfine neue Jagdtechniken nicht nur von ihren Müttern lernen können, erweitert auch das Verständnis dafür, wie sich die Tiere an veränderte Umweltbedingungen anpassen können. Wenn sie in der Lage sind, von anderen Artgenossen zu lernen, ermöglicht dies eine raschere Verbreitung neuer Verhaltensweisen.

Spezielle Technik

Das "Shelling" steht möglicherweise im Zusammenhang mit einer Hitzewelle Anfang 2011. Damals verendete eine große Zahl von Fischen und wirbellosen Tieren in der Shark Bay. Dieser Beuteschwund könnte die Delfine dazu veranlasst haben, neues Verhalten zur Nahrungssuche von ihren Gefährten zu übernehmen, schreibt die UZH. Außerdem hatten die Delfine durch den Überfluss leerer Riesenschneckenhäuser mehr Übungsmöglichkeiten.