Die flachen Haie jagen am Meeresboden.

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Wissen Wissenschaft
08/29/2020

Meerengel: Warum diese Haie seit Urzeiten wie Rochen aussehen

Die Form verschaffte den Meeresbewohnern zunächst evolutionäre Vorteile, jetzt sind die Spezialisten eher bedroht.

Rochen oder Hai? Meerengel sind Haie, die wegen ihres eigentümlich flachen Körpers aber eher Rochen gleichen. Den Ursprung dieser Körperform hat jetzt ein internationales Forschungsteam um Faviel A. López-Romero und Jürgen Kriwet vom Institut für Paläontologie der Uni Wien untersucht. Die Ergebnisse veranschaulichen, wie diese Haie sich zu hochspezialisierten, ausschließlich am Boden lebenden Lauerjägern entwickelten und tragen so auch zu einem besseren Verständnis ihrer Bedrohung durch Umweltveränderungen bei. Die Studie erscheint in der Zeitschrift Scientific Reports.

Wer an Haie denkt, hat meist schnelle und große Ozeanräuber im Kopf. Einige Arten stellen dieses Bild aber in Frage – zum Beispiel die Meerengel. Sie haben sich an ein Leben am Grund der Ozeane angepasst, wo sie ihrer Beute auflauern. Um sich am bzw. im Boden verstecken zu können, hat sich der Körper der Meerengel im Lauf ihrer Evolution abgeflacht.

160 Millionen alte Fossilien

Die ältesten bekannten, vollständigen Fossilien von Meerengeln sind ca.160 Millionen Jahre alt und zeigen, dass der abgeflachte Körper schon früh in ihrer Evolution etabliert war. Das deutet auch darauf hin, dass bereits diese ausgestorbenen Meerengel einen ähnlichen Lebensstil wie ihre heutigen Nachkommen besaßen – und dass dieser Lebensstil offensichtlich sehr erfolgreich war.

Die Forscher verglichen Schädel von ausgestorbenen Arten aus dem späten Jura (vor ca. 160 Millionen Jahren) und heutiger Arten mit Hilfe von Röntgen- und CT-Aufnahmen. Zudem analysierten sie präparierte Schädeln quantitativ unter Verwendung geometrisch-morphometrischer Methoden. So konnte die Evolution von Körperformen unabhängig von der Körpergröße vergleichend erklärt werden.

Früher mehr Unterschiede

Die Ergebnisse zeigen, dass frühe Meerengel in ihrer äußeren Form unterschiedlich waren, wogegen heutige Arten eine vergleichbar geringere Formvariation zeigen. "Viele der lebenden Arten sind anhand ihrer Skelettanatomie und Form schwer zu identifizieren, was bei der Artzuordnung problematisch sein könnte", erläutert Faviel A. López-Romero.

Anpassung erschwert

Diese Uniformität der Bodenjäger bringt aber nicht nur eine Verwechslungsgefahr mit sich. Sie wirkt sich auf das Überleben der flachen Haie aus. Kriwet: "Die modulare Integration führt dazu, dass solche Tiere nicht mehr schnell auf Umweltveränderungen reagieren können und sich ihr Aussterberisiko dadurch erhöht."

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