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Wissen Wissenschaft
01/22/2021

Kindergärten werden in der Krise sträflich vernachlässigt

Am 24. Jänner ist Tag der Elementarbildung. Doch nicht nur die personelle Not ist in den Kindergärten groß.

von Ute Brühl

Raphaela Keller ist hörbar genervt: „Man verlangt, verlangt, verlangt. Doch Unterstützung erhalten Fachkräfte im Kindergarten nicht.“ Keller ist Koordinatorin des Tages der Elementarbildung, der am 24. Jänner ansteht.

Was ihr und ihren Kollgen sauer aufstößt: „Wir werden nur noch dann genannt, wenn es um die Betreuung der Kinder geht. Dabei sind Kindergärten vor allem eine Bildungseinrichtung.“ Viele Österreicher hätten das im Gegensatz zur Politik verstanden – auch wenn wegen Corona das als nicht mehr ganz so wichtig erscheint, wie auch eine aktuelle Umfrage zeigt (Grafik).

Das macht die Elementarpädagogin Keller traurig – und sie stellt fest: „Schon bisher war es kaum möglich, die Bildungsarbeit, die vom Kindergarten erwartet wird, zu leisten.“ Die Pandemie erschwere den Arbeitsalltag zusätzlich: „Weil viel Personal ausfällt, müssen die Pädagogen sehr flexibel sein – auf Dienstpläne können sie sich nicht mehr verlassen. Zudem fallen eigentlich wichtige Elterngespräche weg. Wird ein Kind abgeholt oder gebracht, muss immer jemand aus der Gruppe an die Türe, weil niemand ins Haus darf – das bindet Ressourcen.“

In dieser Situation fühlen sich die Fachkräfte wenig wertgeschätzt: „Das zeigt sich beim Thema Testen und Impfen, wo es von Bundesland zu Bundesland und von Träger zu Träger Unterschiede gibt. Nicht überall wird man hier als systemrelevant eingestuft.“ Und systemrelevant seien die Kindergartenpädagogen – das sehen die meisten Österreicher so. 60 Prozent befürchten aber, dass die Pandemie den Zugang zur frühen Bildung verschlechtert hat.

Sie schätzen den Kindergarten – nicht nur, weil sich in ihrer Wahrnehmung die Qualität des Kindergartens im Vergleich zur eigenen Kindheit prinzipiell verbessert hat; auch das zeigt die Studie. Vor allem was die Öffnungszeiten, die Ausbildung der Pädagogen und die Vorbereitung auf die Schule angeht, habe man Fortschritte erzielt – an den zu großen Gruppen habe sich hingegen nicht so viel verbessert. Wobei auffällt, dass vor allem ältere Menschen hier eine positive Entwicklung sehen.

„Im Vergleich zu vor 50, 60 Jahren hat sich sicher einiges getan“, gesteht Keller ein: „Wenn wir uns aber in dem Tempo weiterentwickeln, brauchen wir bis 2200, um am Ziel zu sein.“ Die Pädagoginnen und Pädagogen selbst sehen hingegen nur wenig Fortschritte: „Sie kennen die Praxis, weil sie jeden Tag in den Gruppen sehen, was nicht so funktioniert, wie sie es sich wünschen und was auch aus wissenschaftlicher Sicht nottäte“, argumentiert Keller.

Deshalb kämpfe man auch am Tag der Elementarbildung für bessere Rahmenbedingungen. Welche das sind? „Wir brauchen bundeseinheitliche Standards – derzeit gibt es in jedem Bundesland andere Rahmenbedingungen“, sagt etwa die Trägerinitiative Elementare Bildung in Wien. Zudem müsse massiv in den Kindergarten investiert werden – auch finanziell. Statt wie bisher 0,6 Prozent sollte 1 Prozent des BIP hierfür aufgewandt werden.

Auch müssten die Gruppen kleiner werden: „Eine Fachkraft kann nicht wie derzeit 20 und mehr Kinder betreuen“, betont Keller. Dort wo nötig, sollte man leichter qualifiziertes Zusatzpersonal wie Logopäden oder Psychologen einsetzen können. „Würden die Rahmenbedingungen passen, wären mehr bereit, im Kindergarten zu arbeiten“, ist sich Keller sicher. Eine Ausbildungsoffensive – sowohl im Bereich der Schulen als auch der Hochschulen (siehe Geschichte unten) wäre hier hilfreich.

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