Insekten sind vielen Gefahren ausgesetzt.

© Kurier/Gilbert Novy

Wissen Wissenschaft
09/17/2020

Bienen, Wespen und Fliegen leiden unter Handystrahlung

Mobilfunk könnte laut Deutschem Naturschutzbund zum Insektensterben beitragen. Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz zweifelt daran.

Nicht nur Pestizide und Lebensraumverlust führen zu Insektensterben. Auch elektromagnetische Strahlung könnte dazu beitragen. Dies legt die Auswertung von 190 wissenschaftlichen Studien aus aller Welt nahe, die der Naturschutzbund Deutschland, die Initiative Diagnose Funk und die Luxemburger Aktionsgruppe Umwelttoxikologie vorlegten.

Pestizide, Lebensraumverlust und Handystrahlen

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass abseits von Pestiziden und dem Verlust von Lebensräumen auch die zunehmende Belastung der Umwelt mit elektromagnetischer Strahlung "vermutlich einen negativen Einfluss auf die Insektenwelt" habe. Demnach wiesen 60 von hundert aus der Gesamtmenge als seriös eingestuften Studien in Labor- und Feldversuchen negative Auswirkungen auf Bienen, Wespen und Fliegen nach. Diese reichten vom Verlust der Orientierungsfähigkeit durch die Magnetfelder bis hin zur Schädigung des Erbguts und der Larven.

Strahlung beeinflusst Botenstoffe

Ein Grund dafür sei, dass insbesondere Mobilfunk- und WLAN-Strahlung dafür sorge, dass die Calciumkanäle der Zellen geöffnet würden, so dass Calciumionen vermehrt einfließen. Calcium ist ein wichtiger Botenstoff, der eine biochemische Kettenreaktion bei Insekten auslöst, wie die in der Fachzeitschrift umwelt medizin gesellschaft veröffentlichte Untersuchung erläuterte.

Negative Effekte weiter beforschen

"Die Metastudie zeigt auf, dass wir bei der Ursachenanalyse für den dramatischen Insektenschwund unsere Augen in alle Richtungen offen halten müssen", erklärte der baden-württembergische Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Die Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf die Umwelt werde häufig unterschätzt.

Auch Peter Hensinger, zweiter Vorsitzender von Diagnose Funk und Leiter des Fachbereichs Wissenschaft, forderte die Beachtung möglicher negative Effekte auf Tiere und Menschen beim Ausbau des digitalen Netzes. Eine weitere Erforschung der Wirkungen sei auch von staatlicher Seite notwendig, insbesondere mit Blick auf die Einführung der 5G-Technik.

Studien-Ergebnisse bezweifelt

Das österreichische Forum Mobilkommunikation (FMK) reagiert promt auf die deutsche Studie. Es handle sich lediglich um die Meta-Analyse eines längst abgehandelten Themas, hieß es in einer Stellungnahme. Auch das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz würde den Annahmen klar widersprechen.

Unterhalb der Grenzwerte

„Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische sowie niederfrequente und statische elektrische und magnetische Felder unterhalb der Grenzwerte“, zitierte das FMK von der Homepage des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz.

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